publiziert: 04.01.2011 17:16 Uhr
aktualisiert: 04.01.2011 17:19 Uhr
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Bei Umbau Wandbemalung entdeckt

Sanierung des heutigen Rathauses offenbart die wechselvolle Geschichte des Gebäudes
  • Hebräische Schrift: Zwei Seiten aus einem Sabbat-Gebetbuch, gefunden beim Umbau.
    Fotos (3): Laudenbacher
  • Mühsam ein kleines Stück freigelegt: Wandbemalung in der ehemaligen Synagoge.
  • Begutachtung auf der Baustelle: Bürgermeister Kurt Kneipp und Peter Müller (Löwen-Restaurierung).
    Foto: Laudenbacher
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1951 erwarb die Marktgemeinde Karbach die ehemalige Judenschule und baute sie zu ihrem Rathaus um. Die zweigeschossige Synagoge mit Frauenempore im Obergeschoss und Thoraschrein auf der Ostseite im Untergeschoss wurde durch eine Zwischendecke getrennt. Das Gebäude wird derzeit energetisch saniert und umgebaut.

Nach der Entkernung des Baus zeigten sich vor allem im Obergeschoss, der einstigen Synagoge, Wandmalereien, die aus der Zeit von 1903 stammen könnten und mit den damals üblichen Rollen aufgetragen wurden. An der Decke fanden sich zudem in schmalen Abschnitten, die durch Deckenbalken gesichert waren, Schablonen-Malereien, möglicherweise aus der Zeit von 1844.

Zwei Fenster zugemauert

Dies stellte Peter Müller, Chef der Löwen-Restaurierung in Erlenbach, bei einer kurzen, ehrenamtlichen Besichtigung mit Karbachs Bürgermeister Kurt Kneipp fest. „Es wäre erfreulich, wenn wenige Teile der Decken- und Wandbemalung freigelegt und der Nachwelt erhalten werden könnten“, so Müller und Bürgermeister Kneipp unisono. „Sie sind auf jeden Fall erhaltenswert.“

Die zwei Fenster auf der Ost- und Westseite wurden beim Umbau, den Erfordernissen für die neuen Räume folgend, zum Teil zugemauert. Die aus rotem Sandstein gefertigten Wandungen aber blieben erhalten.

Der Verfasser des Artikels hatte mehrere Stunden versucht, in diffiziler Hand- und Feinarbeit weitere Erkenntnisse über die Schablonenmalerei zu Tage zu bringen. Schicht für Schicht wurde abgetragen und so eine größere Fläche freigelegt. Demnach dürfte die gesamte Decke, mit umlaufendem Fries, einheitlich mit Schablonenmalerei, ebenso wie die gesamte Ostseite, ausgestaltet gewesen sein.

Auf der Ostseite, genau unter dem wieder freigelegten Rundfenster, befand sich der Thoraschrein, in dem die wertvollen Thorarollen aufbewahrt wurden, und der nur über fünf Stufen zu erreichen war. Davor stand die sogenannte Bima, eine erhöhte kleine Kanzel. Das Untergeschoss wurde zeitweise als Schulsaal genutzt und heute als Sitzungssaal der Marktgemeinde. In den Räumen sollen nach der statischen Sanierung Archivräume eingerichtet werden. Tapetenfragmente im ehemaligen Wohnbereich des Rabbiners auf der Südseite des Gebäudes stammen aus der Entstehungszeit um 1822. Sie sind mit Natur-Leimfarben bedruckt und mit einer den Raum umrahmenden Bordüre verziert. Eine äußerste Seltenheit, wie Peter Müller beeindruckt feststellte.

Von Mäusen zerfressen

Im Rahmen der energetischen Sanierung wurden auch einige wenige Utensilien gefunden. Das Meiste war von Mäusen zerfressen. Einige wenige Fragmente konnten dennoch gesichert werden. Darunter ist eine Doppelseite einer hebräischen Schrift. Nachdem ein Bild auch nach Israel gesandt wurde, kam jetzt die Nachricht zurück, dass es sich bei den Fragmenten um ein Gebetbuch, eigens für den Sabbat (Schabbes), handelt.

Arie Freund, wohnhaft in Kevar Weradim (Israel/Wertheimer Siedlung) unweit der südwestlichen libanesischen Grenze, hat die in Karbach gefundenen Texte im so genannten „Machsor“, dem Gebetbuch für die „Hohen Feiertage“ gefunden. Arie Freund: „Das ist genau dieser Text“. Das tägliche Gebetbuch hingegen wird „Sidur“ genannt.

Synagoge Karbach

Im Jahre 1580 wurde die ehemalige Karbacher Synagoge als Stettenberger Freihof erbaut. 1822 wurde das Anwesen für 1000 Gulden an die jüdische Kultusgemeinde veräußert.

1843 wurde das Gebetshaus vergrößert, 1903 erfolgte ein weiterer Umbau. Die Pläne fertigte Zimmerermeister Maurus Leichtenschlag. Nach dem Umbau erstreckte sich die Synagoge über eine Höhe von 5,50 Metern mit einem Betsaal im Erdgeschoss und der Frauenempore im ersten Stock. Außerdem gab es eine Laubhütte und den Wohnbereich des Rabbiners. Der Neubau wurde am 3. September 1903 eingeweiht.

Das Gebäude im Dorf und die Blickachse zur St.-Vitus-Pfarrkirche zeugen vom guten Miteinander von Christen und Juden in der Gemeinschaft, bis zur Zeit des Nationalsozialismus.

Von unserem Mitarbeiter Josef Laudenbacher
    
    

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