aktualisiert: 04.03.2010 18:47 Uhr
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KARLSTADT
Die Formel für Ammanns Erfolge
Karlstadter Wissenschaftler legte Grundstein für die Goldmedaillen von Simon Ammann
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Er weiß, wie es in Simon Ammann vor, während und nach den Olympiasprüngen aussah: Professor Gerhard Tröster.Foto: PRIVAT -
Vernetzt: Für den aus Karlstadt stammende Wissenschaftler Gerhard Tröster sprang der Schweizer Skispringer Simon Amman mit einem Miniatursender über die Schanzen.Foto DPA
Skispringer Simon Ammann ist nach seinen beiden Olympiamedaillen in Vancouver ein Nationalheld in der Schweiz. Die Schweizer Medien feiern aber nicht nur den 29-Jährigen, sondern auch den aus Karlstadt stammenden Wissenschaftler Professor Gerhard Tröster, der mit zu Ammanns Erfolgen beigetragen hat. Seit November springt Ammann mit einem zehn Gramm schweren Miniatursender, der laufend Informationen über seine Bewegungsmuster abliefert.
Tröster arbeitet seit 1993 als Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Er leitet das Institut für Elektronik mit rund 50 Mitarbeitern. Der ebenfalls an der ETH arbeitende Sportpsychologe Hanspeter Gubelmann und Betreuer von Simon Ammann wandte sich im vergangenen Jahr an den Karlstadter und bat um Unterstützung bei dessen Olympiavorbereitung.
„Skispringen ist ein Zehnsekunden-Sport“ sagt Tröster. Der Sportler muss seine Leistung punktgenau abrufen können. Wenn er den Absprung nur um eine Hundertstelsekunde zu lange hinauszögert oder zu früh abspringt, kann er in die Röhre gucken.
Wie mobilisiert er seine Kräfte?
Wie bringt er sich vor einem Wettkampf auf Knopfdruck sowohl körperlich als auch psychisch aufs höchste Niveau?
Und wie gut blendet er den Stress in den Pausen wieder aus?
Mit diesen und anderen Fragen beschäftigte sich Tröster. „Wer laufend auf 180 ist, erschöpft schnell“, sagt er.
Tröster und zwei Doktoranden sammelten eine Unmenge an Daten über Ammann. Seit November springt der Schweizer an ausgewählten Tagen verkabelt über die Schanzen. Mit Hilfe von auf der Haut getragenen Mini-Sensoren verfolgen die Wissenschaftler die Aktivität seines Herzmuskels und Bewegungsmuster beim Training und bei den Weltcups.
Mit den ermittelten Daten kann exakt festgestellt werden, wie Ammann sich fühlt, wenn er „in Form“ ist? Dann gibt der Sportler noch eine Selbsteinschätzung ab, die hernach mit einem Profil seiner Körperdaten abglichen wird. So fand das Team heraus, dass Ammann ein exaktes Erfolgsmuster hat, sprich, sie wissen nun, was es heißt, wenn der Schweizer „Gas gibt“?
In zahlreichen Interviews mussten Tröster und sein Team in der vergangenen Woche erklären, wie sie das mit Ammann angestellt haben. Schweizer Zeitungen überschlugen sich in der vergangenen Woche mit Lobeshymnen.
Da wurde unter anderem geschrieben, dass der 56-jährige Tröster und seine beiden Doktoranden den Grundstein für Ammanns Erfolge gelegt haben. „Wir haben nur mitgeholfen“, sagt Tröster. Gesprungen sei Ammann alleine.
Tröster und seine beiden Doktoranden wissen genau, wie es in Simon Ammann vor, während und nach seinen Sprüngen von den Olympiaschanzen in Whistler aussah. Denn auch bei seinen Goldsprüngen hat Ammann die Sensoren getragen. Er entschied sich erst kurz vor dem Wettkampf dazu.
Gott sei dank, wie Tröster meint. Damit sind Ammanns Erfolge die am besten dokumentierten Siege eines Skispringers in der Geschichte der Olympiade.
Zur Person
Gerhard Tröster (Jahrgang 53) besuchte in Karlstadt die Volksschule. Im Riemenschneider-Gymnasium in Würzburg legte er 1972 sein Abitur ab. Von 1972 bis 1978 studierte er Elektrotechnik an der Technischen Universität in Darmstadt und in Karlsruhe. Tröster promovierte an der TU Darmstadt im Bereich Mikroelektronik. Von 1984 bis 1993 arbeitete er bei Telefunken electronic in Heilbronn, wo er Komponenten für ISDN und das Handynetz entwickelte. Seit 1993 forscht und lehrt er an der ETH (Eidgenössische Technische Hochschule) Zürich, als Leiter des Instituts für Elektronik. Tröster lebt mit seiner Frau und drei Kindern in der Nähe von Zürich. In Karlstadt wohnt noch heute Trösters Bruder Martin.
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