aktualisiert: 08.07.2011 14:28 Uhr
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MARKTHEIDENFELD
KBI Elmar Väth: Schneller als die Feuerwehr
Kreisbrandinspektor geht mit 63 Jahren in den Ruhestand
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Modelleisenbahn-Fan: Als „Bahnhofsvorsteher“ hat Elmar Väth künftig mehr Zeit zum Basteln und Werkeln.
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Blaulicht auf dem Autodach: Ab kommenden Samstag fährt Elmar Väth ohne Alarmleuchte und Martinshorn durch den Altlandkreis Marktheidenfeld.FotoS: GÜNTER REINWARTH (2), DPA (1) -
Sein spektakulärster Einsatz: Im Januar 2007 verunglückte ein belgischer Reisebus auf der A 3 nahe Rettersheim. 44 Menschen wurden verletzt. Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Polizei, Rettungskräften und THW klappte aus Sicht von Elmar Väth hervorragend.
"Film ab!" könnte man sagen, wenn mitten in der Nacht Am Ahorn 8 in Glasofen das Telefon klingelt oder sich der Funk-Piepser meldet. Elmar Väth, dem die Nachricht gilt, ist dann immer sofort hellwach, weil er weiß, dass irgendwo im Altlandkreis Marktheidenfeld der „rote Hahn“ kräht oder so rasch wie möglich technische Hilfe gefragt ist. Als Kreisbrandinspektor (KBI) muss er schneller als die Feuerwehr vor Ort sein.
Nachdem Väth von der Leitstelle der Berufsfeuerwehr in Würzburg erfahren hat, wohin er fahren muss, spielt sich bei ihm zu Hause immer wieder das gleiche Prozedere ab: in die Stiefel steigen, Feuerwehr-Klamotten überziehen – und ab geht die Post. Ehefrau Anni, der gute Geist hinter dem KBI, hat derweil die Garage geöffnet und für freie Fahrt gesorgt. Ob ihr Mann das Glasofener Anwesen mit Martinshorn oder Blaulicht verlässt, entscheidet dieser nach Sachlage oder Einsatzmuster.
Nach wenigen hundert Metern nimmt er das Mikrofon seines Funkgerätes zur Hand und meldet sich als „Florian Main-Spessart zwei“ bei den Feuerwehrkollegen vor Ort mit der Aufforderung, ihm einen kurzen Lagebericht zu übermitteln. Diesen benötigt er, um erste Informationen für das weitere Vorgehen am Schadensort zu bekommen.
Ab Samstag, 9. Juli, wird die Ätherstimme von „Florian Main-Spessart zwei“ zumindest unter dem Absender Elmar Väth nicht mehr auf Sendung gehen – weil es das bayerische Feuerwehrgesetz nicht mehr erlaubt. Der Glasofener wird an diesem Tag 63 Jahre alt – ein Datum, das den Ruhestand für ehrenamtliche Feuerwehr-Funktionäre in Bayern festschreibt. Ob er will oder nicht: Den Feuerwehrhelm muss er nach fast vier Jahrzehnten aktivem Dienst an den Nagel hängen. Am 8. Juli wird er im Marktheidenfelder Rathaus offiziell verabschiedet.
Mit Elmar Väth geht nicht nur ein Feuerwehrler mit Leib und Seele, sondern auch eine Institution von Bord. Das Lied vom braven Mann, das niemand singt, könnte man durchaus auch auf den gebürtigen Wernfelder anwenden. Es war ein Leben für den Brandschutz, dem sich der KBI mit allen Risiken und Gefahren verschrieben hat.
In seinem Inspektionsbereich, dem 33 Wehren mit 1500 Aktiven und 297 Jugendlichen in 27 Jugendgruppen angehören, hat Elmar Väth im positiven Sinne deutliche Spuren hinterlassen – Spuren mit vielen Abzweigungen, an deren Ende Begriffe wie Ausbildung, Weiterbildung, Leistungsprüfung oder Ausrüstung stehen. Dass der KBI selbst Leistungsprüfungen in allen Farben und Schwierigkeitsstufen absolviert hat, gehörte zu seinem Job. Dabei hatte der oberste Feuerwehrmann in der Region Marktheidenfeld auch als Gutachter, Sachverständiger und Mittler zwischen seinen Wehren und den Gemeinden als Sachaufwandsträger zu tun.
