publiziert: 29.08.2012 16:06 Uhr
aktualisiert: 31.08.2012 12:02 Uhr
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Viel weniger Einwohner im Jahr 2035

Eine Studie des Landratsamts prognostiziert einen massiven Bevölkerungsrückgang im Raum Gemünden
  • Sterben Dörfer aus? Im Raum Gemünden leben immer weniger Menschen. Junge ziehen weg. Unser Bild entstand in den Haßbergen.
    Foto: Julia Knetzger
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Im Raum Gemünden leben immer weniger Menschen – und aller Voraussicht nach wird die Bevölkerung in den nächsten zwei Jahrzehnten beträchtlich weiter schrumpfen. Das sagt eine bereits im vergangenen Jahr erstellte Bevölkerungsprognose voraus, die das Landratsamt Main-Spessart in Auftrag gegeben hat. Es ist nicht die einzige Prognose, die von einem weiteren deutlichen Rückgang ausgeht.

Der Sinngrund war in den vergangenen zehn Jahren am stärksten im ganzen Landkreis Main-Spessart vom Bevölkerungsrückgang betroffen. Gräfendorf liegt in dem Zeitraum mit fast zehn Prozent minus ebenfalls auf einem fünften Platz – hinter Mittelsinn, Neustadt, Fellen und Obersinn. Und Gemünden steht nicht viel besser da, dort fiel die Einwohnerzahl in zehn Jahren um acht Prozent.

Bis zum Jahr 2035 werden nach der Prognose des Landratsamts alle Orte im Raum Gemünden weiter massiv Einwohner verlieren: Obersinn fast die Hälfte, Gräfendorf, Mittelsinn und Gemünden rund ein Viertel, Rieneck ebenfalls gut ein Fünftel. Obersinn wäre auch hier Schlusslicht im ganzen Landkreis, aber Gräfendorf und Mittelsinn verlören nach der Prognose immer noch weniger Einwohner als Schollbrunn, Zellingen und Kreuzwertheim. Am wenigsten Einwohner im Raum Gemünden wird nach der Prognose Gössenheim verlieren, aber selbst dort sollen es noch knapp zehn Prozent sein – und es gibt eine weitere Prognose, die für Gössenheim etwas schlechter ausfällt.

Prognose zuverlässig?

Aber wie zuverlässig ist eine solche Prognose? Wir haben beim Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik in Augsburg nachgefragt, das die Prognose fürs Landratsamt erstellt hat. „Natürlich kann sich einiges ändern, das ist nur eine Prognose“, sagt Melanie Gelück, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut. Und je weiter in die Zukunft eine solche Prognose reiche, desto stärker könne sie am Ende von der tatsächlichen Entwicklung abweichen. Erst recht in kleinen Orten könne es starke Abweichungen geben. Dort könnten etwa geschätzte Geburtenzahlen leicht um die Hälfte abweichen – allerdings nach oben wie nach unten.

Ein Grund zur Hoffnung? Und überhaupt: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist? Nun ja, es gibt nicht nur die Prognose des Landratsamts, sondern auch eine des Landesamts für Statistik, die bis zum Jahr 2021 reicht. Manche Orte kommen darin besser weg als in der Prognose des Landratsamts, manche schlechter – gemein ist jedoch beiden Prognosen, dass die Entwicklung nach unten geht. Das ist natürlich, weil solche Prognosen auf heutigen und vergangenen Daten beruhen – und da zuletzt alle Zeichen auf Minus standen, ist die Richtung klar.

Wie stark sich Prognosen unterscheiden können und wie leicht es deshalb auch zu Abweichungen von der wirklichen Entwicklung kommen kann, zeigen jedoch die Beispiele Obersinn und Gössenheim. Sagt die Studie des Landratsamts für Obersinn bis zum Jahr 2022 einen Rückgang auf nur noch 766 Bewohner voraus, wird der Ort laut der Prognose des Statistischen Landesamts 2021 noch zwischen 910 und 940 Einwohner haben. Ein gewaltiger Unterschied. Es geht jedoch nur um das Ausmaß des Schwunds.

Für Gössenheim gibt es eine weitere Bevölkerungsprognose bis 2035. Während die Studie des Landratsamts bis dahin einen Rückgang auf 1151 Einwohner prognostiziert, geht eine Prognose der Firma StratCon von einem Rückgang auf nur noch 1096 Einwohner aus. Als StratCon-Geschäftsführer Rainer Gottwald die Prognose vor gut einem Jahr vorstellte, sagte er auch, dass „die Zahl auch sehr leicht unter die 1000-Einwohner-Grenze fallen“ könne, falls sich der negative Trend bei den Geburten fortsetze.

Es könnte auch besser kommen

Es könnte also tatsächlich noch schlimmer kommen als in der Studie des Landratsamts. Aber Melanie Gelück vom Augsburger Statistikinstitut sagt, dass es auch besser laufen könnte, wenn etwa mehr junge Leute zuziehen und mehr Kinder auf die Welt kommen. Aber im Moment sagen alle Prognosen einen weiteren, nicht unerheblichen Schrumpfkurs voraus.

Laut Gelück basiert die Prognose des Landratsamts auf den erwarteten Zu- und Wegzügen, auf den Sterblichkeitsraten und den Geburtenraten. Dabei spiele natürlich eine Rolle, wie viele Frauen im gebärfähigen Alter in einem Ort wohnen. Die größte Auswirkung auf die Prognose hätten die erwarteten Zu- und Wegzüge. Diese fußen einerseits auf dem tatsächlichen Wanderungsverhalten seit 2005 und andererseits auf den von den Bürgermeistern der Städte und Gemeinden abgegebenen Schätzungen. „Die Bürgermeister sind am nächsten dran“, sagt Gelück, weswegen sie am realistischsten einschätzen könnten, wie viele Leute wahrscheinlich zu- und wie viele wegziehen.

Die Bevölkerungsprognose des Landratsamts finden Sie unter www.main-spessart.de, die Prognosen des Landesamts für Statistik sind unter www.statistik.bayern.de/statistik/gemeinden einzusehen.

Von unserem Redaktionsmitglied Björn Kohlhepp
    
    

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Die neuesten Kommentare

klausburkard (1172 Kommentare) am 29.08.2012 16:19

überall

sinken die statistischen zahlen von einwohnern. da frag ich mich langsam schon, wie der momentane stand von über 6.000.000.000 menschen herkommt. jeden tag hört man von schweren unfällen, wo menschen plötzlich aus dem leben gerissen werden. jedes jahr kommen weniger kinder zur welt, und plötzlich soll die 7.000.000.000 einwohnergrenze auf der erde erreicht werden? vermutlich nur zufällige zahlen, was die weltbevölkerung betrifft.
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