aktualisiert: 11.03.2009 11:09 Uhr
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KARLSTADT
Stolpersteine: Zeichen für eine offene Stadt
Gunter Demnig verlegt die ersten 17 Stolpersteine in Karlstadt und Laudenbach
17 Stolpersteine wird der Künstler Gunter Demnig an je vier Standorten in Karlstadt und in Laudenbach am Mittwoch, 18. März, ab 14.30 Uhr verlegen. Insgesamt sollen 51 Steine in Karlstadt, Laudenbach und Wiesenfeld an die ehemaligen jüdischen Bürger erinnern.
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Die ersten 17 Stolpersteine wird der Künstler Gunter Demnig an je vier Standorten in Karlstadt und in Laudenbach am Mittwoch, 18. März, verlegen. Georg Schnabel (links) und Anna Elisabeth Hennrichs freuen sich für den „Arbeitskreis Stolpersteine“ über die positive Resonanz, auf die die Aktion bislang gestoßen ist.FOTO Michaela Moldenhauer -
Wie berichtet, wird mit der Aktion der Menschen gedacht, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet oder in den Freitod getrieben wurden. Die ersten vier Steine werden in Karlstadt in der Hauptstraße 26 zum Gedenken an Moses Strauss, Bertha Strauss, Siegfried Bamberger und Meta Bamberger verlegt. An diesem ersten Standort wird die Musikschule Karlstadt die Verlegung musikalisch begleiten.
Wie an allen weiteren Stellen auch wird der jeweilige Pate des Opfers die biografischen Daten vortragen. Am Kirchplatz 7 wird ein Stein an Israel Rosenbaum erinnern, in der Ringstraße 18 an Jda Freudenberger, im Laudenbacher Weg 22 an Paula Bermann.
In Laudenbach im Brunngrabenweg 8 werden Steine für Isaak Adler und Jeanette Adler liegen. Im Brunngrabenweg 4 wohnten Lothar Frank, Rosa Frank, Wolf Frank und Karl Frank. Die Steine an der Mühlecke 5 erinnern an Julius Berney und Hannchen Berney. In der Rathausstraße 10 liegen die Steine zum gedenken an Jakob Hirschenberger und Lina Hirschenberger.
Der städtische Bauhof übernimmt die vorbereitenden Arbeiten an den Standorten, damit der Künstler seine Steine einlassen kann – vor der letzten frei gewählten Wohnung des Opfers. Gunter Demnig fertigt einen Würfel, der mit einer Messingplatte abschließt. Darauf steht in der Regel der Schriftzug „Hier wohnte“, Name, Geburtsjahr, meist das Datum der Deportation oder des Todes. Der Pate wird nicht vermerkt. Finanziert werden die „Stolpersteine“ durch Patenschaften. Ein Stein kostet 95 Euro.
„Die Aktion hat eine sehr positive Resonanz gefunden“, sagt Anna Elisabeth Hennrichs, Leiterin der Karlstadter Volkshochschule. „Für über 40 Steine sind schon Patenschaften angemeldet.“ Unter dem Dach der Vhs hat sich, wie berichtet, der „Arbeitskreis Stolpersteine“ formiert, der die Aktion für Karlstadt initiierte. Der Stadtrat sprach sich einstimmig dafür aus.
Besonders beeindruckt und erfreut zeigt sie sich darüber, dass einige heutige Hausbesitzer von sich aus auf den Arbeitskreis zugegangen sind und Patenschaften übernommen haben. „Das ist der Idealfall.“ Obwohl die Steine in öffentlichem Grund liegen, wollte man nicht gegen den Willen der Hausbesitzer agieren. Aber in Karlstadt und Laudenbach verlaufe die Aktion „völlig unproblematisch“.
Durch die Steine werde öffentlich und sichtbar der jüdischen Opfer gedacht, sagt Georg Schnabel, Mitglied des Arbeitskreises und Betreuer des Judenfriedhofs in Laudenbach. „Die Stadt steht zu ihrer jüdischen Geschichte.“ Die Steine transportierten Karlstadt als eine offene, eine weltoffene Stadt. Er wird bei der Verlegung der Steine jeweils das „Gebet für die Opfer des Holocausts“ sprechen.
„Das Judentum bereicherte unsere Gesellschaft, machte sie leuchtend wie die Steine“, ergänzt Anna Elisabeth Hennrichs. Mit dieser Aktion stehe die Stadt Karlstadt dazu, dass es jüdische Opfer gab. Sie verdränge die Erinnerung nicht, sondern, im Gegenteil, sie pflege sie.
Im Herbst 2009 soll die Aktion abgeschlossen werden und alle Steine für die jüdischen Bürger in Karlstadt, Laudenbach und Wiesenfeld sollen verlegt sein. Aber auch in Karlstadt habe es Euthanasie-Opfer gegeben, sagt Hennrichs. „Das ist Fakt, aber da müssen noch die Details recherchiert werden.“ Und noch wisse man nichts über andere Opfer wie Deserteure oder Homosexuelle.
Begleitend zur ersten Stolperstein-Verlegung in Karlstadt führt die Theatergruppe des Johann-Schöner-Gymnasiums im Theater in der Gerbergasse „Die Karlstadter Juden unter dem Hakenkreuz“ auf. Die Szenenfolge wird am Donnerstag, 12. März, und am Sonntag, 15. März, jeweils um 19.30 Uhr gezeigt.
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