publiziert: 02.02.2011 18:30 Uhr
aktualisiert: 02.02.2011 18:40 Uhr
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Chef Heske: Stets die Gelassenheit bewahren

Serie: Beim Chef im Büro

Jugendpfleger Andreas Heske residiert auf acht Quadratmetern und hinter vergitterten Fenstern.

  • Chef über acht Quadratmeter: der Marktheidenfelder Jugendpfleger Andreas Heske in seinem Büro im Jugendzentrum „MainHaus“.
    Fotos Martina Schneider
  • Jugendsünde: Von 1979 bis 1985 war Andreas Heske (mit Stirnband) Sänger der Punkband „Betoncombo“.
  • Trampel Godzilla: Heske ist Fan von ihm.
  • Beruflich spielen: Dem Jugendpfleger ist das im „MainHaus“ erlaubt.
  • Gelassenheit: von den Tibetern lernen.
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Ich bin selbst in einem Jugendzentrum sozialisiert worden“, sagt Andreas Heske und lächelt. Seit zehn Jahren ist der Stadtjugendpfleger zuständig für die Jugendarbeit in Marktheidenfeld. An seiner Sprache erkennt man sofort: Er kommt aus Berlin. Dort arbeitete der 49-Jährige 15 Jahre am Evangelischen Zentrum „Haus der Mitte“ in Neukölln in der Jugendarbeit.

Was ihn nach Unterfranken verschlagen hat? „Vernünftige Arbeitsbedingungen“, erklärt er rundheraus. In Berlin sei immer mehr gespart worden. Die Stadt Marktheidenfeld hingegen sei „vorbildlich“ bei der Jugendarbeit. „Es gibt Mittel dafür in der Stadt und diese werden auch für die Jugend ausgegeben“, erklärt Heske.

    
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DJ Wasted Youth
Andreas Heske
Chef Andreas Heske
Marktheidenfeld
02.02.2011
    

Sein Büro im Jugendzentrum „MainHaus“ ist hingegen eher bescheiden, aber Heske reicht es. Rund acht Quadratmeter misst der Raum mit den zwei vergitterten Fenstern. „Designergitter“, nennt Heske die Eisenstäbe ironisch, die zwar nicht berauschend anzusehen sind, aber den Vorteil haben, dass ihretwegen seit rund vier Jahren nicht mehr in das Haus an der Lengfurter Straße eingebrochen wurde.

„Hierher kann jeder kommen.“

Andreas Heske Jugendpfleger der Stadt Marktheidenfeld

Etwa 40 Jugendliche kommen täglich ins „MainHaus“. Der Altersdurchschnitt liegt bei 14 Jahren. „Hierher kann jeder kommen. Wir versuchen, mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen“, erklärt Heske den Ansatz der offenen Jugendarbeit. In den zehn Jahren seiner Tätigkeit in Marktheidenfeld hat er schon viel „angeleiert“: Jugendkulturtage organisiert, einen Streetballplatz eingerichtet, den Skaterpark saniert und die Minigolfanlage wieder auf Vordermann gebracht. Die Anlage führen die Jugendlichen selbst.

„Wir simulieren damit einen Arbeitsplatz, bei dem die die Jugendlichen die Verantwortung übernehmen müssen“, erklärt Heske das Projekt „Minigolf“, das seit sechs Jahren „wunderbar“ läuft. Ein neues Projekt, das dem Sozialpädagogen gemeinsam mit dem Jugendbeirat der Stadt Marktheidenfeld am Herzen liegt, ist ein Mehrgenerationenspielplatz im Südpark. Außerdem hat der 49-Jährige noch weitere Ideen in der Schublade liegen, doch alles zu seiner Zeit.

An der Tür zu Heskes Büro steht dick und fett: „Nur Nur Nur Mitarbeiter“, aber „die lieben Kleinen lassen sich durch nichts aufhalten“, nimmt es Heske sportlich. „Ich sag zwar immer, lesen hilft, aber na ja.“ Im Vorzimmer, das sich Mira Venker und Werner Glassel teilen, schleppt sich ein Benjamini dahin. „Er ist resistent und tapfer“, lobt Heske das kleine Bäumchen, das sich noch an ein paar grüne Blätter klammert.

