aktualisiert: 21.11.2010 17:18 Uhr
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LOHR
Krasse Methoden brauchen krasse Aussagen
„Bühnenarrest“ im Alten Rathaus: Duo „Schwarze Grütze“ fasziniert mit Intelligenz und Tiefgang
„Schwarze Grütze, schwarzer Humor, voll ins Schwarze getroffen“, lautet das Resümee des Musikkabaretts „Bühnenarrest“ am Freitagabend. Stefan Klucke und Dirk Pusche belebten die Kleinkunstbühne im Alten Rathaus mit einem Marathon köstlicher Wortspiele und tiefgründiger Attacken.
„Schwarze Grütze“ hebt sich wohltuend von der flachen, mittlerweile ermüdenden Comedy-Schiene ab. Der Name ist Programm: „Grütze“ steht im Brandenburgischen für Scharfsinn. Und scharfsinnig sind sie, bei beiden „Bühnenarrestler“, denen das Publikum gerne zwei Stunden Gesellschaft leistet.
Und es wird vielfach dafür belohnt: Allein der musikalische Part am Piano oder an den leuchtend roten Bass- und E-Gitarren war den Besuch wert. Was sich aber an Wortakrobatik auf der Bühne abspielt, löst Reaktionen vom atemlosen Staunen bis zum herzhaften Lachen aus. Da hätte es der Animation zum „Jubeln“ und „Klatschen“ nicht bedurft: Das Publikum tut es ganz spontan.
Höchst professionell – aber mit viel Herzblut – outen sich die Kleinkünstler, die sich beim Musikstudium kennenlernten und Erfahrungen in Rockbands und Theaterprojekten sammelten, als kritische Beobachter und Liedermacher. Von Beginn an setzt „Schwarze Grütze“ auf überraschende Pointen, animiert das Publikum zum Mitsingen und schöpft aus dem „vollen Kessel Schwarzes“.
Wussten Sie um die genetische Ähnlichkeit des Mannes mit dem gemeinen Hausschwein? „Beißt der Mann in ein Schnitzel, ist das fast Kannibalismus“, so die logische Schlussfolgerung. Empfohlen werden die „staatliche Regulierung“ der Rentner-Abwrackprämie, die Sondermüll-Entsorgung der Raucherlunge oder der lukrative Organverkauf. „Krasse Methoden brauchen krasse Aussagen“ behauptet das Duo und läuft beim „Heavy Metal“ zur Höchstform auf.
Die von sächsischen Weichspülkonsonanten geprägte Version des französischen Stöhn-Klassikers „Je t'aime moi non plus“ gipfelt im ernüchternden „fertsch“. Und ganz nebenbei retten die beiden Potsdamer (Jahrgang 1971 und 1969) vom Aussterben bedrohte Reimformen.
Mit Geistesblitzen wie „So was wie in Gorleben wird es bald in Lohr geben“ widmen sie ihre Aufmerksamkeit dem Schüttelreim. Zum Glück sind die Sympathieträger der deutschen Kabarettlandschaft nicht Lehrer geworden und „ganz knapp am Lehrerzimmer in der Uckermark vorbeigeschrammt“. Ihr Lokalbezug „Lieber ein Lohrer Lehrer als ein leerer Lohrer“ erntet bei den Gymnasiallehrern im Publikum zustimmendes Kopfnicken.
Zum „Einer-geht-noch-rein-Blues“ greifen die Kabarett-Preisträger ein letztes Mal in die Saiten. Schlagerzitaten aus „Holzmichl“ oder „Fiesta Mexicana“ gibt Stefan Klucke mit der Bierflasche an der Gitarre ein neues Gesicht. „Hochkarätig die Texte, hochkarätig die Musikarrangements“, urteilt im gut gefüllten Zuschauerraum ein Gitarrist mit langjähriger Bühnenerfahrung. „Wir sind heute Abend Freunde geworden“, ruft Stefan Klucke dem restlos überzeugten Publikum zu. Eine Freundschaft, die die „Lohrer und Lohreleien“ auf ein Wiedersehen hoffen lassen. Kompliment an den Veranstalter Thorsten Merz von ktm-events für den guten Griff.

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