publiziert: 12.07.2009 17:44 Uhr
aktualisiert: 12.07.2009 17:46 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text KLEINWERNFELD
Eine Überfahrt nach Wernfeld kostete 25 Pfennige

Der letzte Fährmann Norbert Michel führt eine vierbändige Chronik der Mainfähre

Wernfeld und das auf dem linken Mainufer liegende Kleinwernfeld waren seit jeher mit einer Fähre verbunden, wie am Main auch andernorts üblich. Es gab die Personenfähre, einen motorisierten Nachen, Baujahr 1948, für bis zu 13 Personen, und die Wagenfähre.

  • Auch der Bischof von Würzburg nahm in den 1950er Jahren einmal samt Chauffeur und Dienstwagen die Fähre in Wernfeld auf seinem Weg nach Massenbuch.
    Reprofoto Ferdinand Heilgenthal
  • Der letzte Fährmann Gemündens, Norbert Michel, mit dem Modell seines Kleinwernfelder Fährschelchs.
    FOTO Ferdinand Heilgenthal
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Norbert Michel war der letzte Fährmann im Raum Gemünden und hat seine einheimischen und auswärtigen Fahrgäste bis 1995 sicher über den Main gesetzt. Dann ermöglichte der neu gebaute Steg den Kleinwernfeldern den direkten Zugang zur Bahnstation, zum Metzger, zum Bäcker und zur Kirche.

Heute kann Michel einiges erzählen, was zum Leben eines Fährmanns gehörte: „Man muss den Wasserstand beobachten, dann merkt man sofort, ob geschleust wird und deshalb mehrere Schiffe kommen.“ In vier Bänden hat der Mitarbeiter der Stadt Gemünden, der heute in der Poststelle arbeitet, die Geschichte der Wernfelder Fähre genau dokumentiert. Da finden sich Zeitungsausschnitte über den Eisgang, Fotos vom Besuch des Bischofs, der zur Visitation in Massenbuch übersetzte, oder Aufnahmen von fröhlichen Gesellschaften und Festbesuchern. „1992 bin ich nach Harrbach zum Feuerwehrfest gefahren, und auch bei der 800-Jahr-Feier in Pflochsbach war unsere Fähre die Attraktion.“ Letzteres beweisen die Dankschreiben an die Stadt Gemünden. Dank gab es auch von den Wallfahrern aus Bad Orb, die sich vorher schriftlich angekündigt hatten, wenn sie von Gemünden aus über Retzbach nach Dettelbach wallten, um ein altes Pestgelübde einzuhalten. Bis die 70 Teilnehmer übergesetzt waren, hatte Michel alle Hände voll zu tun.

An harte Arbeit, vor allem im Winter und bei Hochwasser, im zunächst noch nicht überdachten Nachen, aber auch an viele Begegnungen mit Menschen aller sozialen Schichten denkt der ehemalige Fährmann zurück, wenn er in seinen Unterlagen blättert.

Da war beispielsweise der Kapitän einer stattlichen Jacht, der in Kleinwernfeld anlegte und zu Mittag essen wollte. Leider hatten an diesem Tag alle Wirtschaften Ruhetag und so bot Michel dem Fremden an, mit nach Gemünden zu fahren. „Im Gasthaus Kaiser hat er dann eine Portion Fleischwurst mit Kraut gegessen.“ Er sei voll des Lobes gewesen und auf der Rückfahrt sei er wieder dort eingekehrt, natürlich mit dem Fährmann als Gast. Hinterher kamen Fotos und ein Schreiben, auf dem im Briefkopf zu lesen war, dass es sich um einen Professor und Klinikleiter aus Heidelberg handelte.

Auch die Einheimischen liebten ihre Fähre, deren Benutzung für den Kirchgang, den Kindergartenbesuch oder für Vereinstätigkeiten kostenlos war. Für festliche Anlässe, wie am Weißen Sonntag schmückten die Familien das Boot mit Blumengirlanden. Alte Schwarzweißfotos, auch von seinen Vorgängern im Amt, lassen die Bedeutung ahnen, die mit der Fähre einst verbunden war. Und Michel erzählt weiter: „Da habe ich schon einmal für eine gehbehinderte alte Frau den Schweinebraten beim Metzger und die Weck besorgt.“

Auch unschöne Situationen waren zu meistern, wie die Bergung von lebensmüden Mitbürgern. Zurückblickend meint Michel in seiner Bilanz sei es eine schwere, aber schöne Arbeit gewesen, weil man mit Menschen zu tun hatte, die dankbar waren, auch wenn die Überfahrt 25 Pfennig gekostet hat.

Von unserem Redaktionsmitglied Ferdinand Heilgenthal
    
    

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