aktualisiert: 04.11.2008 17:58 Uhr
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SCHWEBENRIED
Löschangriff im Wüstensand
Benedikt Hettrich ging als Feuerwehr-Ausbilder in die Vereinigten Arabischen Emirate
Die „Globalisierung“ macht auch vor kleinen Dorfgemeinden nicht Halt. Im Spätsommer dieses Jahres entschied sich der 26-jährige Dachdecker und Bürokaufmann Benedikt Hettrich aus Schwebenried, ein Stellenangebot als Feuerwehr-Ausbilder in den Vereinigten Arabischen Emiraten anzunehmen.
Zum Abschied – und damit er den Ruf der Schwebenrieder Feuerwehrjünger im Ausland nicht „verderben“ würde – musste sich der Träger des Feuerwehr-Leistungsabzeichens in Gold einer „Feuerwehr-Reifeprüfung“ unterziehen.
Hierzu wurde der alt gediente Feuerwehr-Löschzug aus dem Jahre 1890 in Betrieb genommen. Der „Auswandernde“ hatte sich in ein arabisches Männergewand zu hüllen und mit Hilfe der Kübelspritze musste er beweisen, dass er die wirkliche Reife für den Auslandsdienst besitzt. Die Prüfung nahm Feuerwehr-Ehrenkommandant Alois Hettrich im historischen Feuerwehr-Messinghelm vor den Augen der Bewohner der Kaistener Straße in Schwebenried ab.
Wie Benedikt Hettrich dazu kam, sich als Feuerwehr-Ausbilder zu bewerben und welche Erfahrungen er in den drei Monaten seines Aufenthaltes in dem fremden Land gemacht hat, berichtet er regelmäßig Freunden und Bekannten per Mail.
Im Februar 2008 hatte Benedikt auf Vox eine Reportage über das Arbeiten in den Vereinigten Arabischen Emiraten gesehen. Er stöberte im Internet und fand tatsächlich die Homepage der Firma „Profinet“, über die in der Sendung berichtet wurde und die deutsche Feuerwehrfachleute für die Ausbildung und den Aufbau eines arabischen Feuerwehrsystems in die Emirate holt. Mehr aus Spaß bewarb sich der Schwebenrieder, ohne ernsthaft zu erwarten, eine Antwort zu bekommen. Doch die kam postwendend.
Den Anforderungen von Profinet entsprach der Feuerwehrmann. Er hatte die Ausbildung zum Tragen von „Schwerem Atemschutz“ absolviert, ebenso eine Funk- und Truppführerausbildung.
Offenbar gab es nur wenige Bewerber, die Benedikt Hettrichs Qualifikation aufwiesen, denn bereits wenige Wochen später wurde er mit einem weiteren Bewerber in die Emirate entsandt.
Benedikts Eltern reagierten mit Gelassenheit auf den Plan ihres Sohnes. Vater Erich glaubte zunächst an einen Scherz. Erst als Benedikt ihm den unterschriebenen Vertrag vorlegte, begann der Vater, das Vorhaben ernst zu nehmen und unterstützte seinen Sohn emsig bei den Vorbereitungen. Mutter Karin war spontan begeistert und machte Mut.
Benedikt Hettrichs Arbeitsauftrag beinhaltet das Ziel, europäischen Feuerwehrstandard in die arabischen Länder zu bringen. In Ganztagsausbildung werden die künftigen arabischen Feuerwehrmänner geschult. Sie erlernen den Aufbau eines Löschangriffs mit Wasser oder Schaum. Sie werden zu Maschinisten und Atemschutzträgern ausgebildet und erhalten umfassendes theoretisches Wissen und eine Gefahrgutausbildung.
Die Einheimischen werden – ebenso wie die Deutschen – im Schichtdienst und gegen festes Gehalt auf der „Firestation“ eingesetzt und im Ernstfall angefordert. Freiwillige Feuerwehrleute gibt es keine. Finanzträger der Ausbildung ist die „Abu Dhabi Police“. Sowohl die einheimischen als auch die deutschen Feuerwehrmänner sind der Polizei untergeordnet als „Quick Intervention Unit“.
Die Frühschicht beginnt für Benedikt Hettrich um sieben Uhr. Die Ausbilder werden mit dem Bus abgeholt und zur Wache gebracht. Dann beginnt der Aufbau des Tagestrainings und um acht Uhr ist Schichtübergabe. Die Ausbildung beginnt um neun Uhr. Um 15 Uhr ist Ausbildungsende. Werden die Feuerwehrleute zu einem Brandeinsatz gerufen, ruht die Ausbildung und Ausbilder und Auszubildende kommen zum Einsatz.
Die Motivation der arabischen Feuerwehrleute zur Ausbildung ist sehr unterschiedlich und vom jeweiligen Tagesklima abhängig, sagt Benedikt Hettrich. Ein gutes Ausbildungsergebnis werde mit der Ausrichtung von spielerischen Wettkämpfen erzielt.
In seiner Freizeit hat Benedikt Hettrich Dubai und Abu Dhabi besichtigt. Mit Jeep und Quad werden gemeinsame Ausflüge ins Umland und in die Wüste unternommen. Im nahegelegenen Hilton-Hotel können die Feuerwehrleute die Fitnessanlagen, Squash-, Tennis-, Golfplätze, Poollandschaft und Sauna benutzen.
Alkohol sei in der Öffentlichkeit, in Supermärkten oder Tankstellen absolut tabu. Lediglich in den Hotelbars gebe es Alkohol in kleinen Mengen.
Heimweh? Erst mal, so Benedikt Hettrich, sei er froh, den großen Schritt gewagt zu haben. Natürlich vermisse er seine Familie und seine Freunde. Per Chat und Videotelefon könne er jedoch gut Kontakt halten. Benedikt Hettrichs Arbeitsvertrag in den Vereinten Emiraten endet am 31. Dezember 2009.
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