In Heskes Büro unter seinem Schreibtisch, der im alten Marktheidenfelder Rathaus ausrangiert wurde, verbirgt sich die Telefonanlage. „Da war noch Platz“, sagt der 49-Jährige. Ebenfalls ein Relikt, das man heute nicht mehr oft antrifft, ist sein Rollschrank, in dem der Stadtjugendpfleger alles geordnet hat, worauf er schnellen Zugriff braucht. Einen Stehtisch hat Heske auch in sein Büro gequetscht. Er ist höhenverstellbar und für Heske ein hervorragender Platz zum Lesen „und um den Rücken zu entlasten“.

Auf dem Tisch „thront“ Godzilla aus Gummi. „Godzilla ist ein großer Trampel“, sagt Heske und nimmt das Gummitier in die Hand. „Ich hab ihn noch in Riesengroß zum Aufblasen, aber den krieg ich hier nicht ins Büro.“ Während seiner Jugendzeit liefen die Godzilla-Filme „im Kino ums Eck“. Daher seine Liebe zu der Kult-Monsterfigur, von der er inzwischen eine umfangreiche Sammlung aller Filme angelegt hat.

Sein Laptop verschafft Heske die notwendige Mobilität, und mit dem Buch „Polnisch – nie mehr sprachlos“ bereitet er sich auf einen zukünftigen Jugendaustausch mit der Marktheidenfelder Partnerstadt Pobiedziska vor. In der Ecke steht eine recht gebraucht aussehende Gitarre. „Die habe ich aus meiner Jugendzeit rübergerettet“, erzählt Heske. Für 15 Mark hat er sie vor rund 35 Jahren gebraucht gekauft. „Ich kann eine ganze Menge Instrumente spielen, aber nichts wirklich gut“, erzählt er und zeigt auf ein Plakat der „Betoncombo“. Vier junge Männer in Schwarz-Weiß mit ernsten Mienen. „Ich bin der mit dem Stirnband“, sagt er und lacht: „Lang ist's her.“ Von 1979 bis 1985 war Heske der Sänger der Punkband, die es heute nicht mehr gibt.

Hier in den Schulen wird gut gearbeitet.“

Heske zur Aufklärung über Rechte

Die Pinnwand neben seinem Schreibtisch hängt voll: Postkarten, Dankkarten, Ideen, Adressen, Flyer. Ablagefläche ist Mangelware in Heskes Büro. Daher muss er akribisch Ordnung halten, um nicht im Chaos zu versinken. „Ich habe ein ausdifferenziertes Ablagesystem“, verrät er und grinst. Dazu gehört auch sein Planer, in den er in vier verschiedenen Farben seine Termine einträgt. An der Wand, an der sein Schreibtisch steht, hängt direkt in Augenhöhe ein Symbol aus Nepal. Heske bereiste Nepal und Tibet schon öfter. Ihn faszinieren die Menschen dort, das einfache Leben, das sie führen. „Das hilft, die Wertigkeit des eigenen Lebens wieder ins Blickfeld zu rücken und die innere Gelassenheit zu bewahren“, sagt er.

Über allem hängt ein Plakat mit Boxweltmeisterin Regina Halmich auf dem steht: „Was müssen das für Feiglinge sein, die in Rudeln Schwächere jagen?“ Marktheidenfeld habe wenig Probleme mit Rechtsradikalismus, sagt Heske mit Blick auf dieses Plakat. „Hier in den Schulen wird gut gearbeitet.“ Zwar gebe es auch in der Stadt Probleme mit Drogen und Gewalt, sagt der Ex-Berliner, „aber auf einem Level, auf dem man noch damit umgehen kann.“

 
Von unserer Mitarbeiterin Martina Schneider
    
    

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