aktualisiert: 07.10.2010 17:38 Uhr
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KARLSTADT
Sie gibt den Spaß am Sport an andere weiter
TÜRKEN IN KARLSTADT: Übungsleiterin Vildan Karakoc ist eine Spätberufene
In der Jugend war sie Nicht-Sportlerin. Heute ist Vildan Karakoc aus Karlstadt eine höchst gefragte Übungsleiterin für verschiedene Sportgruppen. Die zweifache Mutter sagt: „Ich habe mich dafür noch nie beworben, ich werde immer angerufen.“ Während viele Muslimas nur zögerlich Zugang zum Sport finden, ist sie regelrecht zu einem Motor des Gesundheitssports in Karlstadt geworden.
Beim TSV gibt sie Beckenboden-Gymnastik und seit September Herz-Kreislauf-Training. In der Sportgemeinschaft für Bewegung, Vorsorge und Gesundheit (BVG) kümmert sie sich um Wirbelsäulengymnastik und ums Schwimmen. Bei der Rheuma-Liga gibt sie ebenfalls Schwimmen. Selbstverteidigung und Tanzen macht sie mit Schülerinnen am Karlstadter Gymnasium. In Gemünden hat sie Thai-Aerobic unterrichtet und beim TSV Karlstadt Nordic Walking.
In der Schule war Sport kein Spaß
Woran liegt es, dass so viele Vildan Karakoc als Übungsleiterin haben wollen? „Mein Motto lautet: Ich habe Spaß am Sport. Und das will ich den Leuten weitergeben.“
„Der Sport in der Schule hat mir keinen Spaß gemacht“, sagt die in Marktheidenfeld Aufgewachsene. Mit 22 hatte sie dann jedoch angefangen, in Gemünden Volleyball zu spielen – und gemerkt, wie viel Freude es ihr macht und wie gut sich durch Sport Freundschaften schließen lassen. Fast zeitgleich begann sie in Gemünden zudem mit Taekwondo, das sie fünf Jahre lang bis zum Braungurt betrieb.
Eine Freundin sprach sie schließlich an, ob sie nicht gemeinsam einen Übungsleiterschein machen wollten. So erwarb die damals 27-Jährige – im Hauptberuf Kinderpflegerin – ihren ersten allgemeinen Sport-Übungsleiter-Schein. Es folgten nach und nach der Präventionsschein, der Schein für Beckenbodengymnastik und heuer der für Herz-Kreislauf-Sport. Außerdem hat sie das Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit“, das die Zusammenarbeit mit allen Krankenkassen ermöglicht. Der Rettungsschwimmer war zudem Voraussetzung für den Rehasport im Wasser.
Menschen, die gesundheitliche Probleme haben, seien besonders dankbar für gut geleitete Übungsstunden, stellt sie fest. „Viele hatten Physiotherapiebehandlungen und suchen dann etwas, was sie danach sinnvoll weiterbetreiben können – und kommen zu mir. Ich orientiere mich an deren Bedürfnissen und plane zum Beispiel andere Übungen, wenn sie Schmerzen haben. Und wir versuchen Sport zu treiben ohne Stress. Man kann auch ohne Qualen erreichen, dass sich Muskeln aufbauen und der Mensch abnimmt.“ Die Übenden seien dafür dankbar.
Tanzunterricht am Gymnasium
Selbst liebt sie Jazztanz und Hip-Hop. Bei einer guten Freundin, die Tanz studiert hat, kann sie manches abschauen. So hat Vildan Karakoc nun auch Hip-Hop und Bauchtanz für Sechst- und Siebtklässerinnen neu in ihr Programm aufgenommen. Die ersten Aufführungen hatte es zum Schuljahresende beim Schulfest des Gymnasiums gegeben.
Damit nicht genug. Ihre Elternzeit nutzt sie, um im Kindergarten Theresienheim jede Woche fünf Stunden Sprachkurse für Migrantenkinder zu geben. Viel läuft da über gemeinsame Bilderbuchbetrachtung. Ihr Vorteil: Wenn die Kinder etwas nicht verstehen, kann sie notfalls auch einmal etwas auf Türkisch erklären. Sie hofft auf eine feste Anstellung im Kindergarten.
Möglich ist das alles auch, weil ihr Mannes Erturul sie unterstützt. Selbst ist er sportlich anders orientiert – spielt in der ersten Mannschaft des TSV Gambach Fußball.
Eines kann wahrscheinlich nur eine Übungsleiterin mit türkischen Wurzeln schaffen: andere Türkinnen zum Sport motivieren. Vor drei Jahren hat sie erstmals einen Kurs in Beckenbodengymnastik nur für Türkinnen angeboten. Inzwischen ist der Kurs deutsch-türkisch gemischt. Und die ersten Teilnehmerinnen haben sich auch für den Herz-Kreislauf-Kurs angemeldet.
ONLINE-TIPP
Die bisherigen Serienteile unter www.mainpost.de/regional/main-spessart/karlstadt
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Mehr (349 Kommentare) am 28.10.2010 20:23
Gute Integrationsmöglichkeit !Finde ich echt gut, dass Frau Vildan Karakoc durch den Sport Türkinnen mit Deutschen bekannt macht, sich Freundschaften bilden können und dadurch mehr Verständigung untereinander entsteht. Vor allen Dingen, dass sich einmal die türkischen Frauen "raus" trauen und für sich etwas machen. Nur so kann man Brücken bauen.
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