publiziert: 15.10.2009 16:05 Uhr
aktualisiert: 15.10.2009 16:08 Uhr
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Stubentiger werden zu Plagegeistern

Im Raum Marktheidenfeld vermehren sich die wild lebenden Katzen immer stärker

Andrew Lloyd Webber hat eine romantische Geschichte über wild lebende Katzen in einem seiner berühmtesten Musicals vertont: „Cats“. Doch die herrenlosen Tiere können zu einer regelrechten Plage werden. Für den Tierschutzverein Marktheidenfeld ist es schon so weit.

  • Rund zwei Millionen wild lebende Katzen gibt es in Deutschland. Auch im Raum Marktheidenfeld werden es immer mehr. Der hiesige Tierschutzverein hilft, wo es geht, kann aber die Kosten für Kastration und Sterilisation längst nicht mehr alleine aufbringen.
    FOTO dpa
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Marianne Garve liebt Tiere. Die ehrenamtliche Vorsitzende des Tierschutzvereins Marktheidenfeld und Umgebung wendet viel Zeit und Geld für das Wohlergehen jeglicher Kreatur auf – besonders für Katzen.

Aber inzwischen steht sie vor einem Fass ohne Boden: Im Raum Marktheidenfeld vermehren sich wild lebende Kater und Katzen fast unkontrolliert. Immer mehr Stubentiger wachsen statt in der guten Stube in freier Wildbahn auf. Die Folge: Die Tiere erkranken, verelenden und verkoten öffentliche Flächen, nicht zuletzt Spielplätze, weil sie sich dort versammeln, um nach Fressen zu suchen.

Wieder einmal ist der Mensch schuld an der Misere: Zwar gibt es viele Zweibeiner, die die wild lebenden Vierbeiner aus Mitgefühl füttern. Doch damit ist es laut Marianne Garve nicht getan: „Zum Tierschutz gehört mehr als nur das Füttern.“ Die Kater müssten kastriert, die Katzen sterilisiert werden, erklärt Garve, weil sonst das Elend immer größer wird.

Eine Katze wird nach sechs Monaten geschlechtsreif. Danach kann sie zweimal im Jahr Junge werfen. Nach zwei Jahren hat eine nicht sterilisierte Katze schon über 30 Nachkommen. Laut Garve gibt es nur eine den Tieren angemessene Reaktion: Man muss sie mit Lebendfallen fangen, kastrieren oder sterilisieren lassen und dann wieder am gewohnten Ort aussetzen.

Doch das kostet Geld. Ein Kater schlägt mit knapp 50 Euro Tierarztkosten zu Buche, eine Katze mit knapp 100. Wird dabei noch die häufig auftretende Infektionskrankheit „Katzenschnupfen“ behandelt, sind schnell 120 Euro pro Tier fällig.

In vielen Fällen kann Garve Tierfreunde, die wild lebende Katzen füttern, überzeugen, sich finanziell zu beteiligen. Meist übernimmt der Tierschutzverein die Hälfte der Kosten. Doch selbst dafür geht Garve und ihren Mitstreitern langsam das Geld aus. Immerhin wendet der kleine Verein allein wegen der Katzen einige Tausend Euro pro Jahr auf.

„Zum Tierschutz gehört mehr als nur das Füttern.“

Marianne Garve Vorsitzende des Tierschutzvereins

Ihrer Meinung nach müssten die Kommunen ihrer Verantwortung besser gerecht werden. Sie sind nämlich sowohl für Fundkatzen als auch für frei lebende Tiere zuständig. Tatsächlich bekommt Garve auf ihre Anfragen bei den Gemeinden oft zu hören, dass es sich bei den Tieren nur um freilaufende Hauskatzen handeln würde. Damit können Bürgermeister die Verantwortung schnell auf die Besitzer abschieben – ob es die gibt oder nicht.

Dass das zu kurz gedacht ist, zeigen die vielen Anrufe, die die Tierschutzvereinsvorsitzende immer wieder aus Karbach, Birkenfeld, Michelrieth, Steinmark oder Schollbrunn erhält. Anwohner melden ihr die Zunahme der wild lebenden Katzen, die sich an öffentlichen Plätzen aufhalten.

„Erst kommen drei, dann fünf, dann zehn“, schildert Garve ihre Erfahrungen mit den intelligenten Tieren, die schnell herausfinden, wo etwas zu holen ist. Dabei können durchwühlte Abfallkörbe oder verkotete Spielplätze und Friedhöfe nicht nur lästig sein; manche verwahrlosten Tiere übertragen auch Infektionen.

Der Tierschutzverein bietet in jedem Frühjahr eine Kastrationsaktion an. Lebendfallen können sich Interessierte aber jederzeit beim Verein oder beim Tierarzt ausleihen. Wichtig ist nur, dass sich Spender für die Kastration/Sterilisation der Tiere finden.

Um eine Aufnahme der wilden Katzen geht es Garve nicht. Frei geborene oder wild lebende Tiere ließen sich weder an das Leben im Haus noch ans Tierheim gewöhnen. Es bleibt nur die Variante, sie wieder auszusetzen. Oft hört Garve die landläufige Meinung, dass die Tiere am besten ersäuft würden.

Aber selbst das würde nichts am Problem ändern, erklärt sie. „Der Vermehrung muss dringend ein Riegel vorgeschoben werden“, mahnt die Tierschutzvereinsvorsitzende.

Das Stichwort

Wilde Katzen In Deutschland leben nach Schätzungen des Tierschutzbundes insgesamt rund 7,8 Millionen Katzen. Die Zahl der wild lebenden Tiere hat inzwischen die Zwei-Millionen-Grenze überschritten. Der Tierschutzbund versucht diese Tiere – wo möglich – an kontrollierten Futterstellen zu überprüfen, zu impfen sowie kastrieren oder sterilisieren zu lassen.

Wer den Tierschutzverein Marktheidenfeld und Umgebung durch Spenden unterstützen will, kann Geld überweisen – Empfänger: Tierschutzverein Marktheidenfeld e. V. Sparkasse Mainfranken Würzburg, BLZ: 790 500 00, Kontonummer: 240 457 754.

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Brachs
    
    

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