aktualisiert: 25.11.2009 10:42 Uhr
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KARLSTADT
B26n: Rote Striche durch die Natur
Bürgerversammlung durfte keine Empfehlung zur B 26 n an Stadtrat aussprechen
In der dreistündigen Bürgerversammlung zum Thema Autobahn B 26 n in der Gambacher Musikhalle spitzte sich die Diskussion auf die Frage zu, ob über eine Empfehlung an den Stadtrat abgestimmt werden kann oder nicht. Letztlich kam es zu keiner Abstimmung.
Armin Beck, Mitglied der Karlstadter Grünen und Rechtsanwalt, strebte diese Abstimmung an, die nach dem Bayerischen Gemeinderecht möglich ist. Bei einer Mehrheit in der Versammlung hätten dann die Bürger dem Stadtrat eine Empfehlung gegeben (siehe gesonderten Artikel).
Bürgermeister Paul Kruck lehnte den Antrag ab mit der Begründung, die Stadt habe offen eingeladen. Somit könnten Bürger aus anderen Gemeinden anwesend sein, die aber nicht stimmberechtigt wären. In der Einladung hieß es allerdings wörtlich: „. . . lädt . . . alle K a r ls t a d t e r Bürgerinnen und Bürger herzlich ein.“ Am Eingang freilich wurden keine Kontrollen durchgeführt, wer Karlstadter Bürger ist und wer nicht. Dem Eindruck nach handelte es sich bei den mehr als 400 Besuchern allerdings fast ausschließlich um Einwohner Karlstadts und seiner Ortsteile.
Beck schlug daher vor, man sollte die Abstimmung durchführen. Bei einem überdeutlichen Ergebnis würden die wenigen auswärtigen Gäste dieses Ergebnis kaum verfälschen. Die Autobahngegner waren in der Musikhalle klar in der Überzahl, wie am Applaus nach entsprechenden Redebeiträgen zu erkennen war.
Letztlich ließ Kruck die Abstimmung nicht zu und berief sich dabei auf die Kommunalaufsicht des Landratsamts, bei der er sich zuvor erkundigt habe. Er stellte die Möglichkeit eines Bürgerantrags in den Raum. Sobald ein Prozent der Wahlberechtigten (in Karlstadt 130 Personen) einen solchen Antrag stellt, ist der Stadtrat daran ebenso gebunden wie er das bei einer Empfehlung aus der Bürgerversammlung wäre.
Weiterhin wurde in der Versammlung ein Bürgerbegehren nachgedacht. Dafür wären laut Stadtverwaltung die Unterschriften von neun Prozent der Wahlberechtigten nötig.
Weitestgehend sachlich verlief die Versammlung. Transparente waren verboten. „Emotionen haben keinen großen Platz“, kündigte Kruck gleich eingangs an, wobei er zugleich feststellte: „Sie dürfen aber auch mal schimpfen oder pfeifen.“ Letzteres wollten die Versammlungsteilnehmer aber offensichtlich gar nicht. Sie machten keinen Gebrauch von der Erlaubnis.
„Gerade noch hinnehmbar“
Bürgermeister Paul Kruck Trasse der Tunnelvariante
Der städtische Bauamtsleiter Herbert Werthmann stellte die drei Trassenvarianten vor, unterstützt durch Grafiken, die an die Bühnenrückseite projiziert wurden. Fotos aus der Landschaft – mit roten Linien, die den Streckenverlauf darstellten – zeigten anschaulich, wie sich die B 26 n ihren Weg durch die Landschaft bahnen würde. Auf einer Landkarte war der jeweilige Blickwinkel der Fotografien dargestellt. Rainer Mahler dankte später für diese Darstellungen: „Jetzt wissen wir, welch schöne Landschaft wir verlieren werden.“
Besonders wunde Punkte bei den Trassenvarianten sind die Abstände der autobahngleichen Straße zur Wohnbebauung. Ein deutliches Raunen ging durch den Saal, als Werthmann sagte, die Nordvariante würde nur 300 Meter an den Karlstadter Baugebieten „Wurzgrund“ und „Steinlein“ vorbeiführen. Die Stadt hat dazu bereits in einer Stellungnahme angemerkt, dass diese Variante eine hohe Belastung an Lärm und Staub mit sich bringen würde und das Naherholungsgebiet des Tannenwalds abschneiden würde.
