publiziert: 07.02.2012 16:43 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 10:21 Uhr
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Jäger verbarrikadierte Wanderweg

70 Jahre alter Fußpfad in Wiesenfeld steht zwischen zwei Interessen – Markierungen wurden unerlaubt entfernt
  • Markierung: Georg Ziegler (links) und Bernd Kuhn markierten den alten Wanderweg 8 im Auftrag der Stadt Karlstadt neu.
    Foto: Bernd Dill
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Der Wanderweg Nummer 8 am Rammersberg in Wiesenfeld ist ein Zankapfel wegen unterschiedlicher Interessen. Die Stadt Karlstadt hat entschieden, die um 1940 entstandene fußläufige Verbindung zwischen dem Gasthaus „Zur Karlsburg“ in Mühlbach und der Ruine Schönrain bei Gemünden, die in den letzten Jahren fast zugewachsen war, wieder für Wanderer freizuschneiden. Dies übernimmt gerade der Wiesenfelder Landwirt Edmund Röder. Von Wanderfreunden angebrachte Hinweisschilder wurden unerlaubt entfernt – ein Fall für die Polizei in Karlstadt.

Wie am 30. Juni 2011 berichtet, hatte der Jagdpächter aus Thüngersheim die Ein- und Ausgänge des Weges mit Grünabfällen verbarrikadiert, um zu verhindern, dass der Weg öffentlich begangen wird. Der 70 Jahre alte Weg am Rande eines Naturschutzgebietes steht bis heute in offiziellen Wanderkarten.

Markierungen zweimal weg

Georg Ziegler, der sich mit Bernd Kuhn seit drei Jahren für die freie Verfügbarkeit des Wanderwegs 8 einsetzt, erzählt die Chronologie der jüngsten Ereignisse: Am 19. Januar markierten Ziegler und Kuhn gemeinsam mit Wanderführer Bernd Dill im Auftrag der Stadt den Weg an Bäumen. Am 21. Januar waren die Schilder weg. „Am 26. Januar haben wir erneut mit Schildern und Alunägeln fachgerecht markiert. Am 30. Januar mussten wir feststellen, dass wieder sämtliche Schilder entfernt waren.“ Bürgermeister Paul Kruck hat bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Franz-Josef Scheeb, Landwirt, Grundstückseigentümer am Wanderweg, 35 Jahren lang Vorsitzender des Jagdgenossenschaft Wiesenfeld und Stadtrat, zeigt auf, dass der Streit eine wirtschaftliche Dimension hat. Der Gegner des alten Wanderwegs möchte, dass er um etwa 200 Meter verlegt wird: „Es gibt mehrere Probleme – mit den privaten Grundstücksanliegern, denen Teile des Weges gehören, und mit dem Jagdpächter.“ Scheeb verweist darauf, dass Grundstückeigentümer ihren Wald an Jäger verpachten. Ein stark frequentierter Weg quer durch ein Jagdrevier schmälert die Jagdqualität und verringert unter Umständen den Pachtzins. „Mit diesen Einnahmen übernehmen wir Jagdgenossen Aufgaben der Stadt wie Wegeherrichten oder Grabenputzen“, erläuterte Scheeb. „Ist weniger Geld in der Jagdkasse, wird mehr aus dem Stadtsäckel benötigt.“

Der Weg Nummer 8 liege in einer stark bewachsenen Waldfläche, in der auch Wild Schutz und Ruhe findet. „Zudem verschärft es die Beaufsichtigungspflicht des Eigentümers für umsturzgefährdete Bäume an Waldwegen“, sagt Scheeb. Die kleinen Parzellen an dem Wanderweg sorgen zudem dafür, dass kein Eigentümer wisse, wo seine Grenzen liegen. Eine Waldbereinigung sei allerdings geplant, sagt Scheeb.

„So geht das nicht“, kritisiert der Wiesenfelder Landwirt, Jagdgenosse und Stadtrat die starre Haltung der Wanderer: „Die sprühen den Wald voll. Farbe an jedem Baum, dann wieder durchgestrichen. Das ist doch ein Saustall.“ Scheeb will den Wanderern die Naherholung Wald nicht streitig machen und das Wandern nicht verhindern, „aber bitte 200 Meter weiter vom alten Weg weg. Das ist kein Umweg.“

Bürgermeister Paul Kruck kritisiert, dass die Markierungsschilder unerlaubt entfernt wurden: „Das ist absolut nicht in Ordnung.“ Er möchte aber die Sache nicht so hoch hängen und das Thema in der nächsten Jagdgenossenschaftversammlung in Wiesenfeld ansprechen. Einen runden Tisch mit allen Betroffenen, wie von einigen wohl angedacht, wird es nicht geben.

Aufnahme in Leader-Plus

Der Bürgermeister lobt das Engagement der Wanderführer, die ein Auge auf diesen alten Verbindungsweg halten, bittet sie aber auch um mehr Geduld. Der Weg soll Teil des Wandernetzes werden, das der interkommunale Arbeitskreis mit den Gemeinden Karlstadt, Himmelstadt und Eußenheim zusammenstellt. Ziel sei es, diesen Wanderweg ins Förderprogramm Leader-Plus zu bekommen. „Dazu bedarf es einer abgestimmten Lösung“, so der Bürgermeister, etwa eine einheitliche Beschilderung aller in Frage kommenden Wege im Naherholungsprogramm. „Die Beschilderung muss dem heutigen Standard entsprechen“, erklärt der Bürgermeister gegenüber der Main-Post.

