aktualisiert: 10.06.2010 17:09 Uhr
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MARKTHEIDENFELD
Chef Benjamin Kupka: Filialleiter des tegut-Marktes
Wir besuchten den 26-Jährigen in seinem "Reich"
Ein Blick in die Welt des Supermarktchefs im neuen Rathauscenter.
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Klein, aber mein: Benjamin Kupkas Büro misst nur neun Quadratmeter. Das stört den Marktheidenfelder tegut-Filialleiter aber nicht, denn „ich verbringe täglich höchstens eineinhalb Stunden hier“, sagt er und grinst: „Die restliche Zeit bin ich Mädchen für alles im Laden.“Fotos: Martina Schneider -
Orangefarbene Fliege: Benjamin Kupka trägt sie wie jeder andere Mitarbeiter auch.
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So ist die Hierarchie der Filiale: Das Organigramm hängt im Büro aus.
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Jeder Platz ist genutzt: Im Vorraum vor Kupkas Büro erledigen die Mitarbeiter Claudia Feistle und Winfried Martin die anfallenden schriftlichen Arbeiten.
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Sauber eingeräumt: So sieht ein einladendes Verkaufsregal aus.
"Was darf ich Ihnen anbieten? Kaffee? Tee?“, strahlend lächelnd blickt Benjamin Kupka von seinem Schreibtisch auf. In der Kleiderordnung unterscheidet sich der Chef der tegut-Filiale in nichts von seinen Mitarbeitern: Hellgraues Hemd, orangefarbene Fliege, schwarze lange Schürze.
Ein Namensschild an der Brusttasche und der orangefarbene tegut-Schriftzug auf dem Ärmel vervollständigen das Outfit des 26-Jährigen, der seit 17. März die neue Filiale des Fuldaer Handelsunternehmen im Erdgeschoss des Marktheidenfelder Rathauscenters leitet.
Sein Büro ist mit neun Quadratmetern nicht gerade üppig bemessen. „Das stört mich nicht, denn ich verbringe täglich höchstens eineinhalb Stunden hier“, sagt Kupka und grinst: „Die restliche Zeit bin ich Mädchen für alles im Laden.“ Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen dort: „Regale spiegeln“. So heißt es im Fachjargon, wenn im Regal alle Gläser oder Dosen lückenlos, ordentlich in Reih und Glied stehen. Beim Einkaufen ertappe er sich manchmal in anderen Filialen selbst beim Regale-Aufräumen, verrät der 26-Jährige.
Doch zurück zu seinem Büro. Heute ist die Tür zum Vorraum einmal zu. „Normalerweise steht sie immer offen, es sei denn, ich habe eine Besprechung“, sagt Kupka. Aber auch dann dürfen die Mitarbeiter „stören“. Wie aufs Stichwort klopft es und die junge Dame des tegut-Martkcafés bringt Latte Macchiato und Tee. Kupkas Schreibtisch passt sich mit seinen knapp zwei Quadratmetern perfekt seinem Büro an. Darauf der Flachbildschirm mit Tastatur, die Telefonanlage, die neueste Ausgabe der Main-Post und ein DIN-A-5-Block. „Das ist meine aktuelle To-Do-Liste, auf die ich nicht verzichten kann“, sagt der Filialleiter, dessen „Chefsessel“ denen der Mitarbeiterinnen an der Kasse bis auf die letzte Rolle gleicht.
Hinter ihm hängt eine Pinnwand mit dem Einsatz- und Urlaubsplan für die 23 Mitarbeiter, Briefe und Flyer von Aktionen, die Kupka nicht vergessen darf. Auch einen Marktplan hat Kupka dort aufgehängt auf dem er mit Stecknadeln die Bereiche markiert, in denen gestohlen wurde. „Wenn in einem Bereich viele Nadeln stecken, heißt es, dort muss man was tun“, sagt er.
Kupka leitete seine Filiale nach dem Motto „Geben und nehmen“. Dazu zählen für ihn Lob ebenso wie konstruktive Kritik und die tägliche Tasse Kaffee mit seinen Mitarbeitern im Marktcafé: „Darauf kann und will ich nicht verzichten. Dabei besprechen wir, was an Arbeit ansteht und was erledigt ist.“ In seinem Büro wäre es ein bisschen zu eng dafür.
Morgens um 6.30 Uhr beginnt Kupkas Arbeitstag, der durchschnittlich bis 18 Uhr dauert – wenn er abschließt sogar bis 21 Uhr. „Dann fange ich aber etwas später an“, relativiert er. Im „Wunschbuch“ – einem Tischkalender- tragen die Mitarbeiter ein, wann sie wie arbeiten können und wann Arzttermine anstehen. „Das versuche ich, bei der Planung zu berücksichtigen“, sagt Kupka. Bisher sei ihm das noch immer gelungen und dafür hat er einen Stein im Brett bei seinen Leuten.
Wie sein hellgelb gestrichenes Büro ist auch der gleichgroße Vorraum bis auf den letzten Platz ausgenutzt. Gerade erstellt Metzger Winfried Martin seine Listen, tippt Claudia Feistle Zahlen in den Computer und holt Matthias Kahnt Geld aus dem Tresor. „Im Büro wird jeder Platz zugunsten der Verkaufsfläche genutzt“, erklärt Kupka. 1450 Quadratmeter sind es in der Marktheidenfelder Filiale, die rund 20000 verschiedene Artikel führt.
Wenn Kupka in seinem Büro sitzt, bekommt er von „draußen“ nicht viel mit. Das einzige Fenster des Büros ist mit Folie zugeklebt. „Anfangs war das noch nicht so. Da kam man sich hier herinnen irgendwie schon ein bisschen vor wie im Zoo“, lacht der Filialleiter. Jetzt muss er aufstehen und sich strecken, wenn er rausschauen möchte.
Aber nicht alles läuft automatisch in der tegut-Filiale. Eines funktioniert noch richtig mechanisch und tickt: Die Eieruhr in der Metzgerei. Was es damit auf sich hat, erklärt Kupka mit einem Grinsen: „Alle 30 Minuten klingelt die Eieruhr, dann geht ein Mitarbeiter ans Mikrophon und macht eine Durchsage.“
Heute ist Anja Seubert dran, die die Kunden über die aktuellen Angebote der Metzgerei informiert. Kupka hatte diese Idee mit der persönlichen Ansage statt der Stimme vom Band. „Am Anfang haben die Mitarbeiter ein wenig geschluckt, aber inzwischen macht es jeder“, erklärt er. Auch er? „Wenn ich muss schon.“

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