publiziert: 22.12.2009 18:33 Uhr
aktualisiert: 22.12.2009 20:47 Uhr
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Erwachsene überfordern Christkind

Der Sinn des Weihnachtspostamts Himmelstadt wird häufig missverstanden

Briefe von Erwachsenen, die den Sinn des Weihnachtspostamts in Himmelstadt (Lkr. Main-Spessart) missverstehen, machen den freiwilligen Helfern das Leben schwer. Manche schicken sogar seitenlange Listen mit Adressen von Bekannten und erwarten, dass diesen dann Weihnachtskarten geschrieben werden.

  • Rosemarie Schotte, die Leiterin des Himmelstadter Weihnachtspostamts, hat alle Hände voll zu tun.
    FOTO KARLHEINZ HAASE
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Diese falsche Einschätzung hat extrem zugenommen, sodass das Weihnachtspostamt gnadenlos überlastet ist. „Wir sind dafür da, die Kinderbriefe an das Christkind zu beantworten – und nicht für die Weihnachtspost der Erwachsenen“, stellt Rosemarie Schotte, die Leiterin des Weihnachtspostamts, klar. Rund 65 000 Briefe haben die insgesamt 33 Helfer heuer bereits beantwortet. Die meisten freilich sind von Kindern und machen viel Freude. „Doch an manchen Tagen würde ich die Briefe am liebsten aus dem Fenster werfen“, sagt Schotte.

Selbst „Mahnungen“ sind dabei

Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Absender Ansprüche ans Christkind geltend machen, wie im oben erwähnten Fall, bei dem sie sich den Versand von Karten an ihre Freunde und Bekannten erhoffen. Solche fordernden Briefe werden mehr und mehr zur Belastung für das Team, das schon seit Mitte November von morgens bis abends Briefe beantwortet. Teilweise finden sich unter den Zusendungen auch „Mahnungen“. Die Absender beschweren sich darüber, dass das Christkind noch nicht fristgerecht geantwortet hat.

Manche Erwachsene schildern seitenweise ihre Probleme, Lebensläufe und Krankheitsgeschichten. Rosemarie Schotte kommen manchmal Zweifel, ob alles wahr ist, was da zu lesen steht. Dennoch antwortet sie den Erwachsenen und rät dann oft, sich professionelle Hilfe zu holen. Das Weihnachtspostamt kann nicht den Arzt oder Therapeuten ersetzen.

Andere schildern ihre Armut, schreiben, dass sie nichts schenken können oder nichts zu essen haben. Auch diesen rät sie, sich an die zuständigen Stellen zu wenden. „Irgendwo gibt es immer Hilfe in Deutschland.“

Wenn hingegen Kinder ihre Probleme schildern, dann sind sie bei der Postamtsmannschaft an der richtigen Adresse. Manche Briefe machen traurig. So klagte ein Bub, dass er wegen des „blöden Richters“ seinen Bruder nach der Trennung seiner Eltern nur noch alle zwei Wochen sehen könne. Andere Kinder schrieben, dass sie wegen der Wirtschaftskrise in diesem Jahr kein Geschenk bekämen.

An die 400 Sorgenbriefe wurden heuer beantwortet. Während der Standardbrief ans Christkind mit einem gedruckten Weihnachtsbrief bedacht wird, bekommen die Absender von Problembriefen eine handschriftliche Antwort.

Viele Nachzügler

Eigentlich war am 18. Dezember Einsendeschluss, damit die Antwortbriefe bis Heiligabend bei den Kindern eintreffen. Dennoch hält der Strom an Zusendungen an. Am Dienstag trafen beispielsweise noch Briefe von Schülern ein mit dem Vermerk der Lehrerin, sie habe vergessen, deren Wunschzettel rechtzeitig abzuschicken. Schotte schüttelt den Kopf: „Was die sich denken.“ Auch all diese verspäteten Zusendungen werden noch beantwortet, kommen dann aber erst nach Weihnachten an. Die Leiterin des Postamts selbst wünscht sich zu Weihnachten nur noch eines: Zeit und Ruhe.

Das Weihnachtspostamt in 97267 Himmelstadt, Kirchplatz, gibt es seit 1986, im Internet unter: www.post-ans-christkind.de.

Im Blickpunkt

Telefonseelsorge Erwachsene wenden sich in Krisensituationen beispielsweise an die Telefonseelsorge, bundesweit kostenlos zu erreichen unter Tel. (0800) 111 0 111 oder den Krisendienst in Würzburg unter Tel. (09 31) 57 17 17.

Von unserem Redaktionsmitglied Karlheinz Haase
    
    

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