aktualisiert: 26.10.2010 13:04 Uhr
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KARLSTADT
Sehr viele Gläubige an den hohen Feiertagen
TÜRKEN IN KARLSTADT (50): die Minarett-Moschee und die grüne Moschee – zwei Schwestern in einer Straße
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Trio vor der Karlstadter Minarett-Moschee: Von links Sekretär Cem Aç?gköz, Imam Hayrullah Sevimk und Gökhan Çukur.Foto: KARLHEINZ HAASE -
Das Führungsteam vor der grünen Moschee: Von links Vorsitzender Ibrahim Dokkal, Sekretär Cengiz Sariolu, Kassenführer Selim Konuk und Imam Yakup Yaila.Foto: KARLHEINZ HAASE
Warum gibt es in Karlstadt eigentlich zwei Moscheen? Die in der Schönerstraße 59 mit dem Minarett und den neun Kuppeln gehört zum Verband Islamischer Kulturzentren in Köln. 200 Meter weiter stadteinwärts ist in der Schönerstraße 47, wo früher das Rote Kreuz beheimatet war, die DITIB-Moschee der Türkisch-Islamischen Union mit der grün gestrichenen Fassade.
Anfänge 1982
1982 wurde in der Oberen Spitalgasse 1 erstmals eine Moschee in Karlstadt gegründet. Sie gehörte zum Verband der Islamischen Kulturzentren. 1986 spaltete sich ein Teil der Gemeinde ab und eröffnete die erste DITIB-Moschee in der Färbergasse 4.
Manche türkischen Gesprächspartner in Karlstadt sagen, dass bei der Spaltung der muslimischen Gemeinde Differenzen zwischen einzelnen Familien eine Rolle gespielt hätten. Das verneinen die Vertreter der beiden Gemeinden.
Die Vorstandsmitglieder der Minarettmoschee begründen die Spaltung damit, dass es ganz natürlich sei, weitere Moscheen zu gründen, wenn eine Gemeinde eine gewisse Größe erreicht hat. Der Unterschied zwischen den beiden Moscheen sei geringer als zwischen evangelisch und katholisch, sagen die Vertreter beider Gemeinden. Theologisch seien sie identisch. Es sind keine zwei unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Man gehe auch gelegentlich in die jeweils andere Moschee.
In der Minarett-Moschee liege der Schwerpunkt allerdings etwas stärker auf dem Lesen des Korans. Die Vorstandsmitglieder der DITIB-Moschee ergänzen, unter ihrem Dach gebe es verschiedene Strömungen, hier sei die Vielfalt bunter als in der Moschee mit dem Minarett.
Der organisatorische Unterschied: Bei der grünen DITIB-Moschee schickt der türkische Staat den Imam. In der Minarett-Moschee wird der Imam von den Mitgliedern finanziert.
Minarett-Moschee
1992 kaufte der Verband der Islamischen Kulturzentren das knapp 2000 Quadratmeter große Grundstück in der Schönerstraße 59. Vorsitzender war damals Ahmend Baºtürk. Pfingsten 1996 wurde die für etwa 3,5 Millionen DM neu erbaute Moschee ihrer Bestimmung übergeben. Wenn auch die Mitglieder der Gemeinde teilweise Schmuck verkauften und große Summen für den Bau aufbrachten, war die Finanzierung nur möglich durch das Einspringen des Dachverbands in Köln.
Im Vorfeld hatte es heftige Diskussionen gegeben. Außerdem versuchte die NPD aus dem geplanten Moscheebau politisches Kapital zu schlagen, indem sie Kundgebungen auf dem Karlstadter Marktplatz veranstaltete. Einige Stadträte fürchteten, Karlstadt könnte zu einem Islamzentrum für ganz Unterfranken werden. Die Vertreter der Gemeinde verneinten dies von vorneherein. Es gebe genug Moscheen in anderen Städten. Die Praxis zeigt in beiden Moscheen Parallelen zu den christlichen Kirchen: An hohen Feiertagen kommen sehr viele Gläubige. Bei den fünf täglichen Gebeten ist der Imam manchmal allerdings auch alleine.
Letztes Kapitel war der Plan der Gemeinde, in den Räumen des Gebäudes ein Schülerwohnheim zu einzurichten. In der Türkei hat der Verband der Islamischen Kulturzentren eigentlich gar keine Moscheen, sondern ausschließlich Koranschulen in Form von Internaten. Jugendlichen wird hier das Koranlesen beigebracht. Der Stadtrat und das Landratsamt lehnten die Pläne für ein Internat ab, da es nicht ins Gewerbegebiet passe. Rechtlich gesehen ist die Moschee dem Lebensmittelgeschäft im vorderen Trakt untergeordnet.
Sie hat einen großen Gebetsraum, für schätzungsweise 500 Männer. Die Frauen verfolgen die Gottesdienste von ihrem kleineren Gebetsraum für etwa 250 Frauen im ersten Stock aus mit. Generell sind in Moscheen Männer und Frauen getrennt – und zwar so, dass die Männer während der Gottesdienste keine Blicke auf die Frauen werfen können. Zudem gibt es eine Küche, eine Kantine, ein Besucherzimmer und eine Bücherei.
Vorsitzender ist ªeri Baºtürk, Sekretär Cem Aç?gköz. Gökhan Çukur ist für die Buchhaltung zuständig. Etwa 55 Mitglieder hat die Gemeinde, das heißt Beitragszahler. Das sind in der Regel die Familienväter. Insgesamt beträgt damit die Zahl der Gemeindeangehörigen etwa das Vierfache.
Seit 15. April dieses Jahres ist Imam Hayrullah Sevim hier. Sein Vorgänger Halil Yild?rim war nur ein Jahr zur Überbrückung in Karlstadt. Normalerweise wechseln die Imame alle vier bis fünf Jahre.
Ditib-Moschee
Die Ditib-Moschee musste nicht erst neu gebaut werden, sondern zog im Januar 1994 in das neu erworbene Gebäude in der Schönerstraße 47 ein. Der Gebetsraum fasst 175 Männer. 55 Frauen passen in deren eigenen Gebetsraum im ersten Stock. Die Worte des Imam werden per Lautsprecher dorthin übertragen.
Weiterhin beherbergt die DITIB-Moschee einen Versammlungsraum, die Predigerwohnung und Jugendräume mit Billard und Fernsehen. Im Nebengebäude sind eine Teestube und ein Geschäft für Gemeindemitglieder. Zudem gibt es eine Frauen-Teestube und ein Abschiedshaus, eine Art Leichenhaus. Gut 100 Mitglieder hat die Gemeinde, das heißt Beitragszahler, die wieder etwa mit vier zu multiplizieren sind. Sie finanzieren das Gebäude.
Vorsitzender ist Ibrahim Dokkal, die Kasse führt Selim Konuk, Sekretär ist Cengiz Sariolu. Wie in einem Verein wechselt der Vorstand alle zwei Jahre. Imam ist Yakup Yaila.
Dritte Moschee
In Mühlbach gab es fünf Jahre lang im ehemaligen Gasthaus „Zur Karlsburg“ eine Moschee des Aserbaidschanischen Kulturvereins, die Ehlibet-Moschee. Der erste Imam war zwei Jahre, der zweite drei Jahre in Mühlbach. Seit zwei bis drei Jahren ist sie jedoch geschlossen. Das Problem war, dass sich zu wenig Mitglieder fanden, um die schiitische Moschee zu finanzieren, obwohl ein Großteil der in Karlstadt lebenden Türken aserbaidschanischer Abstammung ist.
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