Er betont auch, dass er am Verlauf des alten Wanderweges 8 festhalten werde.

Von unserem Redaktionsmitglied Martina Amkreutz-Götz
    
    

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Die neuesten Kommentare

emma (1 Kommentare) am 10.02.2012 10:36

Ein Stadtrat hebelt geltendes Recht aus

Mit fadenscheinigen Argumenten versucht Stadtrat Scheeb geltendes Recht auszuhebeln, ohne das geringste Unrechtsbewußsein, um seine Vorstellung durchzusetzen. Er betätigt sich dabei als Lobbyist für den Jäger und glaubt sich dabei im Recht.. Er führt wirtschaftliche Gründe an, vergisst dabei daß eine Änderung der Publikationen, Internetauftritte von Landratsamt und Stadt , Landkarten usw. einen enormen Aufwand zur Folge hätte. "So geht das nicht, Herr Scheeb, daß der Bürger diese Kosten trägt. Übernehmen Sie doch diese Kosten, evtl. zusammen mit dem Jäger, dann könnte es sein, daß Sie Zustimmung für ein Umlegen des Weges erhalten." Wenn der Weg ordentlich gezeichnet wäre würde kein Spaziergänger oder Erholungssuchender den Weg nach seinen Möglichkeiten kennzeichnen. Weil die Schilder demontiert und umgeschraubt wurden trat wahrscheinlich das ein was gerade ist.
(1)
Nonamostrad (8 Kommentare) am 08.02.2012 12:37

Wer den Weg kennt...

...weiß ihn zu schätzen. Dieses wunderschöne Stück Landschaft sollte nicht den Interessen weniger geopfert werden.

Die Argumente Pachtminderung ist an den Haaren herbei gezogen, weil der Weg seit 1940 besteht, d.h. zu Beginn der Verpachtung dem Jagdpächter als bereits vorhanden bekannt gewesen sein muss - wenn nicht, ist das auf jeden Fall nicht das Problem der Kommune und noch weniger das der Erholungssuchenden.

Herr Franz-Josef Scheeb hat hier wieder in herausragender Weise bewiesen, wie den Interessen einzelner Grünröcke (und nur darum geht es - alles andere sind vorgeschobene Scheinargumente, Beispiel Wegesicherungspflicht oder die ästhetisch "verunstalteten" Bäume mit Farbmarkierungen für Wanderwege).

Das schlägt dem Fass den Boden aus.

Ich bin der Meinung, der Bayerische Jagdverband (BJV) sollte endlich Stellung nehmen und die Stimmungsmacher und ewig gestrigen Grünröcke in Fellen, in Gemünden oder auch an dieser Lokalität ganz klar in die Schranken weisen und ihnen ggf. einen Ausstieg aus dem BJV anbieten. Was übrigens in Bayern nicht möglich ist, weil derzeit jeder Jagdscheininhaber automatisch ZWANGSmitglied in dieser Lobbyvereinigung werden muss.

Wo sind die jungen Jäger, die mit der vermeintlichen Tradition (Teilweise aus Zeiten des Reichsjägermeisters Göring) im Waidwerk brechen und endlich mal der Realität ins Auge schauen ? Jagd ist kein Hobby für Gutverdiener mit Geländewagen jenseits der 60 Jahre-Grenze, denen im Modellbauklub langweilig geworden ist.
(3)
DMA (696 Kommentare) am 08.02.2012 11:47

Wenn der Weg mit Farbe markiert wird

kann der Jäger nur noch den Baum umsägen. Schilder würden zwar besser aussehen, aber wenns nicht von Dauer ist? Was soll man machen... Außerdem kann man ja auch Schablonen nutzen um die Bäume zu markieren, dass sieht dann auch gleich besser aus.
Die Kosten für die Neu-Markierung könnte man auch immer dem Jäger auferlegen. Mal sehen, ob diese dann weiterhin entfernt werden. Selbst wenn er es selbst nicht war, wird er dann vielleicht darauf aufpassen. Außerdem sinkt der Pachtwert sicherlich auch, wenn ständig die Kosten für eine Neumarkierung durch den Pächter zu tragen sind, sodass letzlich auch kein Grundstückseigentümer mehr ein Interesse an der Entfernung der Schilder hätte.
(2)
loco-pfitzer (1 Kommentare) am 08.02.2012 07:59

ja ja die lieben Jäger

wenn ich schon lese "dass Grundstückeigentümer ihren Wald an Jäger verpachten", die haben ja gar keine andere Wahl. Kein Grundstückseigentümer kann die Jagd auf seinem Grund und Boden verbieten, die Verpachtung geschiet aus Zwang.

Das komplette Jagdrecht gehört eindeutig mal reformiert und Jägern, die sich wie die Axt im Walde aufführn gehört der Jagsdchein entzogen, oder es sollte zumindest mal von einem Psychologen geprüft werden, ob die charakterlich überhaupt befähigt sind eine Waffe zu führen.
(4)
Apfelkuche (19 Kommentare) am 07.02.2012 20:31

???

Wen interessiert was so ein ****** Jagdpächter will?
Einsperren sollte man ihn!
*zefix nochemal
(3)
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