publiziert: 22.02.2012 17:17 Uhr
aktualisiert: 22.02.2012 19:36 Uhr
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Faschingszug: Stimmung ohne Bassgewitter

Ärger um Lärmschutzauflagen: „Lorbser“ wollen mit der Stadt über Lockerungen sprechen
  • Keine Lust mehr: Die Motorradfreunde kündigten schon beim Faschingszug in Marktheidenfeld ihren Rückzug an.
    Foto: A. BRACHS
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Seit 20 Jahren waren sie ohne Unterbrechung dabei, doch jetzt ist Schluss: Die Motorradfreunde wollen im nächsten Jahr nicht mehr beim Faschingszug in Marktheidenfeld mitmachen. Den Spaß verdorben haben ihnen die verschärften Lärmschutzauflagen, die seit dem vergangenen Jahr gelten. „Ohne die Faschings- und Après-Ski-Hits fehlt einfach was“, sagt Thomas Schwarz aus Trennfeld, der zu den Motorradfreunden gehört.

Bei den Zügen in Homburg und Lengfurt hatte die Clique ihre Stimmungsmusik trotz der verschärften Vorschriften spielen dürfen – und deshalb versuchte sie es auch am Dienstag beim Hädefelder Fasching. Die Polizei, die ihren Wagen vor dem Start des Zuges kontrollierte, stellte jedoch klar: Musikanlagen, die mit Hilfe von Aggregaten betrieben werden, sind verboten. So steht es auch auf der Anordnung, die jede Zuggruppe unterschreiben und bei der Anmeldung mitabgeben musste.

Nach der klaren Ansage der Polizei überlegten die Motorradfreunde, ob sie einfach wieder abziehen sollten. Doch dann entschlossen sie sich zu einem „stillen“ Protest: An ihrem Motivwagen, der den im Maya-Kalender für 2012 vorausgesagten Weltuntergang zum Thema hatte, befestigten sie Schilder mit der Aufschrift: „Keine Musik, kein Spaß – das war's“.

Die Motorradfreunde meinen ihre Ankündigung durchaus ernst. Thomas Schwarz sagt, die Vorbereitungen auf den Faschingszug machten nicht nur Arbeit, sondern kosteten auch Geld. Etwa 200 Euro bringt die Clique auf, die Hälfte davon für Bonbons und Chips, die in die Menge geworfen werden, den anderen Teil für die Gestaltung des Wagens und anfallende Gema-Gebühren.

Die Motorradfreunde waren nicht die einzigen, die beim Hädefelder Zug wegen der Lautstärke in die Schranken gewiesen wurden. Auch andere Gruppen mussten leiser treten – einige von ihnen fügten sich, andere erklärten spontan ihren Rückzug vom Umzug.

Das Gezänk um die Musikanlagen hat bei den „Lorbsern“, die den Zug veranstalteten, die Freude über einen ansonsten gelungenen Nachmittag getrübt. Vorsitzender Dietmar Jeßberger ärgert sich über die Uneinsichtigkeit einiger Zugteilnehmer, die partout nicht auf ihre Aggregate verzichten wollen. „Es muss doch nicht immer diese massive Geschichte sein“, sagt er und erinnert daran, dass beim Zug auch Wagen mit Musik dabei waren. Diese Gruppen hätten allerdings Batterien verwendet und sich an den maximal zulässigen Lärmpegel von 85 Dezibel gehalten. Zum Vergleich: Mit Aggregaten werden bis zu 140 Dezibel erreicht, „das ist so laut wie ein Starfighter“, sagt Jeßberger.

Fasching statt Techno

„Wir wollen keine Technoveranstaltung, sondern Fasching feiern“, weist Zugmarschall Guido Dürr auf den eigentlich Sinn des Umzugs hin. Die im Vergleich zu früheren Zügen dezente Lautstärke hatte einen Vorteil: Die mitwirkenden Kapellen, die sonst von wummernden Bässen übertönt wurden, waren gut zu hören.

Die „Lorbser“ wollen sich dennoch darum bemühen, die rigorosen Richtlinien etwas aufzuweichen. Gemeinsam mit der Stadt wolle man versuchen, einen „vernünftigen Mittelweg“ zu finden, sagt Vorsitzender Jeßberger. Sein Vorschlag: Man könnte die maximal erlaubte Lautstärke auf 90 oder 95 Dezibel erhöhen.

Einem Gespräch, um einen Kompromiss zu finden, wäre auch die Polizei aufgeschlossen. Der stellvertretende Inspektionsleiter Stefan Schwind sagt: „Etwas mehr Musik hätte dem Faschingszug sicher gut getan. Man darf halt nicht übertreiben.“ Nennenswerte Zwischenfälle hat es beim Hädefelder Zug nicht gegeben, ausgeschlossen musste niemand werden.

Hart haben dagegen die Verantwortlichen des Faschingszuges in Hafenlohr durchgegriffen. Die Verantwortlichen schickten eine Gruppe weg, die mit einem „fahrenden Ungetüm“ samt Anhänger und mit viel „Dschingerassabumm“ am Zug teilnehmen wollte, erzählt Marianne Riedel, Mitglied des Faschingszugkomitees. Doch weil auch die Hafenlohrer keine Wagen mit Aggregaten zulassen, mussten die Narren wieder kehrtmachen.

Von unserem Redaktionsmitglied Jochen Jörg
    
    

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Die neuesten Kommentare

Apes (5 Kommentare) am 23.02.2012 07:21

Trauerzug wir kommen.

Ich kann mich nur widerholen. Aus den Zügen wurde dieses Jahr Trauerzüge gemacht. Ich könnte die Leute ja verstehen wenn jede Woche ein Zug durch die Straße ziehen würde. Dann würde wohl niemand etwas sagen.
Aber das ist einmal im Jahr für max. 3 Stunden bis der Zug durch ist, vielleicht sogar weniger. Da wird man doch mal damit zurechtkommen das es kurz etwas lauter ist.
Wenn der Nachbar 8 Stunden am Tag mit der Kreissäge das Holz klein macht sagt doch auch keiner was.
Man sollte einfach mit der Zeit gehen und einsehen dass sich auch ein Faschingszug weiterentwickelt und nicht immer auf einer Stelle stehen bleiben. Sonst würden wir ja auch noch in der Steinzeit leben.
Ich laufe jedes Jahr sehr gerne im Zug mit. Mir macht es Spaß bei lauter Musik durch die Straße zu hüpfen und Blödsinn zu machen.
Wenn jemand ein Problem mit der lauten Musik hat, dann soll er doch bitte Ohrenstöpsel verwenden. Da ist doch nichts dabei.
Fasching ohne gute laute Musik ist einfach nichts. Ich frag mich ernsthaft wo das enden soll. Erst kein Alkohol mehr, dann müssen die Wagen abgesichert werden und jetzt keine laute Musik mehr. Was kommt als nächstes? Jetzt dürfen wir wohl keine Strohbären mehr haben weil man mit dem Stroh den Leuten ja das Gesicht verkratzen könnte. Und dann bitte keine Tanzgarde mehr weil es für Kinder ja gar nicht geht das sie die Mädels in kurzen Röcken sehen.
Wir entwickeln uns immer mehr zu Amis. *pfui*
So, genung auf den Putz gehauen. Hoffen wir das es nächstes Jahr einfach besser wird. Vielleicht eine Loveparade 2.0 ? zwinkern
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