Als stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Main-Spessart und als dessen Schatzmeister musste er zwei weitere Pöstchen bekleiden. Viel Überzeugungsarbeit musste er in zahllosen Gesprächen mit den Rathauschefs leisten, wenn es um eine zeitgemäße Ausrüstung der Wehren ging. Weil Väth eher ein Mann der leisen und moderaten Töne ist, gelang es ihm fast immer, einen tragbaren Konsens und Lösungen zu finden, mit denen beide Seiten gut leben konnten.
Dass dem Kreisbrandinspektor und ständigen Vertreter von Kreisbrandrat Manfred Brust für seine Arbeit alle modernen Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen, erwähnt Väth nur, wenn er Vergleiche mit seinen ersten Schritten ins Feuerwehrleben zieht. „Früher“, so erinnert er sich, „musste man alles schön sauber mit der Schreibmaschine tippen, mit Kohlepapier arbeiten und Folien mit der Hand malen.“ Heute gehörten PC, Laptop und Beamer zum ständigen Handwerkszeug.
Apropos: Wenn am Brand- oder Unfallort Not am Mann war, war sich Väth als Chef nie zu schade, selbst die Ärmel hochzukrempeln, den Besen in die Hand zu nehmen und Scherben von der Straße zu kehren oder Ölspuren abzustreuen – ein Indiz dafür, dass er den Boss nicht raushängen ließ.
Dass Elmar Väth gute Feuerwehrarbeit geleistet hat, macht eine Auszeichnung deutlich, die ihm der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein verliehen hat: das Feuerwehr-Steckkreuz, der höchste Orden für die Wehrleute im Freistaat. Gute Arbeit leisten heißt für den KBI aber auch: niemandem nach dem Mund zu reden und stets mit Ruhe und Besonnenheit zu arbeiten. Wer Elmar Väth nach seinem spektakulärsten Einsatz fragt, erhält eine rasche Antwort: Es war der Unfall eines belgischen Reisebusses am 29. Januar 2007 mit 44 Verletzten auf der A 3 nahe Rettersheim – bei klirrender Kälte. Trotz der negativen Begleitumstände hat Väth an dieses Ereignis aus fachlicher Sicht insofern eine positive Erinnerung, als die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren, Polizei, Rettungskräften und THW wie am Schnürchen klappte.
„Das ging mir ganz schön unter die Haut.“Kreisbrandinspektor Elmar Väth über den Tod zweier Kameraden
Während seines Feuerwehrlebens musste Väth dem menschlichen Leid gelegentlich so tief ins Gesicht blicken, dass er nur mit Mühe seine Tränen verbergen konnte, wie er gesteht. Erstmals „kräftig schlucken“ musste Väth bereits kurz nach seiner Amtseinführung, als er zu zwei Unfällen gerufen wurde, bei denen von ihm geschätzte Kameraden starben. Es waren der stellvertretende Altfelder Kommandant Volker Diehm, ein Mann, dem die Jugendarbeit besonders ans Herz gewachsen war, und der Oberndorfer Kommandant Werner Mussauer, der zwischen Michelrieth und der Fechermühle mit zwei weiteren Autoinsassen ums Leben kam. Beide Ereignisse gingen dem frisch gebackenen KBI „ganz schön unter die Haut“.
Den Feuerwehrnachwuchs von heute reizt im Wesentlichen die moderne Technik des Löschwesens, ohne die so gut wie keine Wehr mehr bestehen kann. Bei Elmar Väth, der als 26-Jähriger bereits spätberufen war, als er zu den Floriansjüngern in Marktheidenfeld ging, war es die Familientradition, der er sich verbunden fühlte. Vater Hermann und Bruder Friedbert trugen ebenso in Hädefeld die Blauröcke wie später Elmars Sohn Uwe, der aber aus beruflichen Gründen aufhörte.