Auch die Südvariante sei nicht hinnehmbar, da knapp am Gebiet „Brückberg“ und fast über die Dächer der Gärtnerei Königer eine 1600 Meter lange Brücke das Werntal überspannen würde.
Kruck sagte, lediglich die Tunnelvariante sei „gerade noch hinnehmbar unter der Maßgabe, dass maximale Abstände eingehalten werden und für Lärmschutz gesorgt wird“. Dabei wiederholte er, was er schon bei der Bürgerversammlung in Stetten gesagt hatte: Es gehe nicht an, dass Biotope stärker berücksichtigt würden als der Mensch, was ihm die Kritik von Erwin Scheiner einbrachte: „Wir müssen begreifen, dass wir ein Teil der Natur sind.“
Bei der von der Stadt favorisierten Tunnelvariante würde der Tunnelmund am Steilhang des Maintals herauskommen. Dort aber brütet die inzwischen schon sprichwörtliche Zippammer (siehe gesonderten Artikel).
Außerdem dringe der Stadtrat darauf, dass die Autobahn möglichst zeitnah bis zur A 3 weitergebaut werde und nicht bei Karlstadt ende.
Da das Staatliche Bauamt Würzburg keinen Vertreter zu der Versammlung entsenden wollte, vertrat Kruck häufig die Positionen der Straßenplaner, wobei er betonte, dass es sich bisher noch nicht um eine Linienführung handle, sondern nur um eine Untersuchung nach Verträglichkeitsgesichtspunkten. Die Stadt könne nicht selbst mitplanen, sondern habe sich lediglich das Recht genommen, sich zu äußern.
Online-Tipp
Mehr Information über die geplante B 26 n unter: www.mainpost.de
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»Alle 44 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
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unbekannt (297 Kommentare) am 01.12.2009 19:59
MehrMachen Sie mal unserem Stadtkämmerer keine Angst, was da an Euronullen so auf ihn zukommt und auch die Sparstrümpfe können für Bundesstraßen getrost unterm Kopfkissen bleiben.Sie sollten schon ein bisschen aufgeschlossener sein, wenn uns Herr Beck - also der von der Initiative - das Projekt erklärt... und anschließend wird hart aber fair diskutiert. Wo ist da das Problem? Sie haben sich doch auch nicht über Abgehobenheit beschwert, als er auf der Kundgebung in Karlstadt von Cicero oder einem seiner Kumpels anfing, oder? Also, immer entspannt bleiben und auch mal im Buchladen für 20 Euro selbst ein Buch kaufen. |
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Mehr (349 Kommentare) am 01.12.2009 18:06
Bevor Sie allgemeinverständlich induzierten...Reicht's immer noch nicht mit den schlauen Reden?Die einfach denkenden Menschen mit einem logischen, klaren Verstand wollen keine Autobahn bei uns aus einfach nachvollziehbaren Gründen. Es gibt mehr als genug davon. Geld ist sowieso keines da. Die Stadt Karlstadt kann kleine Büchereien nicht finanzieren, will Spielplätze aus Kostengründen schließen. Soll aber komischerweise Geld für solche Großprojekte haben!? Irgendwie nicht nachvollziehbar. Wir sparen für wichtigere Sachen für alle Bürger! Viele Grüße an alle Befürworter und Nichtbefürworter des Auslaufmodels B26n |
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unbekannt (297 Kommentare) am 29.11.2009 17:53
Noch mehr ...bei "aktiongrundwasserschutz.de" fehlt ein r.Besten Gruß |
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unbekannt (297 Kommentare) am 29.11.2009 17:51
