publiziert: 28.09.2010 17:05 Uhr
aktualisiert: 26.10.2010 13:02 Uhr
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Er fühlt sich zum Sprecher berufen

TÜRKEN IN KARLSTADT (52): Nurettin Balaban setzt sich gerne für seine „Landsleute“ ein
  • Nurettin Balaban: Als Vorsitzender des Fußballvereins Birlik Spor wurde er bei Sport-Insidern bekannt. Inzwischen hat er eine Firma zum Einbau von Fenstern gegründet.
    Foto: Karlheinz Haase
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Karlstadt

 

Nurettin Balaban – dieser Name ist vor allem Fußball-Insidern in Main-Spessart noch in Erinnerung. Als Vorsitzender des Sportvereins Birlik Spor trat er ab dem Jahr 2004 in Erscheinung. Der Verein existiert zwar noch, aber er bestreitet keine Fußballspiele mehr. Balaban widmet sich inzwischen mehr seinem neuen Geschäft: dem Einbau von Fenstern.

Zur Erinnerung: Die Mannschaft von Birlik Spor war bei Rundenspielen so in Aufregung geraten, dass es mehrmals zu Spielabbrüchen kam und sogar das Sportgericht tätig werden musste. Auch bei der Suche nach einem Trainingsplatz gab es Probleme.

Der redegewandte Balaban mischt gerne mit und setzt sich gerne mit Nachdruck für seine „Landsleute“, wie er sie bezeichnet, ein. Der Karlstadter FV-Vorsitzende Karl-Heinz Keller berichtet beispielsweise, dass Balaban ihm einmal einen Brief geschrieben hatte, dass beim FV die türkische Jugendlichen zu wenig Anerkennung bekämen. Keller solle sich darum kümmern. Als Keller ihn um Benennung konkreter Fälle gebeten habe, sei keine Reaktion mehr gekommen.

„Es wird zu wenig getan“

Vor einigen Monaten beklagte Balaban gegenüber der Main-Post, dass in Karlstadt zu wenig für die Integration der türkischen Jugendlichen getan werde. Er hatte nicht mitbekommen, dass just zum selben Zeitpunkt Stadtjugendpfleger Thorsten Schubert bereits einen Vorstoß zur Einstellung einer Integrationsbeauftragten unternommen hatte. Balaban fand Schuberts Initiative wunderbar, bemängelte aber zugleich, dass die türkischstämmige Bevölkerung dabei nicht mitreden kann.

Balaban betrachtet die türkischen Jugendlichen nach wie vor als isoliert. Sie würden keinen Anschluss finden bei Vereinen, seien benachteiligt beim Start in die Schule und den Beruf freilich auch, weil ihre Eltern oft nicht richtig Deutsch können. Es sei für eine Minderheit schwer irgendwo reinzuwachsen, „wenn man da keinen Nährboden findet, um zu wachsen“, meint er. „Viele Deutsche wollen auch nicht, dass wir uns integrieren.“

Sich selbst sieht Balaban als ein Sprachrohr der türkischen Männer in Karlstadt. Er halte Kontakt zu beiden Moscheen. Ein Treffpunkt ist die Teestube im Untergeschoss beim Dönerladen von Yussuf Aksar in der Bodelschwinghstraße. Hier hat sich Balaban eine Zeit lang um die Gäste gekümmert. Türkischen Männern jeglichen Alters dient sie als Treff. Das Haus gehört der Familie Mercan. Hier gibt es Tee, Kaffee, Cola, Fanta, Sprite, aber keinen Alkohol, wie Balaban betont. Es wird Karten oder Backgammon gespielt oder eine DVD geschaut. Geöffnet ist täglich von 12 bis gegen 23 Uhr. Ab und zu gibt es eine Feier.

Hier ist sozusagen auch das Vereinslokal von Birlik Spor. Wäre es nicht sinnvoller, Türken und Deutsche würden gemeinsam im selben Verein Fußball spielen, wie das beim FV Karlstadt die Regel ist? Balaban sagt, bei Birlik Spor handle es sich nicht um einen rein türkischen Verein. Unter den 16 Mitgliedern seien auch zwei Polen, ein Deutscher und ein algerischer Trainer. Die anderen Spieler sind Türken. Alleine das Zusammentreffen mit deutschen Mannschaften betrachtet Balaban bereits als einen kleinen Schritt Richtung Integration.

Gelernter Verputzer

Beruflich geht Balaban seit Juni dem Einbau von Fenstern nach. Zusammen mit zwei Partnern, dem Duttenbrunner Schreinermeister Matthias Spitznagel und dem Gemündener Berthold Hermann, der 20 Jahre bei Franken-Fenster in der Fertigung gearbeitet hat, hat er in der Würzburger Straße 37 die Firma Frontal-Fenster gegründet. Balaban selbst, heute 37, hat Maler und Verputzer gelernt, bei der Firma Löwen-Restaurierung und einer Fertighaus-Firma gearbeitet.

ONLINE-TIPP

Die bisherigen Folgen der Serie unter www.mainpost.de/lokales/main-spessart

Von unserem Redaktionsmitglied Karlheinz Haase
    
    

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