publiziert: 14.05.2013 17:08 Uhr
aktualisiert: 14.05.2013 17:15 Uhr
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Ein nicht ganz preiswertes Baugebiet

Freie Wähler besichtigen den „Eidechsenkorridor“ – Riedmann kündigt andere Baulandpolitik an
  • Foto: Ungemach
    Neues Baugebiet: So sieht der Plan aus, der in Sendelbach Südlich der Steinfelder Straße verwirklicht werden soll. Vorgesehen sind knapp 40 Bauplätze. Die Erschließungsstraßen sind gelb eingezeichnet, die Grünflächen braun. Am Unteren Bildrand verläuft die Steinfelder Straße.
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„So ein Baugebiet wird es in Lohr definitiv nicht mehr geben“ – mit diesem Satz fasste Lohrs zweite Bürgermeisterin und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Stadtrat, Brigitte Riedmann, die von vielen Problemen begleitete Entstehungsgeschichte des geplanten Baugebiets Südlich der Steinfelder Straße nach einer Besichtigung des Areals rund um den Romberg in Sendelbach zusammen.

Bei dem Ortstermin, zu dem rund 20 Bürger der Einladung der Freien Wähler gefolgt waren, standen die umfangreichen ökologischen Ausgleichsmaßnahmen im Vordergrund, darunter der mittlerweile zu einigem Ruhm gelangte „Eidechsenwanderkorridor“. Um das rund 2,5 Hektar große Baugebiet mit seinen knapp 50 Bauplätzen möglich zu machen, muss die Stadt an anderer Stelle auf insgesamt 7,2 Hektar in Sendelbach, Steinbach und Halsbach landwirtschaftliche Flächen ökologisch aufwerten.

Wie der städtische Umweltbeauftragte Manfred Wirth erklärte, ist der hohe ökologische Wert der dem Baugebiet zum Opfer fallenden Trockenwiesen am Sendelbacher Ortsrand der Grund für große gesetzliche Auflagen. Als die Stadt in die Planung des Baugebiets eingestiegen sei, „wusste das kein Mensch“, so Wirth. Bald habe sich jedoch herausgestellt, dass das Baugebiet an den naturschutzrechtlichen Bestimmungen sogar hätte scheitern können.

Um das zu verhindern, musste vor allem die derzeit noch auf dem Baugebietsareal residierende Population der seltenen und mit einem Tötungsverbot geschützten Zauneidechse gerettet werden. Deswegen der Eidechsenkorridor. Dieser rund vier Hektar große Kahlschlag quer durch das Naturschutzgebiet Romberg verbindet laut Wirth drei derzeit isolierte Eidechsenpopulationen. Hierdurch entstehe ein großer Gesamtlebensraum. Erst dieser mache es möglich, einen Teil davon, nämlich das künftige Baugebiet, den Eidechsen als Lebensraum zu entziehen.

Der ökologische Ausgleich war laut Riedmann jedoch nur eine der Hürden. Auch bei der Erschließung über die Steinfelder Straße habe es einiges Ringen gegeben, ebenso bei der geplanten Lärmschutzwand. Die Tatsache, dass es sich um „kein einfaches Baugebiet“ handle, führe auch dazu, dass die Bauplatzpreise „nicht die preiswertesten“ sein werden.

Immerhin, so Riedmann, sei die Stadt mittlerweile im Besitz von knapp der Hälfte des künftigen Baugebiets. So sei garantiert, dass die Bauplätze auch an Bauwillige verkauft und nicht über Generationen gehortet werden. Dies sei umso wichtiger, da von den aktuell rund 250 unbebauten Lohrer Bauplätzen in Privatbesitz derzeit nur rund 20 zum Verkauf stehen.

Künftig, so Riedmann, werde die Stadt sicherlich nur noch dann neues Baugebiet ausweisen, wenn sie im Besitz der gesamten oder zumindest des größten Teils der Flächen sei. Parallel dazu müsse sich die Stadt aber auch in Bereichen bestehender Bebauung um „Innen- und Nachverdichtung“ bemühen, so die zweite Bürgermeisterin.

Tiere per Hand umsiedeln

Bis im Baugebiet Südlich der Steinfelder Straße in Sendelbach die ersten Bagger anrollen können, wird es indes noch eine ganze Weile dauern. Derzeit sieht der vage Zeitplan vor, dass Ende 2014 mit dem Bau von Häusern begonnen werden soll. Vorher, so der städtische Umweltbeauftragte Wirth, müssen eventuell die Eidechsen von Hand eingefangen und umgesiedelt werden – falls sie nicht einsehen wollen, dass der Korridor eigens für sie geschaffen wurde.

Von unserem Redaktionsmitglied Johannes Ungemach
    
    

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