publiziert: 30.07.2010 16:48 Uhr
aktualisiert: 30.07.2010 18:10 Uhr
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Karli Keiler: Bahnlärm und andere Segnungen

Heute muss der Karli die Stadt Gemünden mehrmals loben. Das freut ihn besonders deshalb, weil er für seine meistens lustigen G'setzlich hier kaum noch Stoff findet, denn Vieles ist in der Stadt überhaupt nicht mehr zum Lachen.

Lob Nummer 1 gibt es für die neuen, schönen gestifteten Bänke, auf deren Aufstellung in diesem Jahr der Keiler kaum noch zu hoffen gewagt hatte.

Lob Nummer 2 gilt den einigen Schaufeln Split, die in die Pfützen vom Burgweg gefunden haben. Wenn sich das kommendes Jahr wiederholen ließe, und zwar vor Beginn der Festspiele, muss vielleicht nicht erst wieder ein Theaterfreund auf dem schmierseifigen Schlamm ausgleiten und auf Gemünne fluchen.

Lob Nummer 3 haben sich die Trauzimmer-Verschönerer im Huttenschloß verdient – eine Märchenwelt umfängt jetzt geradezu die sich Trauenden im Traumraum.

Apropos trauen: Der Karli wäre nicht die Wildsau, wenn er nicht auch gleich das Gegenteil von Lob auszuteilen hätte. Denn der Gemündener Stadtrat hat sich am Montag wieder einmal etwas getraut! Natürlich in der nichtöffentlichen Sitzung, so dass keiner wissen darf, wer's war. Wie beim unseligen so genannten Liegenschaftsbeschluss vom Dezember 2009, als Vereine nachhaltig vergrault wurden, gelang es diesmal, die Seifriedsburger Feuerwehr vor den Kopf zu stoßen. Dass den Gemündener Politikern nichts gelingt, kann wirklich keiner behaupten!

Wohlwollend bemerkt hat der Karli, dass es den bayerischen SPD-Politikern endlich wieder gelingt, fest im Sattel zu sitzen. Zumindest im Sattel von Fahrrädern. Am Mittwochnachmittag statteten die „roten Radler“ mit dem Markus Rinderspacher, ihrem Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, der Dreiflüssestadt einen Besuch ab. Am Schutzhafen bekamen die Radfahrer vom Wasser- und Schifffahrtsamt Informationen über den Main als Schifffahrtsstraße.

Amtsleiter Heinrich Schoppmann warb für den Gütertransport auf dem Fluss, was in der Ökobilanz am besten abschneide. Die Bahn sei zwar auch umweltfreundlich, aber laut. Immer wenn ein Zug durch Gemünden fahre, müsse man sich die Ohren zuhalten. „Ich hör' des gern!“, verblüffte der Gemündener Ortsvereinsvorsitzende Bernd Rützel die Gäste. Die Einheimischen schmunzelten, wissen sie doch, dass der Schaippacher technischer Amtsrat bei der Bahn ist. Er erzählte dann noch: „Wenn nachts mal eine Stunde kein Güterzug fährt, dann wache ich auf.“

Aufgeweckt sind die Schaippacher und ihre Kinder sowieso. Zum Fahrradgottesdienst am vorigen Wochenende machten sie sich so ihre Gedanken. Als der Diakon Anton Siegler die Fahrräder gesegnet und mit Weihwasser besprengt hatte, sorgte sich ein junger Ministrant: „Jetzt sind unsere Räder nass, jetzt rosten sie.“

Ein etwa fünfjähriges Mädchen hingegen wusste es besser und klärte ihre Freundin über den Sinn der Aktion auf: „Jetzt sind unsere Räder vollgespritzt, damit wir keinen Unfall bauen!“

    
    

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