Bei Elmar Väth war es der Marktheidenfelder Ex-Kommandant Hubert Bausewein, der ihm den „letzten Schubs“ zum Einstieg in das Löschwesen gab. Aus beruflichen Gründen – als gelernter Bäcker- und Konditormeister war er 13 Jahre lang in Waldschaff selbstständig und der dortigen Wehr verbunden – musste er in Marktheidenfeld zunächst pausieren. Es waren dann gesundheitliche Gründe, aus denen er seine Waldaschaffer Backstube aufgeben musste und die ihn erneut zur Feuerwehr in der früheren Kreisstadt führten. Beruflich machte sich Väth selbstständig – diesmal als Handelsvertreter für Backzutaten im Oetker-Konzern.
Dass es möglich war, Beruf und Berufung unter einen Hut zu bringen, dies hatte der KBI auch seiner Frau Anni, die ihm in vielen Dingen den Rücken freihielt, zu verdanken. Die Feuerwehr-Vorgesetzten von Elmar Väth erkannten bald seine Qualitäten als Führungskraft, als sie ihm die Nachfolge des aus Altersgründen ausgeschiedenen Altfelder Kreisbrandmeisters Andreas Wolf antrugen. Vom Feuerwehr-Bazillus infiziert, trat Väth 1998 die Nachfolge des Marktheidenfelder Kreisbrandinspektors Sepp Schwerdhöfer an.
Zu den Höhepunkten in Väths Feuerwehr-Memoiren gehört die Freundschaft mit der Wehr in Marktheidenfelds französischer Partnerstadt Montfort-sur-Meu, wo er den Barbara-Tag 20-mal besuchte, und die Reise mit seinen Homburger Feuerwehrkameraden nach New York zur dortigen Patenwehr in Tallman. Ferner pflegt Väth einen herzlichen Kontakt zur Patenwehr der Feuerwehr Altfeld in Gaishorn in der Steiermark. Aus dieser Beziehung resultiert der Verdienstorden der Stufe III des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark, der dem KBI 1998 verliehen wurde.
Seine Erinnerungen könnte Elmar Väth, wenn er das akribisch aufgelistete Material in mehreren Leitz-Ordnern zu Hilfe nähme, zwar relativ einfach zu Papier bringen – aber die Pflege seiner drei Steckenpferde hat bei dem designierten Ruheständler Vorrang. Das sind die Modelleisenbahn im Keller seines Wohnhauses, der Teich mit den herrlichen Koi-Karpfen und sein Garten-Paradies in Sichtweite des Glasofener Waldes.
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fambr (2 Kommentare) am 08.07.2011 09:10
Am Samstag ist es soweit.In Wahrheit atemen viel Feuerwehren im Altlandkreis Marktheidenfeld am Samstag auf, wenn nach fast 13 Jahren die Tyrannei endlich zu Ende geht.Wir hoffen auf einen Nachfolger der nicht nur auf die Feuerwehr Marktheidenfeld setzt sondern auch alle "kleinen" Wehren mit einbezieht. Einen Nachfolger der nicht nur fachlich sonder auch endlich mal menschlich was drauf hat. Eine Nachfolger der nicht mit Martinshorn und Blaulicht zu jeder kleinen Ölspur oder zu jedem kleinen Verkehrsunfall ausrückt. Einen Nachfolger der die Zeichen der Zeit (demografischer Wandel erkennt) und die Zusammenarbeit der Feuerwehren im Altlandkreis Marktheidenfeld fördert und nicht behindert. Einen Nachfolger, der die Beschaffung neuer, zeitgemäßer Ausrüstungsgegenstände wirklich Unterstützt und diese nicht als Konkurenz zur Feuerwehr Marktheidenfeld sieht. Einen Nachfolger der mal nicht von der Feuerwehr Marktheidenfeld kommt... |
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