publiziert: 13.12.2009 17:54 Uhr
aktualisiert: 16.12.2010 15:58 Uhr
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Was im Spessart so alles passiert

Improvisationstheater im voll besetzten Kulturkeller Weinhaus Mehling

„Der Lohrer neigt zu sehr viel Fantasie“, erkannte die Schauspielgruppe „10 vor 8“ bei ihrem Streifzug durch die Innenstadt. Beste Voraussetzungen also für das Erlebnis „Improvisationstheater“ im Kulturkeller Weinhaus Mehling mit einer zweistündigen Vorstellung, die weder einstudiert noch vorhersehbar war.

  • Beim Würzburger Improvisationstheater „10 vor 8“ ist jedes Programm eine Premiere und entsteht live aus dem Augenblick heraus. Hier wird der „Höhlenurlaub“ für Thomas spätestens dann zum „Höllentripp", wenn rotäugige Ungeheuer im Publikum sitzen.
    FOTOS G. Büdel
  • Auch das Publikum wird zum Darsteller. Hier soll das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ pantomimisch dargestellt werden.
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Welches Stück steht auf dem Programm? Eine Romanze? Ein Krimi? Eine Seifenoper? Was am Freitagabend auf der Kulturkellerbühne gespielt wurde, bestimmten mit ihren Vorgaben allein die 70 Zuschauer, die den Part der Programmgestalter übernahmen. Aus dieser Inspiration heraus zauberten die Spieler von „10 vor 8“ Stücke mit erstaunlichen Wendungen. Ohne Kostüm und Requisite, ohne Text und Regisseur.

Da galt es, auf und vor der Bühne die Fantasie arbeiten zu lassen. Jede Szene wurde einem Raketenstart gleich eingezählt: fünf-vier-drei-zwei-eins-Los! Spielt sich ein Drama ab oder beginnt eine wilde Romanze? In jedem Fall beherrschten die Akteure die Kunst, spontan zugerufene Ideen aufzunehmen, weiter zu denken und umzusetzen.

Mit örtlichem Bezug inszenierte „10 vor 8“ aus Schneewittchen, der lauschigen Bank im Wald, Ameisenhaufen und süßem Eichhörnchen die Szene „Was im Spessart so alles passiert“. Dass der Mensch in Gefahrensituationen die besten Ideen hat, bewies der abenteuerliche „Höhlenurlaub“. Aus der „Täter- und Opferbeziehung“ kristallisierte sich der Abstieg der aufstrebenden Bankerin zur Bratwurstverkäuferin, die – in Zeiten der Schweinegrippe – eine allzu intensive Qualitätskontrolle der Thüringer Spezialität vornahm.

Der Lohrer Lieblingsthema überhaupt schienen die Banker zu sein. Warum speziell diese Berufsgruppe und dann noch in Verbindung mit einer Melkmaschine? Verblüffend die schlüssige Lösung: „Banker sitzen an der Quelle, und melken muss man dort, wo die Milch fließt.“ „Frisch, hungrig und motiviert“ charakterisiert sich die Truppe selbst, deren kreative Wurzeln in einem Würzburger VHS-Kurs im September 2006 liegen. Eine während des Trainings exakt um 19.50 Uhr stehen gebliebene Uhr gab den Improkünstlern ihren Namen.

Das Publikum fand das „Theater aus dem Moment heraus, ohne Netz und doppelten Boden“ höchst amüsant. „Dass man das Programm mitgestalten und in die gewünschte Bahn lenken kann“, mache den Erfolg des Improtheaters aus. „Hut ab“, fasste eine Zuschauerin die Leistung der achtköpfigen Schauspieltruppe zusammen. Dementsprechend kräftig fiel auch der Beifall aus, als nach zwei Stunden der imaginäre Bühnenvorhang fiel.

(gbü)
    
    

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