publiziert: 08.02.2012 17:53 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 17:55 Uhr
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Schiff ahoi!

Weingutsbesitzer Johannes Deppisch will dem Tourismus in und um Marktheidenfeld zum Aufschwung verhelfen
  • Kreuzfahrtschiff auf dem Main: Gemütliche Schiffsreisen durch idyllische Flusslandschaft boomen. Weingutsbesitzer Johannes Deppisch setzt auf diesen Trend und will den Kreuzfahrern in unserer Region ein abwechslungsreiches touristisches Programm bieten.
    Archivfoto: Björn Kohlhepp
  • Bocksbeutel, ländliches Leben und Kultur: Weingutsbesitzer Johannes Deppisch will Touristen für die Region begeistern.
    Foto: Jochen Jörg
  • Aufenthalt in Marktheidenfeld: Im Juli war eine erste Gruppe schon hier unterwegs. Das Schiff nahm sie abends wieder auf.
    Foto: J. SCHWAMBERGER
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Über 550 Kreuzfahrtschiffe kommen jedes Jahr an Marktheidenfeld vorbei, die Passagiere bekommen die Stadt von ihrer besten Seite, dem Mainkai, zu sehen. Das ist schön und gut, nur: Die Stadt hat wenig davon. Der Erlenbacher Weingutsbesitzer Johannes Deppisch will das ändern. Fast 50 Reisegruppen holt er in diesem Jahr nach Marktheidenfeld, die erste wird am 11. März erwartet.

Wenn man es genau nimmt, ist dieser Tag keine echte Premiere. Denn im vergangenen Juli hat Deppisch bereits erfolgreich getestet, dass das von ihm erdachte Programm bei den Flusskreuzfahrern ankommt. 165 Gäste aus Australien, Neuseeland, Kanada und Großbritannien, die in Miltenberg an Land gegangen waren, ließ er mit vier Bussen von dort nach Marktheidenfeld bringen.

Die Touristen konnten unter dem Motto „European Village Life For A Day“ (Dörfliches Leben in Europa für einen Tag) auswählen, worauf sie am meisten Lust hatten: Im Angebot waren unter anderem Schnuppergolfen in Eichenfürst, ein Besuch des Eisenhammers in Hasloch, ein Rundgang durch die Homburger Papiermühle und auf dem dortigen Schloss, eine geführte Radtour den Main entlang, eine Pferdekutschenfahrt, ein Koch- und Backkurs mit fränkischen Hausfrauen und eine Besichtigung von Deppischs Weingut samt Verkostung im Weinberg.

Abends wurden die „Weltenbummler“ im Stadtgärtchen von den Freunden des Fränkischen Brauchtums aus Urspringen empfangen. Die Schaukampfgruppe Frank und Frey aus Würzburg inszenierte einen Überfall von Flusspiraten. Als Gaumenfreuden gab es Gegrilltes, Bier von der Marktheidenfelder Martinsbräu und andere Getränke. Den musikalischen Ausklang gestaltete das Duo Liebler aus Erlenbach, bevor die Reisenden kurz vor Einbruch der Dunkelheit wieder an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Scenic Sapphire“ gingen, das inzwischen am Mainkai festgemacht hatte.

Fast 50 Ausflüge vereinbart

„Alles hat perfekt geklappt, die Besucher waren rundum zufrieden“, freut sich Johannes Deppisch noch heute über das gelungene Debüt. Auch der australische Reiseveranstalter Scenic Tours war beeindruckt – so sehr, dass er für 2012 insgesamt 41 Abstecher nach Marktheidenfeld gebucht hat. Sieben weitere Ausflüge in die Region hat Deppisch mit der deutschen A-ROSA Flussschiff GmbH vereinbart.

„Wenn man davon ausgeht, dass bis zu 180 Personen auf einem Schiff sind, heißt das, dass in diesem Jahr über 8000 Menschen nach Marktheidenfeld kommen“, sagt Deppisch erwartungsfroh. Allerdings macht er auch klar, dass die Chance gleichzeitig eine Herausforderung ist: „Marktheidenfeld bekommt jetzt etwas auf dem Silbertablett serviert – aber um das enorme Potenzial voll auszuschöpfen, ist es notwendig, dass auch die Stadt diese Bemühungen voll unterstützt.“

Deppisch nimmt Gewerbetreibende und Gastronomen genauso in die Pflicht wie die Entscheidungsträger im Rathaus. In Sachen Tourismus sei in den vergangenen Jahren in Marktheidenfeld „zu wenig bewegt“ worden, kritisiert er. Deshalb hegt der Weingutsbesitzer große Erwartungen, dass der oder die neue Beauftragte für Stadtmarketing und Tourismus ab dem Frühjahr für frischen Wind in diesem Bereich sorgt. In Wertheim, wo jährlich 360 Kreuzfahrtschiffe festmachen, gebe es einen aktiven Fremdenverkehrsverein, der die Stadt in der ganzen Welt vermarkte, sagt Deppisch. Hieran dürfe sich Marktheidenfeld durchaus ein Beispiel nehmen.

Das Besuchsprogramm steht bis 23. Dezember 2012 – doch schon bald wird Deppisch mit den Planungen für das folgende Jahr beginnen. Er hält es für möglich, dass 2013 doppelt so viele Flusskreuzfahrer nach Marktheidenfeld kommen, „wenn alles nur annähernd so gut funktioniert wie beim Test im vergangenen Juli“. Das wären dann rund 16 000 Menschen. „Das gesamte Paket von Marktheidenfeld ist so stark, das ist auf jeden Fall machbar.“

Von Amsterdam nach Budapest

Hinzu kommt, dass Deppisch sich derzeit auf die Touristen konzentriert hat, die auf ihrer Rhein-Main-Donau-Kreuzfahrt zwischen Amsterdam und Budapest flussaufwärts schippern. Die Reisenden, die in die andere Richtung fahren, wären ein Markt, der ebenfalls noch erschlossen werden könnte.

Geht es nach Deppisch, wird der Bustransfer von Miltenberg oder Wertheim nach Marktheidenfeld ohnehin nur der Anfang sein – und erst recht keine Dauerlösung. „Langfristig müssen Schiffe direkt bei uns in Marktheidenfeld anlegen“, fordert er.

Von unserem Redaktionsmitglied JOCHEN JÖRG
    
    

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Die neuesten Kommentare

mehrinfos (39 Kommentare) am 08.02.2012 19:39

Und was sehen die Gäste dann in MAR?

EInkaufsmärkte in der Peripherie und Leerständ eim Zentrum. Attraktivität gleich NULL.
(1)
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