publiziert: 27.07.2011 16:33 Uhr
aktualisiert: 27.07.2011 16:37 Uhr
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In die Verzweiflungstat getrieben

Schulartübergreifende Theatergruppe spielte „Ich habe nichts getan“ zum Thema Mobbing
  • Misstrauische Gesichter: Luisa ist in ihrer neuen Klasse nicht willkommen.
    Foto: Clara Dobler
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Luisa ist tot. Sie setzte ihrem jungen Leben mit einer Überdosis Schlaftabletten ein Ende, weil sie keinen anderen Ausweg aus den monatelangen Hänseleien, Erpressungen und Schikanen durch ihre Mitschüler sah. Dass das gezielte Quälen von einzelnen Mitmenschen, neudeutsch „Mobbing“, derart drastische Folgen haben kann, zeigte eine schulartübergreifende Theatergruppe der Karlstadter Schulen unter der Leitung von Wolfgang Tröster eindrucksvoll mit dem Stück „Ich habe nichts getan“ von Brigitte Wilhelmy.

Das Stück setzt mit dem Zeitungsbericht über den Tod des Mobbingopfers Luisa ein. Anschließend wird in Form eines Polizeiverhörs von ihrer Mitschülerin Emily nacherzählt und in Rückblicken von der Klasse dargestellt, wie Luisa im Laufe der Zeit immer grausamer drangsaliert und gequält wurde.

Schon bei ihrer ersten Begegnung hebt sich das spätere Mobbingopfer, die erst kürzlich zugezogene Luisa, von ihren neuen Mitschülern ab: Sie stammt aus einer gehobenen Schicht und trägt Designerkleidung, was in der Klasse auf Hohn und Spott trifft. Lediglich Emily kümmert sich auf Anweisung des Lehrers halbherzig um den Neuankömmling, auf den es die Clique um Donna, Nelly und Nadine abgesehen hat. Als Luisa anfangs geärgert und ausgegrenzt wird, versucht sie verzweifelt, sich beliebt zu machen.

Macht ausspielen

Doch bei kleinen Sticheleien der Mitschülerinnen bleibt es nicht: Bald schon werden sich Donna und Co. ihrer Macht über die verängstigte Luisa bewusst, was sie schamlos ausnutzen, um die Mitschülerin um Geld zu erpressen. Mit Gewalt wird sie schließlich auch gezwungen, die Buchvorstellungen fast aller Mitschüler für diese vorzubereiten und so Tag und Nacht zu arbeiten.

Wer Luisa nicht selbst das Leben zur Hölle macht, schaut wie Emily unbeteiligt zu statt einzugreifen. Auch ihre vielbeschäftigten Eltern und der Klassenlehrer zeigen wenig Sensibilität und scheinen das Problem nicht zu bemerken oder absichtlich darüber hinwegzusehen.

Nachdem dem entwürdigenden Versuch ihrer alkoholisierten Mitschüler, sie auf Nadines Party dazu zu zwingen sich auszuziehen, eskaliert die Situation endgültig: Der verhängnisvolle Mechanismus des Mobbings treibt Luisa schließlich in den Selbstmord.

Cocktail aus Gefühlen

Mit der eindringlichen Szenenfolge gelingt es der Theatergruppe eindrucksvoll, neben den drastischen Folgen auch die Ursachen des Phänomens Mobbing aufzuzeigen: Ein Cocktail aus Neid, Selbstdarstellung, Imponiergehabe, Angst vor Machtverlust und Ansehen treibt Luisa in ihre Verzweiflungstat. „Warum wir Luisa geärgert haben? Keine Ahnung! Es machte eben Bock. Wir haben immer mal jemanden auf dem Kieker“, beschreibt Donna. Aber auch Gleichgültigkeit und Wegsehen werden in dem Stück aufgezeigt, wie etwa in Emilys titelgebendem Satz „Ich habe nichts getan!“.

Mit eingeworfenen wissenschaftlichen Artikeln über das Abrichten von Soldaten aufs Töten und Gewaltdarstellung in den Massenmedien deutet die zeitkritische Inszenierung zudem weitere Ursachen des Phänomens Mobbing an, das heute oft zum traurigen Alltag wird, und regt zum Weiterdenken an.

In einer kurzen Nachbetrachtung nach dem Stück bat Wolfgang Tröster die Zuschauer weiterhin, die einzelnen Stufen des Mobbingprozesses nachzuvollziehen und zu entscheiden, wo man hätte eingreifen müssen, um die fatale Entwicklung aufzuhalten. Mit einer improvisierten Veränderung der Szene zeigte die Gruppe darauf, wie ein couragiertes Einschreiten den Handlungsverlauf ändern könnte.

Das Stück ist in die Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Arbeitskreises der Karlstadter Schulen eingebettet und wird vom Kreisjugendring Main-Spessart gefördert. Obwohl sich laut Tröster das Organisieren gemeinsamer Proben der aus sechs Schülerinnen der Mittelschule, je zwei Real- und Föderschülern und vier Gymnasiasten bestehenden Truppe schwierig gestaltete, zeigte er sich mit der Mitarbeit und dem Interesse der Schüler an dem brisanten Thema zufrieden.

Von unserer Mitarbeiterin Clara Dobler
    
    

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