publiziert: 21.10.2010 18:15 Uhr
aktualisiert: 21.10.2010 18:41 Uhr
» zur Übersicht Marktheidenfeld
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text URSPRINGEN
Chef Wolfgang Väth: Den Blaumann immer griffbereit

Serie: Beim Chef im Büro

Bei Busunternehmer und Wandervogel-Chef Wolfgang Väth vermischen sich Tradition und Moderne.

  • Peppige Zierde: Busunternehmer Wolfgang Väth vor einem auffälligen Exemplar aus seiner Flotte.
  • Schutzengel: Mit dieser Holzfigur verbindet Wolfgang Väth eine besondere Geschichte.
  • Ein gutes Stück: Wolfgang Väth würde sich nie von seinem „antiken“ Schreibtisch trennen.
    FotoS: MARTINA SCHNEIDER
  • Miniatur: Väth sammelt Busmodelle.
  • An der Bustüre: eine Signatur des Chefs.
Bild von
5 Bilder

Wolfgang Väth liebt das kleine, aber feine Detail, sitzt für sein Leben gern hinterm Steuer eines seiner silberfarbenen Linienbusse und ist seit 24 Jahren der Chef des Urspringer Busunternehmens Wandervogel-Reisen. Betritt man sein Büro auf dem Werksgelände an der Frankenstraße 5, fallen sofort der alte Schreibtisch und ein ebenso betagter Aktenschrank ins Auge, die im Kontrast zur lichtgrauen Büroeinrichtung stehen.
 

    
»Fotostrecke starten Fotogalerie
Chef Wolfgang Väth
Chef Wolfgang Väth
Chef Wolfgang Väth
Chef Wolfgang Väth
Chef Wolfgang Väth
Urspringen
21.10.2010
    

„Schreibtisch und Schrank habe ich mir gekauft, da war ich 26 und musste aufs Geld schauen“, erzählt Väth. Daher erstand er die Stücke damals beim Trödler und restaurierte sie liebevoll. „Für das, was beide zusammen gekostet haben, hätte ich zu jener Zeit nicht einmal einen richtigen Schreibtisch bekommen“, sagt er. Heute würde ihm sein alter Schreibtisch sicher förmlich aus denn Händen gerissen werden – doch Väth wird sein Unikat niemals in fremde Hände geben.

Beim Restaurieren seines Schreibtisches förderte er alte Unterlagen aus dem Dresden der 1930er Jahre zutage. „Der war sicher einmal dort in irgendeinem Amt gestanden“, vermutet der 48-Jährige und streicht über die dicke Glasplatte. Als 1998 sein Büro umgebaut worden sei, habe ihn der Schreiner von einem „effektiven Schreibtisch“ überzeugen wollen. Aber Väth verteidigte Tisch und Schrank vehement. „Modern war nicht meine Welt“, gibt er zu. Nun stehen Alt und Neu einträchtig beieinander.

Auf seinem Schreibtisch hat Väth Arbeitsgerät und -material liegen: Laptop, Diktaphon, Organizer, jede Menge Zettel und Papiere sowie einen Ölabscheider für Luftanlagen. „Der funktioniert nicht so, wie er soll“, sagt er, hebt das Teil hoch und verrät, dass er stets „solche Brocken“ auf dem Tisch stehen habe, an denen er „schraube, um dem Schaden auf den Grund zu gehen“. In einem Plastikdöschen hortet er winzig kleine Dichtungsringe, die er einem zerlegten Luftventil entnommen hat. Als Kfz-Mechaniker hat er gelernt, den Dingen auf den Grund zu gehen und auch kleinste Teile aufzuheben. Daher ist er auch in seiner eigenen Kfz-Werkstatt, in der die Busse gewartet und hergerichtet werden, unersetzbar. Nicht selten schlüpft er vom Chefsessel direkt in einen Blaumann.

Morgens um 5 Uhr beginnt Väths Arbeitstag. Dreimal täglich fährt er Linie, dazwischen warten sein Schreibtisch und die Werkstatt auf ihn. Sitzt er hinterm Steuer, hat er stets sein Diktaphon bei sich. Während der Fahrt laufen seine grauen Zellen stets auf Hochtouren mit, erzählt er. Egal, ob er über eine Verbesserung des Fahrplanes nachdenke oder auf eine aktuelle verkehrstechnische Situation reagiere, das Diktaphon helfe ihm, „Denkanstöße festzuhalten“. Seine Termine organisiert Väth in „Outlook“. „Das ist meine rechte und meine linke Hand“, sagt er über das Computer-Programm.

