publiziert: 15.07.2011 17:42 Uhr
aktualisiert: 15.07.2011 18:09 Uhr
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Fischers Fritz

Ihr lieben Leut!

Erlaubt mir bitte, dass ich meinen Rückblick heute nicht auf die vergangene Woche beschränke, sondern weiter aushole: Beginnen wir im Mittelalter.

Zwischen 1095 und 1291 waren Heerscharen christlicher Kreuzfahrer vom Abendland aus über das Mittelmeer ins Morgenland aufgebrochen, um den Moslems die Heiligen Stätten des Christentums zu entreißen. Wie so oft bei solchen Metzeleien ging es nicht nur um hehre Interessen, sondern auch ums Geld. So haben die Kreuzritter, von Venedig kommend, auch mal das christliche Konstantinopel geplündert und gebrandschatzt, weil es den Venezianern als konkurrierende Handelsmetropole zu stark geworden war. . .

Aber abgesehen davon: Das Morgenland schloss sich auch nach mehreren Kreuzzügen nicht der abendländischen Gesinnung an. Die Geschichte lehrt uns also: Kreuzfahrten sind teuer, verlustreich und letztlich erfolglos.

Dennoch haben sich Kreuzritter bis in unsere Tage gehalten. Denkt an die Malteser oder die Johanniter. Freilich führen sie heute nur noch Gutes im Schilde. Ein solcher Kreuzritter ist auch Johannes (!) Deppisch vom Erlenbacher Weingut. Er führt seit Monaten einen Kreuzzug für die gute Sache – ganz sicher aus hehrem Interesse und vielleicht ein bisschen aus pekuniärem: Er will moderne Kreuzfahrtschiffe nach Hädefeld holen. Im Unterschied zu früher sollen deren Passagiere aber nicht die Stadt plündern, sondern Geld dalassen.

Vergangene Woche hat er die ersten Morgenländer nach Hädefeld gelotst. Sie kamen nicht aus dem Nahen, sondern aus dem Fernen Osten – aus Australien und Neuseeland.

Ihnen präsentierte Deppisch alles, was typisch für unsere Region ist: die Schwerindustrie im Haslocher Eisenhammer, den kleineren Eisenhammer auf dem Golfplatz bei Eichenfürst, das Papierschöpfen von Hand und das Musizieren auf Cembali in Homburg sowie das Reisen mit der Pferdekutsche vom Bienenkorb bis zum Bullenstall.

Den Abend beschlossen seine morgenländischen Gäste bei Grilling, Jodeling und Schunkeling. Ich kann mir schon vorstellen, welches Bild vom gemeinen Franken der gemeine Känguru- oder Kiwi-Züchter den Seinen zu Hause präsentiert, wenn er wieder im Outback oder im Busch oder wo er sonst so wohnt angekommen ist. . .

39-mal will Kreuzritter Johannes das Hädefelder Schunkeling und Jodeling im nächsten Jahr für Kreuzfahrer wiederholen. Sein eigentlicher Kreuzzug richtet sich aber nicht gegen den Irrglauben der Morgenländer, es sei schöner, in Wertheim oder in Miltenberg Heiliges Land zu betreten. Nein, Johanniter Johannes führt seinen Glaubenskrieg gegen das Bollwerk Rathaus, dem er fast ebensolchen Fanatismus unterstellt, weil es gebetsmühlenartig wiederhole, Kreuzfahrer würden in Hädefeld sowieso nie anlegen – nicht mal zum Plündern der Deppisch'schen Weinvorräte.

Vom Misserfolg überzeugt war der Stadtrat bisher auch immer, wenn er sich selbst auf Kreuzfahrt begab und am Drachenbootrennen teilnahm. Doch siehe da: 2010 besiegte er das Main-Post-Boot und 2011 erreichte er gar Platz 2 im Mixed-Rennen! – Sollte aus den Räten mit den Jahren etwa doch eine schlagkräftige Rudermannschaft geworden sein?

Mir ist nur aufgefallen, dass diesmal nicht die Bürgermeisterin mit der Trommel den Takt vorgab und dass auch kaum Stadträte gemeinsam in einem Boot saßen.

Ein Schelm ist, wer sich dabei etwas denkt, wie zum Beispiel

 

Euer Fischers Fritz

    
    

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