publiziert: 21.07.2010 17:57 Uhr
aktualisiert: 31.08.2010 15:01 Uhr
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TÜRKEN IN KARLSTADT (49): Ümit Uzun managt mit „Hot Spot Tours“ Sportreisen
  • Exotische Reiseziele: Ümit Uzun hat mehrere Jahre seine Kunden auf den Reisen selbst betreut und ist dabei viel herumgekommen.
    Foto: PRIVAT
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„Ich mache mir nicht viele Gedanken um die Nationalität.“ Ümit Uzun (33, sprich Usun) aus Karlstadt, deutscher Staatsbürger türkischer Abstammung, hat keine Probleme mit der Integration in Deutschland – oder umgekehrt damit, in der Türkei eventuell als Deutscher bezeichnet zu werden. Sich weder in Deutschland noch in der Türkei richtig zu Hause zu fühlen, das ist ihm fremd. Er kam schon immer überall klar. Heute bietet er mit seinem Reiseunternehmen „Hot Spot Tours“ Sportreisen auf der ganzen Welt an.

Die ersten acht Jahre verbrachte er in Dortmund, wohin seine Eltern als Gastarbeiter gekommen waren. Sie waren es, die seinen Lebensweg vorzeichneten. Sie schlossen – was höchst selten ist – eine intensive Freundschaft mit einem deutschen Ehepaar aus Karlstadt. Ümit Uzuns Schwester lebte eine zeitlang bei diesem Ehepaar.

Halbes Jahr zum Surfen

Aber auch er selbst profitierte von dieser Freundschaft. In Karlstadt ging auch er immer nach der Schule zu dem Ehepaar und machte dort Hausaufgaben. Er absolvierte die Realschule und machte eine Lehre als Bankkaufmann in der Sparkasse.

Gar nicht entzückt waren seine Eltern, als er diesen sicheren Posten aufgab und für ein halbes Jahr zum Windsurfen nach Südafrika flog. Uzun: „Ich bin ausgestiegen.“ Mit nur 700 Mark in der Tasche machte er sich auf und überlebte dort mit Hausmeisterdiensten und dem Bau von Surfbrettern.

Den Samen für die Liebe zum Surfen hatte allerdings wieder sein Vater gelegt. Der hatte in Deutschland Lust am Surfen gefunden und wurde damit zu so etwas wie einer der Pioniere in der Türkei. Als er dort mit dem Surfbrett auf dem Autodach ankam, dachten damals einige, das sei ein Flugzeug.

Zurück in Deutschland beschloss Ümit Uzun, nicht mehr zurück in die Sparkasse zu gehen, sondern in die Tourismusbranche. Er organisierte erste Kurztrips. Da ging es zum Surfen, Segeln oder Snowboardfahren. „Meine Idee war, die Reisen zu organisieren und sie immer auch selbst zu betreuen“, berichtet er. Der Grundgedanke war: Da gibt es einen, der sich auskennt, beim dem wird gebucht und der kümmert sich um den Rundumservice.

Parallel begann er in Karlstadt beim Fit-in als Fitnesstrainer zu arbeiten, kümmerte sich um die Animation und Betreuung der Kunden. Er absolvierte den Segelschein und den Tauchschein. Mit Hilfe des Gründerzentrums eröffnete er 2003 das Reiseunternehmen „Hot Spot Tours“. Fünf Jahre lang begleitet er seine Kunden bei allen Trips. Schwerpunkte waren die Türkei und Frankreich. Im Winter dann ging es nach Österreich oder in die Schweiz, im Frühjahr auf die Malediven.

2008 ergab sich etwas Neues: Er organisierte Medienveranstaltungen mit sportlichem Hintergrund, zum Beispiel eine Surftour nach Frankreich. Beteiligt waren auch ein befreundeter Fotograf und Models sowie Sponsoren. An solchen Veranstaltungen interessiert zeigten sich Medien wie Penthouse, Cineplex oder Radio Gong.

Da Ümit Uzun 2006 seine Frau Stefanie geheiratet hat und die beiden eine inzwischen dreijährige Tochter haben, ist es nicht mehr familienverträglich, bei allen Reisen selbst dabei zu sein. Im vergangenen Jahr begann Uzun, seine „Hot Spot Tours“ in eine Agentur umzubauen. Das Ziel ist es, Sportreisen weltweit anzubieten. Zudem ist er intensiv im Yachtcharter tätig und arbeitet hier eng mit Europas größter Yachtcharteragentur Master-Yachting in Sommerhausen zusammen.

Filme von Hochzeiten

Ein weiteres Standbein ist aus einem Hobby entstanden: Uzun bietet an, Filme von besonderen Ereignissen zu drehen und zu schneiden, beispielsweise von Hochzeiten.

Bei der Erziehung der gemeinsamen Tochter legen Ümit und Stefanie Uzun Wert darauf, dass auch sie multikulturell aufwächst. „Ich kenne die deutsche wie die türkische Kultur und ziehe aus beiden Vorteile“, sieht sich Ümit Uzun gewissermaßen als Vorbild. Zweisprachigkeit ist für die Kleine selbstverständlich. Sie betet zum Beispiel bei Tisch in zwei Sprachen zu Gott und Allah. Wohin sie sich einst wendet, soll sie selbst entscheiden.

Von seinen eigenen Eltern hat Ümit Uzun gelernt ein guter Mensch zu sein: „Versuche so durchs Leben zu gehen, dass man dich mag“, lautete das Motto. Damit hatte er Erfolg – so viel, dass er das Rezept schon weitergegeben hat, beispielsweise bei einem Besuch einer Schulklasse, als sein Reisebüro noch im Gründerzentrum war. „Wenn ihr freundlich seid, dann öffnen sich euch die Türen“, erklärte er den Schülern.

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Von unserem Redaktionsmitglied Karlheinz Haase
    
    

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