Einen Schutzengel, einen blau-gelben Paradiesvogel aus Holz – das Wandervogel-Markenzeichen –, den ihm ein Mitarbeiter schenkte, sowie ein Modell des Mercedes SLS AMG hat Väth stets im Blick. „Der wird immer ein Wunschtraum bleiben“, grinst er. Im Vorraum zu seinem Büro sammelt Väth Busmodelle in einer Glasvitrine. Dort steht alles, was das Sammlerherz höher schlagen lässt: vom ersten Bus, mit dem er vor über 20 Jahren seine Marokko-Touren begann, bis zum neuesten Wandervogel-Doppelstockbus.

Auf den Schränken und Sideboards um sich und seinen Schreibtisch herum hat der 48-Jährige verschiedene Papierstapel liegen. „Ich muss meine Aufgaben immer im Blick haben und darf sie nicht in einer Unterschriftenmappe vergraben. Wenn ich mir die Sachen so hinlege, dann fällt mir immer etwas dazu ein“, sagt Väth. „Um überleben zu können, müssen wir unsere Unternehmen immer in eine bessere Position bringen. Wir müssen noch besser, effizienter, schlanker und viel innovativer werden“, sagt Väth und kündigt an: „Das kommt auf alle Mittelständler zu.“ Dass die Politiker oft kurzsichtig denken und entscheiden und somit die Belastung immer mehr steigt, ärgert den 48-Jährigen: „Ich habe kein Problem damit zu arbeiten. Ich habe auch kein Problem damit, viel zu arbeiten. – Ich habe aber ein Problem damit, wenn dabei nichts rauskommt“, sagt er, der zurzeit acht Mitarbeiter beschäftigt.

An der Bürowand hängt ein Bild, das symbolisch für einen Traum steht, den sich Väth schon oft erfüllt hat und noch oft erfüllen möchte: Es ist die Aufnahme eines verschleierten Tuareg (ein zu den Berbern zählendes Volk in der Sahara; Anm. d. Red.). Es ist ein Geschenk seiner Frau Ingrid, die weiß, dass Marokko seine „alte Liebe“ ist, sagt Väth. 20-mal hat er das Land schon bereist, ist 10 000 Kilometer mit dem Bus und dem Jeep durch die Sahara gefahren oder überquerte mit dem Motorrad den Äquator. „Wenn man einmal in der Wüste war, gefällt es einem entweder so gut, dass man immer wieder kommt, oder man kommt nie mehr. Ich gehöre zur ersten Spezies“, sagt er lachend.

Von unserer Mitarbeiterin MARTINA SCHNEIDER
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Main-Spessart feiert 40. Geburtstag 

Landkreis-Jubiläum
Schwelgen Sie mit uns in der Geschichte des Landkreises und in Geschichten über seine Bürger. »mehr
    
Anzeige
    

MSP-Expo 2012 

Ausstellung in Lohr
Die MSP-Expo 2012 verzeichnete mit 35 000 Gästen deutlich mehr Besucher. Alle Berichte und Bilder finden Sie hier. »mehr
    
    

1200 Jahre Steinfeld 

Jubiläum 2012
Steinfeld blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wir haben alles Wissenswerte rund um die 1200-Jahr-Feier zusammengetragen. »mehr
    
    

Baby-Galerie 

Die Jüngsten
Hier begrüßen wir die jüngsten Bewohner des Landkreises Main-Spessart. »mehr
    
    

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema.  »mehr
    
Anzeige
    

Dialektserie "Wördlich" 

Wörter aus dem Landkreis Main-Spessart
Wöchentlich stellen wir Ihnen ein interessantes Dialektwort aus dem Landkreis vor. »mehr
    
    

Spezial 

Westumgehung Würzburg
Wie Gegner und Befürworter wegen der "B26 neu" kämpfen. Ein Top-Thema in der Region. »mehr
    
    

Anzeigen 

Traueranzeigen
Täglich aktuell auf mainpost.de: Traueranzeigen aus der Region.  »mehr
    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr