aktualisiert: 11.11.2010 15:18 Uhr
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WIESENFELD
Einblick in jiddische Seele und Humor vermittelt
Formation Klez'amore bot ein mitreißendes Konzert in der ehemaligen Synagoge in Wiesenfeld
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Mitreißend: Das vielseitige musikalische Erbe des Judentums mit seiner Klezmermusik wurde in dem Konzert der Formation Klez'amore aus Würzburg in der ehemaligen Synagoge Wiesenfeld wieder lebendig. Die Musiker (im Bild von links) Ernst-Martin Eras, Armin Höfig und Stefan Kraneburg begeisterten mit ihrer mitreißenden Interpretation. Im Bildhintergrund sind Teile der Ausstellung „Jerusalem lag in Franken“ zu sehen.Foto: Josef Riedmann
Am Gedenktag der Pogromnacht 1938 und zur Erinnerung an die durch den Holocaust untergegangene jüdische Volksmusiktradition veranstaltete das Kulturamt der Stadt Karlstadt in der ehemaligen Synagoge Wiesenfeld ein Konzert mit Klezmermusik und jiddischen Liedern, dargeboten von der Würzburger Formation Klez'amore.
Das Konzert bildete auch den Abschluss der Bilderausstellung unter dem Titel „Jerusalem lag in Franken“, die über drei Wochenenden in der Synagoge zu sehen war. Die Ausstellungstafeln an den Wänden umrahmten nun nochmals die Konzertbesucher in der Synagoge.
Mit einigen Gedanken zu der wegen der zahlreichen zerstörten Fensterscheiben als Reichkristallnacht bezeichneten Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 leitete Bürgermeister Paul Kruck die Veranstaltung ein. Die von den Nationalsozialisten bewusst gesteuerten Ausschreitungen, bei denen auch die Wiesenfelder Synagoge zerstört und entweiht wurde, sei der Beginn von der Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung zur systematischen Verfolgung gewesen, so Kruck. Mit dem Auslöschen jüdischen Lebens sei auch die Kultur und die Musik der Jahrhunderte hier lebenden Juden für lange Zeit verloren gegangen. Erst seit den 70er Jahren sei über Amerika kommend die Klezmermusik auch in Deutschland wieder bekannt und populär geworden.
Die Gruppe Klez'amore pflegt die ursprünglich aus dem osteuropäischen Raum stammende Volksmusiktradition, die bei Hochzeiten und Feiern der aschkenasischen Juden gespielt wurde. Über Jahrhunderte durch zahlreiche Strömungen beeinflusst wird die Klezmermusik bis heute weiterentwickelt. Auch die Instrumentalformation Klez'amore aus Würzburg mit Ernst-Martin Eras an der Oboe, Armin Höfig an der Gitarre und Stefan Kraneburg am Kontrabass bearbeitet selbst ihr Repertoire, und die Musiker verknüpfen die traditionellen Stücke und Tänze mit jazzigen Einlagen und Swingelementen.
Die von der Gruppe Klez'amore aufgeführten Stücke bestechen durch überaus melodiöse Folgen, die an den menschlichen Gesang erinnern. Liedhaft schmeichelnde Passagen steigern sich zu stakkatoartigen Einwürfen, Tempi variieren mehrfach innerhalb eines Stückes, von langsam getragen bis zu atemberaubend schnellen Tonfolgen. Orientalisch klingende Weisen oder auch Anklänge der Zigeunermusik der Roma sind herauszuhören. Die Stücke scheinen Leben in sich zu haben, sie erzählen förmlich eine Geschichte. Auf dem Programm standen auch Instrumentalstücke mit liturgischem Charakter wie „Shalom Alechem“ mit einer an Gesang erinnernden Melodie, denen meist ein Psalmtext als Thema zu Grunde liegt.
Beeindruckend dargeboten wurden die zahlreichen Hochzeitstänze, die vor Lebensfreude sprühen, meist eine melancholische, an menschliche Verzweiflung erinnernde Passage enthalten, aber dann wieder im Tempo steigen und die Begeisterung ausgelassener Tänzer förmlich spüren lassen. „The Klezmer Freilach“ ist auch im Repertoire des Argentiniers Giora Feidman enthalten, der als einer der populärsten Vertreter der Klezmermusik in Deutschland gilt. Der Freilach, ein fröhliches Stückchen, ist ein Tanz im Zweivierteltakt.
Die drei Interpreten von Klez'amore führten die Konzertbesucher in die Thematik der Klezmermusik ein und erläuterten die Besonderheiten der Stücke. Das Konzertprogramm vermittelte ein stimmiges Bild der Vielfalt der Klezmermusik. Mit sichtlicher Spielfreude und Humor boten sie ihr Repertoire dar. Den Melodiepart übernahm der ausgebildete Oboist Eras, der die schnellen Läufe, die schwierigen Sprünge in den Tonlagen souverän meisterte, gleichzeitig die melodiösen Teile ausdrucksstark interpretierte. Höfig und Kraneburg untermalten die Melodien ihres Kollegen mit routiniertem Gitarrenspiel beziehungsweise mitreißendem Zupfbassspiel.
Bürgermeister Kruck meinte in seinen Schlussworten, „wir haben drei Meister an ihren Instrumenten erlebt, die uns einen Einblick die jiddische Seele, den Humor und die Kultur der Landjuden vermittelt haben“.

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