publiziert: 15.01.2010 17:41 Uhr
aktualisiert: 17.01.2010 13:13 Uhr
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„Weißes Lamm“: Die Tage sind wohl gezählt

Nürnberger Bauträger hat die Kaufoption für das einstige Hotel in der Altstadt und will ein Wohnhaus bauen
  • Bleiverglaste Fenster: Wappen und Zunftzeichen zieren die Fenster in der Gaststube des Hotels „Weißes Lamm“.
    Foto: Martina Amkreutz-Götz
  • Das Hotel „Weißes Lamm“ soll bald Geschichte sein: Vor dem Abbruch könnte die Stadt Karlstadt die Holzvertäfelung an den Wänden, die bleiverglasten Fenster und die zum früheren Gasthausbetrieb nötige Bestuhlung samt Tresen und Zapfhahn abbauen.
    Foto: Martina Amkreutz-Götz
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Das „Weiße Lamm“ hat eine Zukunft. Niemand ist wohl über das Interesse eines Investors aus Nürnberg glücklicher als Kämmererer Wolfgang Beck. Endlich könnte er das Gebäude auf dem 540 Quadratmeter großen Grundstück an der Alten-Bahnhof-Straße Ecke Langgasse aus der städtischen Obhut entlassen.

Seit dem Kauf am 30. September 1990 vom letzten Eigentümerpaar Hans und Hannelore Röhm wartet Karlstadts Kämmerer auf einen seriösen Investor, der das massive und unterkellerte Gebäude an einem neuralgischen Punkt in der Karlstadter Altstadt abreißen und neu aufrichten will. Immer wieder klopften Interessenten, auch Einheimische, an, sprangen aber angesichts der hoher Investitionen oder eigener unrealistischer Nutzungspläne wieder ab. Einer davon: ein Hotel.

Nachdem der Stadtrat im Juli 2009 entschieden hatte, die Abrisskosten vom Kaufpreis abzuziehen, um Investoren anzureizen, kam Bewegung in die Sache. Oswald Heppel vom Büro „Planen & Bauen GmbH“ in Laudenbach betrachtete das Gebäude nun mit ganz anderen Augen. „Da läuft man so oft vorbei und denkt sich nichts. Dabei gibt es genügend Anfragen nach Wohnungen jeglicher Größe in der Altstadt“, erzählt Heppel von seiner ersten wirklichen Begegnung mit dem früheren Hotelbau.

„Alleinstehende wollen kein Auto fahren, um Freunde im Café zu treffen oder einzukaufen“

Oswald Heppel künftiger Projektleiter

Er machte die Immobilienfirma AAA.Real Estate AG in Schwaig bei Nürnberg auf das Gebäude im Herzen Karlstadts aufmerksam. Dann ging alles sehr schnell. „Herr Heppel hatte eine klare Sicht und Visionen. Innerhalb einer Woche machten wir beim Notar den Optionsvertrag mit der Stadt“, berichtet Claus Eichhorn, Mitgeschäftsführer des Investors.

Der 42-jährige gebürtige Würzburger, der in der Nähe von Marktheidenfeld wohnt, ist für seine Firma Immobilien-Projektant und war nach einer Führung mit Oswald Heppel durch die Altstadt sofort angetan von Karlstadt und von dem Nutzungskonzept für den Neubau, das er – je nach Bedarf der künftigen Käufer – auf Einzelhandel/Dienstleistung im Erdgeschoss und Wohnungen in den Obergeschossen gründet.

Im Gespräch mit der Main-Post schwärmt Eichhorn geradezu von Grundstück und Altstadt: „Wir können im neuen Gebäude große Flächen schaffen, beispielsweise für eine Arztpraxis im Erdgeschoss. Im Haus wird ein Aufzug sein. Die Wohnungen haben Balkon oder Terrassen hin zum Innenhof und bieten Wohnraum unterschiedlicher Größe sowohl für junge Familien als auch für ältere Leute. Stellplätze wird es wohl im Hof und vielleicht auch in einer hauseigenen Tiefgarage geben, denn das Gebäude ist unterkellert.“ Konkret wird es erst, wenn der Architekt von AAA.Real Estate seine ersten Striche zieht.

Für seine Firma, die in Würzburg Altbausanierung betreibt und Wohnneubauten erstellte, sei Karlstadt Neuland, aber sehr vielversprechend für den geplanten Neubau. Claus Einhorn: „Diese Zentrumslage ist selten. Die Geschäfte für die tägliche Versorgung liegen vor der Haustür. Man braucht kein Auto. Die Straßen sind verkehrsberuhigt, und der Stadtkern ist traumhaft.“ Karlstadt, so lobt Eichhorn, sei einmalig in seinem geschlossenen Stadtbild – eine sanierte Altstadt, einheitlich wie aus einem Guss.

Gerade die Fußläufigkeit hin zu den Geschäften, zu Cafés, Restaurants, zum Marktplatz und zum Main suchten viele Menschen, denen das eigene Haus mit dem Garten zu groß und zu mühselig geworden sind. „Alleinstehende wollen kein Auto fahren, um Freunde im Café zu treffen oder einzukaufen“, erläutert Oswald Heppel, der viele – auch Karlstadter und Bürger aus dem Umland – kennt, die es in die Karlstadter Altstadt zieht.

Der 59-Jährige mit eigenem Büro „Planen & Bauen GmbH“ in Laudenbach ist der Projektleiter der AAA.Real Estate AG in Karlstadt. Bei ihm laufen die Anfragen der Interessenten an Wohnung oder gewerblicher Nutzung ein. Erst wenn der einzelne Bedarf ermittelt ist, tritt der Architekt des Investors in Aktion. Die Kubatur des jetzigen Gebäudes soll bei einem Neubau weitgehend erhalten bleiben. Die Finanzierung erfolgt mit Hilfe der Sparkasse Mainfranken in Karlstadt.

Bis März sammelt Oswald Heppel die Wünsche der Kaufinteressenten. Dann wird der Neubau geplant.

Kämmerer Wolfgang Beck meinte, die Stadt habe lange Jahre den Fühler ausgestreckt nach einem Investor. „Wir wollen es in gute Hände geben für eine städtebauliche Planung und hoffen nun, einen erfahrenen Projektentwickler gefunden zu haben. Die Kaufoption läuft bis Sommer, was bedeutet, dass der Investor ein Konzept entwickeln und zeitnah den Abbruch vornehmen muss. Die Abbruchkosten würden mit dem Kaufpreis verrechnet.„Kosten entstehen der Stadt nicht“, beruhigt Beck. Im Gegenteil: Der Bauträger AAA.Real Estate hat der Stadt angeboten, zur eigenen Verwendung alle gaststättenrelevanten Dinge vor dem Abbruch abzubauen wie die Holzvertäfelungen und die Bleiglasfenster.

Von unserem Redaktionsmitglied Martina Amkreutz-Götz
    
    

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