publiziert: 13.09.2011 16:48 Uhr
aktualisiert: 13.09.2011 16:56 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text ARNSTEIN
Geduldsarbeit am Synagogen-Vorhang

Restauratoren legten in dem Arnsteiner Bauwerk ein seltenes Ornamentgemälde frei
  • Feinarbeit: Mit dem Skalpell werden feinste Putz- und Farbschichten über dem Originalbild entfernt. Die Lupe hilft dabei.
    Foto: Karlheinz Haase
  • Historisch: Teilweise bleiben die Malereien in der ehemaligen Arnsteiner Synagoge im Originalzustand und werden nicht restauriert. Restaurator Holger Penner (Kürnach) deutet hier auf ein Ornament an der Westwand. Die Schablone wurde an anderen Stellen ebenfalls verwendet.
    Foto: Karlheinz Haase
  • Einzigartig: Als Rarität gilt der gemalte Vorhang an der Ostwand der Arnsteiner Synagoge.
    Foto: Karlheinz Haase
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Quadratmillimeter für Quadratmillimeter legten Restauratorinnen mit Skalpell und anderen feinen Werkzeugen in der ehemaligen Arnsteiner Synagoge ein Wandgemälde frei. Es befindet sich an der Ostwand oberhalb des Thoraschreins und stellt einen Vorhang dar. 160 geduldige Arbeitsstunden waren für diese etwa zehn Quadratmeter große Fläche nötig.

Ein gemalter Vorhang ist in einer Synagoge selten, weiß Restaurator Holger Penner aus Kürnach, der mit seiner Firma den Auftrag für die Malerarbeiten bekommen hat. In der Regel wurden Vorhänge aus Stoff aufgehängt, nicht aber an die Wand gemalt. Dargestellt sind in Arnstein fließende Stoffbahnen und goldfarbene Kordeln, an denen Quasten hängen und bei deren Geflecht naturgetreu die Schatten nachgeahmt wurden. Die Malerei stammt vermutlich aus dem Jahr der Erbauung, also von 1819.

Proben an mehreren Stellen

Die Restauratoren sondierten zunächst an verschiedenen Stellen der Wand, um die Größe der Malerei zu erkunden. Bei der Beseitigung feinster Putz- oder Farbbröckelchen, unter denen das frühere Bild liegt, wurde nun teilweise mit Lupen gearbeitet. Drohen sich Putzteile von der Wand zu lösen, so spritzen die Restauratoren teilweise mit Kanülen eine Kalkdispersion durch feine Löchlein, um diese Teile sozusagen wieder neu an die Wand anzukleben.

Bei heutigen Restaurationen versucht man, die Geschichte eines Gebäudes sichtbar zu lassen. So bleiben beispielsweise die Löcher in den Wänden bestehen, in denen die Balken der nachträglich eingezogenen Geschossdecken steckten. Bekanntlich hatte man in den 50er Jahren aus dem etwa neun Meter hohen Raum drei Geschosse gemacht.

Verblasste Fragmente

Teilweise werden alte Ornamente rekonstruiert, um zu zeigen, wie diese wohl zur Zeit der Erbauung ausgesehen haben. Teilweise belässt man deren Fragmente aber auch in ihrem verblassten und abgenutzten Zustand. Zu erkennen ist, dass mit denselben Schablonen an unterschiedlichen Stellen der Synagoge Ornamente aufgemalt wurden.

Am besten erhalten war die Malerei im Tonnengewölbe, da der Raum dort als Lager genutzt worden war. Um die Risse im Tonnengewölbe zu retuschieren, mischten die Restauratoren 40 verschiedene Farbtöne. Beim Auftragen der Farben sind Tageslichtlampen und der Fön wichtige Arbeitsgeräte, um zu sehen, um die Farbe im getrockneten Zustand beurteilen zu können. Trotzdem ist die Wirkung solcher Malereien erst am Ende zu sehen, wenn die Gerüste aus dem Raum entfernt sind, alle Fenster wiederhergestellt sind und so die natürlichen Lichtverhältnisse gegeben sind.

Im Moment dominieren noch Gerüste den 7,80 mal sieben Meter großen Raum. Im Juni hatte die Firma Penner mit den Arbeiten begonnen. Eigentlich wollten die Restauratoren bis Mitte September fertig sein. Wegen des großen Wandgemäldes verzögert sich dies um etwa zwei Wochen. Dann wird ein Steinboden eingebaut. Rundherum wird der Boden eine Holzeinfassung bekommen, sodass man dort später an die Heizungsrohre herankommen kann. Sobald der Boden fertig ist, werden die Restauratoren mit einem fahrbaren Gerüst Restarbeiten erledigen. Im Moment versperrt nämlich das starre Gerüst einige Stellen.

Von unserem Redaktionsmitglied Karlheinz Haase
    
    

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