aktualisiert: 09.09.2010 18:09 Uhr
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MARKTHEIDENFELD
Kino-Chef Bröstler sitzt an drei Schreibtischen
Serie: Beim Chef im Büro
Johannes Bröstler ist Juniorchef im Bröstler-Verlag und Seniorchef im Kino „Movie“. Er erzählt von seinem Händchen für die Drucktechnik und von seiner Leidenschaft fürs Kino.
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Chefsache: Kino-Besitzer Johannes Bröstler mit einem seiner Projektoren.Fotos (5): Martina Schneider -
Chef im Ring: Pierce Brosnan kann man jeden Tag im „Movie“ sehen – als Plakat.
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Kinogeschichte: In den 1950ern regierte die heile Welt des Heimatfilms die Leinwände.
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Kino – Kasse – Kiosk: die Welt von „Movie“-Chef Johannes Bröstler.
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Im Büro: Johannes Bröstler an seinem Arbeitsplatz im Verlag.
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Moderne Kinostars: die computeranimierten Tiere aus „Madagascar“.
Er beschreibt sich selbst scherzhaft als Junior- und Seniorchef in Personalunion. Johannes Bröstler arbeitet täglich in Doppelfunktion als Juniorchef der Horst Bröstler GmbH und als „Seniorchef“ des Marktheidenfelder Kinos „Movie“ im Luitpoldhaus.
Sein Büro sieht einem Stück Torte ähnlich – nicht wegen der Einrichtung, sondern wegen des Zuschnitts und bedingt durch die runde Form des Verlags in der Marktheidenfelder Baumhofstraße.
Gut 42 Quadratmeter misst der Raum, in dem früher Bröstlers Mutter Ursula arbeitete. Da sie jetzt beruflich kürzer trete, sei sie in ein kleineres Büro umgezogen und habe ihm das große überlassen, erzählt ihr Sohn. Zu seiner Rechten erstreckt sich eine komplette Wand aus Glas, durch die der 35-Jährige auf den riesigen Ahornbaum vor dem Gebäude schauen kann. Auch im Inneren seines Büros grünt es am Fenster: Yuccas, Benjaminis, Palmen und ein Bambus wachsen dort um die Wette. „Die habe ich teilweise aus dem Haus vererbt, aber auch von Freunden geschenkt bekommen, weil sie für deren Wohnungen zu groß wurden“, erzählt Bröstler.
Er genießt es, sich ausbreiten zu können, denn ein Chef mit zwei großen Aufgabengebieten muss gut organisieren und Prioritäten setzen können – „und er braucht zuverlässige Mitarbeiter“, weiß Bröstler. „Montags ist der wichtigste Bürotag fürs Kino“, berichtet er. „Da sieht mein Schreibtisch chaotisch aus.“ Er muss Filme zurückgeben, andere ausleihen, Statistiken erstellen und das neue Programm für die Woche festlegen.
Da ist Bröstler froh, dass er nicht nur einen, sondern gleich drei Schreibtische sein Eigen nennen kann. Neben seinem Kino ist er nämlich auch für den drucktechnischen Bereich des Anzeigenblatts Bröstler zuständig, unterstützt die Buchhaltung und ist in technischer Hinsicht derjenige, der alles unter Kontrolle hat und sofort weiß, was bei einem Serverabsturz zu tun ist.
„Ich arbeite mit dem Laptop, weil ich damit flexibler bin.“Kino-Seniorchef Johannes Bröstler
In Form seines Apple-Laptops hat Johannes Bröstler seinen dritten „Schreibtisch“ stets bei sich. „Ich arbeite schon immer mit dem Laptop, weil ich damit flexibler bin“, erklärt der Büro- und Filmtheaterkaufmann.
Sein Laptop ist für ihn „das mobile Büro“, das er an seinem Schreibtisch im Büro ebenso nutzt wie im „Movie“. Zweimal in der Woche arbeitet er dort abends zusätzlich als Filmvorführer und „Mann im Hintergrund“ – oft bis spät in die Nacht hinein. Manchmal gönnt er sich mit seinen Mitarbeitern nach getaner Arbeit eine Sondervorstellung. Dann sitzen sie zu neunt im Kinosaal und genießen eine Exklusivvorstellung, einen Luxus, den sich nicht jeder leisten kann. Das ist für Bröstler und seine Kino-Crew Belohnung für einen anstrengenden Tag.
In seinem Büro in der Baumhofstraße weist – bis auf die Filmmagazine und Fachzeitschriften, die auf dem Schreibtisch liegen – nichts aufs Kino hin. Keine Filmplakate an den Wänden, keine (über)lebensgroßen Aktionhelden, die grimmig dreinschauen und gefährlich posieren. „Hier habe ich ganz bewusst ein Kontrastprogramm“, sagt der 35-Jährige. Kinoplakate habe er zu Hause im Treppenhaus aufgehängt, im „Movie“ hängen sie an den Wänden, baumeln von der Decke, kleben auf dem Boden oder stehen im Raum. „Es ist wie mit dem Popcorn: Wenn man es immer isst, wird es langweilig“, sagt der Kino-Chef.
Dafür hat er in seinem Büro mit den Einbauschränken und den Sideboards aus Kirschbaumholz liebevoll gestaltete Bilder und Gebasteltes seiner dreijährigen Tochter Emilia aufgehängt. „Für Papi“ steht darunter – ein erholsamer Gegenpol zu Action und Dramen. An der Wand hinter ihm hängen Ölbilder, Erbstücke der Großeltern, und im Raum verteilt stehen Bronze- und Holzfiguren, die seine Mutter sammelt.
Das Fehlen jeglicher Filmplakate in seinem großen Büro heißt aber nicht, dass der 35-Jährige Kino langweilig findet. Die Auszeichnungen für herausragendes Kinoprogramm, die er mit schöner Regelmäßigkeit vom Land Bayern erhält, belegen seine Begeisterung für das Filmtheater und die Bandbreite des Genres. Gut gemachte Actionfilme sieht er sich genauso gerne an wie anspruchsvolle Dramen und zeitkritische Filme. An „Conair“ erinnert er sich noch heute gern, denn „er war mit der erste Actionfilm, der 1996 im Movie lief“. Zurzeit stehe ein Umbruch in der Kino-Technik an, berichtet Bröstler.
„Es ist wie mit Popcorn: Wenn man es immer isst, wird es langweilig.“Verlags-Juniorchef Johannes Bröstler
Die bisherige analoge Kinotechnik mit Projektor und Filmrolle werde abgelöst von der digitalen Technik mit Kino-Server, mobiler Festplatte, überdimensionalen Beamern und 3-D-Fähigkeit. Rund 100 000 Euro kostet diese Neuerung pro Raum, die Bröstler bereits in zwei seiner vier Kinosäle hat einbauen lassen.
Beim der Ausstattung seines Büros in der Baumhofstraße hat Bröstler schon vor Jahren selbst mit Hand angelegt. Als das Gebäude 1993 errichtet und möbliert wurde, habe er mit einem Studienkollegen während der Semesterferien alle Möbel zusammengebaut. „Hier im Haus steht also kein Schreibtisch, der nicht einmal durch meine Hände gegangen ist“, erzählt er.

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