publiziert: 03.02.2012 16:28 Uhr
aktualisiert: 03.02.2012 16:34 Uhr
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Hier werden Äpfel knusprig getrocknet

Die Biosanica Manufaktur in Himmelstadt ist Deutschlands Marktführer für Trockenapfelstückchen
  • Fertig für den Versand: Die Abpackmaschine füllt Apfelchips in Plastiktütchen. Christine Klein (links) und Mirjam Münch etikettieren und verpacken diese.
    Foto: Karlheinz Haase
  • Der Rohstoff: Äpfel sind nach dem Waschen auf dem Weg zur Maschine, die das Kernhaus entfernt.
    Foto: Biosanica
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Im Dezember vor einem Jahr erst ist die Firma Biosanica von Steinfeld ins Himmelstadter Gewerbegebiet gezogen. Und schon ist der neue Standort zu klein. Bald muss eine Entscheidung fallen: entweder anbauen oder umziehen.

Die Biosanica Manufaktur GmbH ist Deutschlands größter Hersteller von Apfeltrockenprodukten. Grundsätzlich wird nur zertifiziertes Bio-Obst verarbeitet. Schwerpunktmäßig stellt Biosanica in Himmelstadt getrocknete Apfelwürfel her. Die Abnehmer sind führende Bio-Müslihersteller in ganz Europa. Weitere Hauptprodukte sind getrocknete Apfelscheiben, Apfelchips und Apfelpommes – je nach Form. Diese gehen an vielerlei Abnehmer, darunter auch zu Discountern wie Aldi.

Jede Woche ein Lkw

Etwa 100 Tonnen Äpfel kommen jeden Monat in der Himmelstadter Rudolf-Diesel-Straße 13 an. Das ist ein Lastwagen pro Woche. Zu 80 Prozent stammt die Ware aus Deutschland, entweder aus dem Alten Land bei Hamburg oder aus der Bodenseeregion. Die restlichen 20 Prozent kommen aus Südtirol.

Es handelt sich um kontrolliert-biologisch angebautes Tafelobst, das aus verschiedenen Gründen durchs Raster der Handelsklassennorm fällt. Manche Äpfel sind zu groß, andere zu klein, wieder andere zu unförmig. Sie passen einfach nicht ins Idealbild der heutigen Normvorstellungen von Obst.

Bei Biosanica werden sie gewaschen, maschinell entkernt und in verschiedene Formen geschnitten. Anschließend wandern sie auf breiten Förderbändern langsam durch einen 15 Meter langen Bandtrockenofen. Bei 60 bis 70 Grad Lufttemperatur werden sie sechs bis sieben Stunden lang getrocknet. Dabei bleiben Mineralstoffe und Vitamine erhalten.

Noch vor einem Jahr sei nicht abzusehen gewesen, dass das Unternehmen so schnell wachsen werde, sagt Geschäftsführerin Monika Nätscher.

Ihr Mann Martin Nätscher war als Quereinsteiger zur Vorgängerfirma von Biosanica in Steinfeld gekommen, die wegen Problemen aus der Vergangenheit in die Insolvenz ging. Der Kaufmann hatte sich früher mit „grünem Kapital“ und nachhaltigen Investments beschäftigt – einerseits aus Überzeugung, andererseits aufgrund der Nachfrage unter den Investoren. Mit einigen Beschäftigten und einem Teil der Maschinen wagten die beiden in Himmelstadt im ehemaligen Gebäude der Firma Kaho den Neuanfang. Mit optimierter Produktion gelang es, zum Marktführer in Deutschland zu werden und auch der Konkurrenz aus Südamerika oder dem Osten standzuhalten.

Aufgrund dieser Optimierung kann Biosanica die Produkte aus heimischem Anbau inzwischen zu ähnlich günstigen Preisen anbieten wie die Mitbewerber aus Südamerika oder dem Osten. Die Verbraucher würden Wert legen auf Ware aus der Region, wissen die Nätschers. Insgesamt wachse auch die Nachfrage nach gesunden Nahrungsmitteln. „Viele Mütter erkennen, dass es besser ist, wenn ihr Kind eine Tüte Apfelchips nascht statt Kartoffelchips“, so Monika Nätscher.

Das nächste Ziel des Unternehmens ist eine deutliche Vergrößerung der Produktionskapazität. So soll ein 30 Meter langer Trockenofen angeschafft werden, der bis zu viermal so viel Obst wie der bisherige trocknen kann und dabei nicht mehr Energie benötigt. Geheizt wird mit Erdgas. Die Trocknung läuft im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr.

Zudem soll das Lager vergrößert werden. Etwa 1500 Quadratmeter Fläche werden nötig sein für das neue Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro. Familie Nätscher würde gerne in Himmelstadt oder der Region bleiben. Die insgesamt neun Mitarbeiter sind alle gut eingearbeitet und kommen aus der Umgegend. Andererseits locken besonders gute Förderbedingungen beispielsweise im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern.

Breite Produktpalette

Neben getrockneten Apfelprodukten umfasst die Produktpalette noch andere Erzeugnisse: Beim maschinellen Entkernen der Äpfel fährt ein Metallröhrchen in den Apfel und stanzt sozusagen eine runde Apfelstange samt Kernhaus aus. Da sich daran noch Fruchtfleisch befindet, werden diese Apfelteile und alle Äpfel, die für die Maschine zu groß oder zu klein sind, zu Saft gepresst. Biosanica produziert feine, getrocknete Apfelstückchen für Tees. Schließlich gibt es hier noch Apfelmehl. Dieses setzen Biobäckereien ein, um damit bis zu ein Drittel Mehl zu ersetzen. Das Pektin des Apfelmehls hat eine Bindewirkung, der Fruchtzucker bringt Süße ins Gebäck.

Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Handel mit rund 150 verschiedenen Bio-Produkten wie zum Beispiel einer pflanzlichen Streuwürze, Bio-Getreide, Aprikosenkerne und mehr. Fünf vegetarische Brotaufstriche und drei Pestos werden nach dem Rezept von Biosanica hergestellt. Das Himmelstader Unternehmen betreibt einen Onlineshop, verkauft aber auch ab Lager Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr.

ONLINE-TIPP

Weitere Information unter www.biosanica.de

Von unserem Redaktionsmitglied Karlheinz Haase
    
    

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