aktualisiert: 16.11.2011 15:55 Uhr
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GLASOFEN
Pudeli und eine lederne Geldkatze
Familie Mohr übergab umfangreiche Trachtensammlung an „Die Glasf'lder“
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Prächtige Originaltrachten: Johann Mohr (vorne rechts) aus Michelrieth übergab offiziell eine umfangreiche Sammlung von Originalstücken aus der früheren Grafschaft Wertheim an die Grafschaftstrachtengruppe „Die Glasflder“. Zur Übergabe waren auch Gudrun und Alfred Dörr (links) gekommen, die für den Trachtengau Unterfranken als Berater tätig sind.Foto: Martin Harth
Was sind Schleicherli, Frenzele, Mutzen, Staucherli, oder Pudeli? Nein, das ist kein fränkisches Weihnachtsgebäck, sondern es sind Bekleidungsstücke aus der Tracht der Grafschaft Wertheim wie Schuhe, Damenoberbekleidung, Pulswärmer oder Schmuckketten. Solche seltenen Original-Stücke wurden jetzt im Museumsdepot der Stadt Marktheidenfeld in Glasofen besonders von Fachleuten unter die Lupe genommen. Johann Mohr übergab als Vertreter der Familie Mohr aus Michelrieth einen umfangreichen Bestand an Originalstücken der Wertheimer Grafschaftstracht an die Trachtengruppe „Die Glasf'lder“.
Dokumentar Heinz Matschiner hat unter 42 Positionen rund 130 Einzelstücke dieser einmaligen Sammlung aufgelistet. Trachtenwartin Elisabeth Matschiner und Vortänzerin Gaby Matschiner haben die Sachen begutachtet, von denen viele noch aus dem 19. Jahrhundert stammen.
In Absprache mit dem Historischen Verein und der Stadt Marktheidenfeld können die Dinge nun in Ergänzung der bisherigen Sammlung der „Glasf‘lder“ in zwei historischen Schränken im Depot fachgerecht aufbewahrt werden. So bleiben sie der Nachwelt erhalten.
Unter den Stücken der Sammlung befinden sich echte Raritäten. Eine lederne Geldkatze ist, wenn man so will, ein Gürtel mit Wertfach. Zwei Hochzeitsladerstöcke können dem „Glasofener Brautzug“ dienen, wie ein weiterer „hoher Kranz“ als Brautkrone.
Anhand von zwei Grünkitteln für Männer kann an den Knöpfen eine evangelische und eine katholische Variante unterschieden werden. Neben dem charakteristischen Dreispitzhut, dem Dreimaster, zeigen sich auch schwarze Schildkappen als durchaus trachtenfähig. Ein großer Radmantel diente den Männern an Sonn- und Feiertagen als Kirchenmantel.
Unter den Kopfbedeckungen für die Frauen kann man Entdeckungen machen: die sonntäglichen Abendmahlhauben, Bänderhauben nach Michelriether oder Glasofener Art oder erstmals eine eigene Erntehaube für die Feldarbeit. Es gibt Stücke aus der Arbeits- und aus der Sonn- und Festtagstracht.
Für Männer liegen Leinenhemden, Gehröcke oder eine hirschlederne Hose in den Depotschränken. Damen können auf Jacken, Mieder, Schürzen, Unterröcke und Röcke zurückgreifen. Krägen, Hosenträger, Bänder, Borten, Tücher, Beutel, Strümpfe, Schuhe, Schirme sind alles Dinge, die eine vollständige Tracht abrunden.
Die Trachten der Sammlung Mohr stehen nun mit einer beachtliche Zahl weiterer Trachten, die von weiteren Bürgern aus der ehemaligen Grafschaft Wertheim zur Verfügung gestellt wurden, als Muster für die erneuerte Tracht von Gruppen, zu Forschungszwecken und als museale Zeugen bäuerlicher Kultur zur Verfügung. Man verfügt über Trachten aus Glasofen, Michelrieth, Altfeld, Oberwittbach, Steinmark, der Kartause Grünau und aus dem badischen Sachsenhauen.
Eine Sammlung ähnlicher Bedeutung ist nur noch im Wertheimer Grafschaftsmuseum zu finden. Die Grafschaftstrachtengruppe hat sich verpflichtet, bei ihrer Brauchtumspflege die Sammlung Mohr in Ehren zu halten und wird eventuell eine Originaltracht auch dem Haus der Bayerischen Trachtengeschichte in Holzhausen bei Landshut als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.
Der Vorsitzende des Gesangvereins Glasofen, Rudi Schäfer, und der Vorsitzende der Grafschaftstrachtengruppe, Michael Schäfer, dankten Margareta und Johann Mohr für die einmalige Bereicherung der Brauchtumspflege.
Die Tracht der Grafschaft Wertheim
Das Ehepaar Margareta und Johann Mohr hatte viele Jahre die Sammlung der Grafschaftstrachten, die Vater Johann Adam Mohr und schon dessen Eltern zusammengetragen hatten, bewahrt und aus dem Bestand die Entwicklung der neuen Tracht der „Glasf'lder“ gefördert.
Gudrun und Alfred Dörr vom Trachtenverein Würzburg waren ebenfalls zur Übergabe gekommen. Beide sind als ausgewiesene Kenner der fränkischen Tracht für den Bezirk und den Trachtengau Unterfranken als Fachberater tätig. Die Experten waren überrascht von der Güte und Vielzahl der Originalstücke einer Tracht, die in Unterfranken und Bayern einen ganz besonderen Charakter habe.
Seit langem machten sich die „Glasf'lder“ um das spezifische Brauchtum der evangelischen Grafschaft Wertheim nachhaltig verdient. Deshalb sei die Sammlung Mohr, über deren Übergabe sich der ganze Trachtengau freuen dürfe, in Glasofen genau an der richtigen Stelle angekommen. Dörr überreichte seinen Glasofener Trachtenfreunden ein paar Kopien historischer Aufnahmen der Wertheimer Tracht aus seinen eigenen Unterlagen zur Dokumentation. Text: MAHA

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