aktualisiert: 30.11.2010 11:46 Uhr
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KARLSTADT
Ein Wagnis für den jungen Fatih
TÜRKEN IN KARLSTADT (48): Vor vier Jahren übernahm er den Laden an der Moschee
Halime Bastürk steht im Lebensmittelgeschäft ihre Sohnes Fatih und zaubert auf zwei großen, runden Backplatten Börek. Mit dem Nudelholz hat sie vorher den Hefeteig gleichmäßig dünn ausgerollt. In vier Variationen macht sie diese türkische Speise, die es jeden Montag und Donnerstag frisch gibt: mit Spinat, Schafskäse, Zucchini oder Kartoffeln. Manchmal erfüllt sie auch einen Sonderwünsche von Kunden und macht Börek zum Beispiel süß mit Sesam und Zucker.
Häufig hatte es in dem Lebensmittelgeschäft im Gebäude der Moschee mit dem Minarett in der Karlstadter Johann-Schöner-Straße Besitzerwechsel gegeben. Vor vier Jahren nun hat Fatih Bastürk den Laden übernommen. Seitdem habe es einen langsamen, aber stetigen Aufschwung gegeben, berichtet der heute 26-Jährige.
Gleich nach der Schulzeit bekam er erste Einblicke in den Lebensmittelhandel. Er arbeitete bei seinen Onkels Ahmed und Asim Bastürk in deren Lebensmittelgroß- und einzelhandel „Ahsa 1“ in Würzburg. Dieser liegt in der Nähe des Real-Markts. Die Onkels importieren Ware per Lkw direkt aus der Türkei. Es folgte eine Unterbrechung: Fatih Bastürk, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat, leistete seinen Zivildienst beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Würzburg ab.
Dann stand eine große Entscheidung an, denn er konnte den Laden übernehmen. „Ich habe eine Weile überlegt, ob das Risiko nicht zu groß ist“, sagt er. Nach dem Scheitern seiner Vorgänger hätte dasselbe auch ihm leicht passieren können. Die vormaligen Inhaber hätten aber wohl zu wenig Erfahrung bei der Bestellung und de Lagerhaltung der Waren gehabt. Das wollte er besser machen. Er hat neue Regale, darunter ein Kühlregal, angeschafft.
Einen Aufschwung habe auch seine Heirat mit seiner Frau Türkan gebracht, freut sich Fatih Bastürk. Sie stammt aus Frankenthal bei Mannheim und arbeitete bei Globus. Sie habe zum Beispiel in Karlstadt die Präsentation der Ware spürbar verbessert.
Mehr als ein Drittel der Ware kommt aus der Türkei. Der Schwerpunkt liegt auf Gemüse, das zum Teil auch aus Italien oder Spanien stammt. Es gibt Trockenware wie zum Beispiel Bulgur, zudem Käse, Wurst, Getränke, Tee und Gewürze. Letztere werden zum Großteil sogar in derselben Straße abgepackt – bei Hira Gewürzhandel Ltd. in der Schönerstraße 46 (früher Bosch-Werkstatt), wo schätzungsweise acht Personen Gewürze in kleine Gebinde umfüllen.
Teilweise werden die Lebensmittel in Deutschland nach türkischem Rezept hergestellt, so etwa Ayran. Dieses joghurthaltige Getränk kommt von den Milchwerken Mainfranken. Das Fladenbrot wird in Nürnberg gebacken.
Eine Weile war der Laden ein Ableger der Moschee. Heute hat das Geschäft mit der Moschee eigentlich nichts mehr zu tun. Bastürk ist normaler Mieter der Räume. In Anlehnung an die Namensgebung seiner Onkels hat er den Karlstadter Laden „Ahsa 3“ genannt – „Ahsa 2“ war vorübergehend ein kleines Obst- und Gemüsegeschäft der Onkels in der Würzburger Semmelstraße.
Inzwischen steigt auch der Anteil deutscher Kunden. Sie machen nach Bastürks Schätzung rund 30 Prozent aus. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und Samstag von 9 bis 16 Uhr.
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