Fortsetzung5. Energiepflanzen: in diesem Punkt bin ich kein Freund von Höchst und BAYER - noch Fragen?6. Landwirtschaft: Ich esse keine Kiwis aus Neuseeland, für sowas braucht`s keine Transporte. Link: aktiongrundwasseschutz.de, Akzeptanz und Vorbehalte regionaler Bauern gegnüber Bio,.. , aber man ist auf dem richtigen Weg. Starker Nachfrageüberhang durch Bioade, Lammsbräu,... . Die Zukunft liegt hier wahrscheinlich in Regionalität. Herr Dr. Kruck war hier federführend in dieser Studie, also ökologischer Sachverstand schließt wohl Straßenbau nicht aus, wenn ich dessen Haltung zur B26n richtig verstehe. Letzter Punkt: Hr. Pfleiderer Ihres Literaturtipps ist von SEL Alcatel, ebenso wie Ihr Bekannter von der ehemals waggonbauenden Industrie. Ich hab`s noch nicht gelesen, aber kritische Haltung ist wohl angebracht. Mein neutraler Tipp: Ullrich van Suntum, Verkehrspolitik Bevor Sie allgemeinverständlich induzierten Verkehr erklären, sollten Sie den Modal Split abhandeln. |
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unbekannt (297 Kommentare) am 29.11.2009 17:24
An Herrn BeckSchönen Dank für Ihre Aufarbeitungen.Erlauben Sie mir bitte nur stichpunktartig meine Meinung abzugeben - es ist heute Sonntag (unter der Woche sind Sie tagsüber von mir ja ganz verschont). 1. Milchmädchenrechnung? Ja, um sich überhaupt noch verständlich zu äußern, muss man das Problem als einfachstes Modell beschreiben. Nur Ihr Herr Zorn spricht von der Zahl 700m - nicht ich. Ich weiß nur zu genau, dass nicht alle 43000 die volle Strecke fahren - es sind auch knapp 35/40% Nutzer aus unserer Region (Zu-/Auffahrten) dabei. Einen endgültigen Verlauf der B26n kennen wir noch nicht, erst nächstes Jahr!!!!! Erst dann können wir sagen, für welche individuelle Fahrentscheidung von Leuten, die wir zudem nicht kennen, eine Route konstruierbar ist, die dann NUR 700m spart. Es kann auch sinnvoll sein,den Verkehr 700m weiter zu leiten, wenn man dadurch andere Ziele erfüllt (Stauumfahrung,...). Meine Behauptung 1428,25to ist nur ein Rechenergebnis für ein - für Sie gerechnetes - irreales Modell. Real gibt es nicht nur neue PKW, sondern auch LKW, alte PKW,... die Menge der Ersparnis ist viel höher!!! Alle "schaufeln" tonnenweise Gase in die Atmosphäre und kriegen nur dann Beklemmungen, wenn plötzlich eine Straße nicht näher als 500m von ihnen entfernt ist. Für Tempolimit!! auf Autobahnen bin ich ebenso wie für eine moderate PKW-Maut (oder auch geschwindigkeitsabhängige Maut ohne Tempolimit). Insofern ist eine Autobahn IMMER verbrauchsgünstiger!!! 2. Prognosewerte kann ich nicht kommentieren, die bestreiten Sie sowieso. Generell ist aber überhaupt nicht entscheidend, wie überaltert eine Bevölkerung ist und ob sie schrumpft. Nur entscheidend bleibt, wie die Erfordernisse dieser Gruppe an Infrastruktur sind: wenn sie nach wie vor zunehmend arbeitsteilig produzieren und nach immer größer werdender Vielfalt (Produkte, Urlaube,...) schreien, braucht es eine entsprechende infrastrukturelle Kapazität - dem kommt man nur nach! 3. A71 Prognosewerte nicht erreicht? Jede gesetzte Veränderung erfordert eine Anpassungszeit - nicht ab einem Tag X fahren genau abgezählt 42796 Autos. 4. Energiebilanz für die Herstellung: wie Sie genau beschreiben ist eine Straße keine Investition in alle Ewigkeit - jeder weiß, dass nach entsprechender Abnützung Instandhaltung oder Neubau notwendig wird, also die Kosten von 500Mio (nur zur Vereinfachung) haben theoretisch eine genaue Zeit der Nutzung zur Folge. Ersetzt der Verkehr darauf den Verkehr anderswo, darf man beruhigt davon ausgehen, dass der Bau der B26n zwar Energie braucht um sie zu erstellen, aber ebenso anderswo erspart, weil dort der Verkehr um diese Menge abnimmt und deren Nutzungsdauerende verschoben wird. Sollten Sie eine Alternativroute vorschlagen, wird die Herstellung pro Fläche der Straße das Gleiche (Energie, Geld,..) kosten. |
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