publiziert: 07.05.2008 16:55 Uhr
aktualisiert: 07.05.2008 18:41 Uhr
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Zusätzliche Sonderausstellung im Schulmuseum zur Geschichte der Hitlerjugend

(red) Mit einer zusätzlichen Sonderausstellung im Lohrer Schulmuseum mit dem Thema „Wenn alle untreu werden – Zur Geschichte der Lohrer Hitlerjugend“ vom 11. bis 22. Mai wird die derzeitige Ausstellung „Wie eine Stadt gleichgeschaltet wurde – Lohr a. Main 1933“ ergänzt. Großformatige Fotos und Auszüge aus der Lohrer Zeitung informieren über die Formationen und Aktionen der Lohrer Hitlerjugend.

  • „Jugend im Luftschutz“ (Werbeplakat um 1942): Es stellt einen Hitlerjungen mit Handspritze, Beil, Gasmaske und Helm dar. Zu den Hauptaufgaben der HJ im Krieg an der Heimatfront gehörte die Brandbekämpfung nach Bombardierungen der Städte.
    FOTOS (3) SCHULMUSEUM
  • Lohrer HJ-Turnbannriege mit ihrem Trainer (um 1938). Fünf der sechs Turner fielen im Zweiten Weltkrieg.
  • Lohrer Pimpfe (Deutsches Jungvolk: 10- bis 14-jährige Jungen) marschieren am 3. Februar 1935 durch Lohr. Anlass ist die Übergabe der Fahne des Jungbannes Lohr.
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3 Bilder

„Ich will kämpfen und auch sterben für den Glauben an ein großes, schönes, erhabenes Deutschland“, steht auf der Sterbebildchen-Rückseite eines 1942 in Russland gefallenen jungen Unteroffiziers und ehemaligen Fähnleinführers der Lohrer Hitlerjugend (HJ). Das Schicksal des Hitlerjungen mag stellvertretend stehen für unzählige junge Menschen im Dritten Reich. Wohl niemals zuvor waren die Ideale der deutschen Jugend für politische Zwecke derartig skrupellos missbraucht worden. Die Geschichte der Lohrer Hitlerjugend ist eines von vielen Beispielen.

Wann die Zeit der Lohrer Hitlerjugend begann, ist heute wohl nicht mehr feststellbar. Offensichtlich gab es aber lange vor der Machtergreifung Hitlers in Lohr Sympathisanten oder Mitglieder der Hitlerjugend, wie ein Foto aus dem Jahr 1928 belegt. Bereits im Frühjahr 1933 aber war in Lohr ein sehr effektiv arbeitender HJ-Kader vorhanden, der von nun an die Lohrer Jugend politisch im Sinn der NS-Ideologie ausrichtete und an fast allen Aktionen der Nazis beteiligt war. Dazu gehörten auch die häufigen Aufmärsche bei politischen Kundgebungen und Sammlungen, etwa für das NS-Winterhilfswerk, sowie sportliche Aktivitäten.

Zunächst aber fehlte für die rasch ansteigende Zahl der HJ-Mitglieder ein entsprechendes Heim. Man musste sich mit Provisorien begnügen. Erst 1936 erklärte sich die Lohrer Stadtverwaltung bereit, der HJ mit ihren verschiedenen Unterorganisationen im „Blockhaus“, der ehemaligen Präparandenschule und zu dieser Zeit die Lohrer Forstschule (bis 1938), sechs Zimmer weitgehend kostenfrei zu überlassen.

Allerdings gab es damals auch schon Pläne für ein künftiges HJ-Heim, das zunächst mit 35 000 Reichsmark veranschlagt wurde. Spätere Vorplanungen im Jahr 1939 setzen für ein angemessenes HJ-Heim mit insgesamt elf Räumen und einer Heimwartwohnung 95 000 Reichsmark an. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges verhinderte wohl dieses Projekt.

Der Zweite Weltkrieg brachte von Anfang an auch in Unterfranken vielerlei Einsätze für die HJ. Unter der Überschrift „Einsatzwillige Jugend“ berichtete die Lohrer Zeitung am 15. Oktober 1940: „Die mainfränkische Hitlerjugend kann auf einen besonders vielseitigen und erfolgreichen Sommereinsatz zurückblicken. In allen Kreisen und Ortsgruppen des Gaues wurden Altmaterial-Sammlungen durch den Bund Deutscher Mädel (BDM), den Jungmädelbund (JM), Jungvolk und HJ durchgeführt. Zum Sammeln von Heilkräutern, Teepflanzen und Wildfrüchten wurden 2000 Jungmädel eingesetzt. (...) Auch auf dem Gebiet der Soldatenbetreuung haben sich HJ und BDM eingeschaltet . . .“

Da auch die Spielzeugfabriken auf Rüstungsartikel umgestellt wurden, übernahm die HJ das Herstellen von Spielzeug für den weihnachtlichen Gabentisch. Immer wieder berichtete die Lohrer Zeitung über den „Kriegseinsatz der Werkarbeit“, von Elefanten, Hündchen, Enten, Bären, Pferden und Hasen aus Stoffresten oder aus Holz hergestellten ganzen Hühnerhöfen, Eisenbahnen, Baukästen, Schubkarren und Autos. Allein im Jahr 1943 lieferte die „Hitler-Jugend, Bann Lohr-Gemünden“, neben der bisherigen Produktion weitere 1000 Spielzeuge für den „Patengau Berlin“.

Eine neue Dimension erhielt in diesem Jahr auch das Geländespiel. Hatte es ursprünglich im Wesentlichen darin bestanden, dass sich HJ-Gruppen irgendeinen Gegenstand gegenseitig abjagten, wurden nun großräumige Manöver durchgeführt, so das „Großgeländespiel“ im Juni 1943 mit 2000 Jungen des Bannes Lohr-Gemünden, das zwei Tage dauerte und sich von Höllrich über Homburg, Partenstein, Gemünden, Lohr und Rothenfels erstreckte, wobei jeweils die dortigen Burganlagen usw. zu verteidigen waren. Das Ziel solcher Manöver war die Vorbereitung von Verteidigungsmaßnahmen gegen den näher rückenden Feind.

Die unmittelbaren Auswirkungen des Krieges erlebten manche Lohrer Jungen erstmals, als sie als Mitglieder der Nachrichten-Hitlerjugend im Februar 1944 nach Schweinfurt geschickt wurden. Innerhalb eines Tages hatte die Stadt „drei harte Terrorangriffe“ (Bombardierungen) erlebt, damit „war auch die Bewährungsstunde der mainfränkischen Nachrichten-HJ gekommen“, zu der auch die Lohrer Abteilung gehörte.

Zu dieser Zeit standen auch schon viele Hitlerjungen in den Flakstellungen im direkten Kampfeinsatz, ebenso als Angehörige der Hitlerjugend-Division und anderer Militäreinheiten sowie gegen Ende des Krieges bei der unmittelbaren Verteidigung ihrer Heimat.

„Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu“, „Hitler sind treu wir ergeben, treu bis in den Tod“ – solche Lieder hatten sie auf ihren Heimabenden begeistert gesungen und danach handelten viele auch, bis zur letzten Konsequenz.

Stichwort

Hitlerjugend (HJ) Das Deutsche Jungvolk (DJ) umfasste die 10- bis 14-jährigen Jungen, der Jungmädelbund (JM) die 10-bis 14-jährigen Mädchen, die Hitlerjugend (HJ) die 14- bis 18-jährigen Jungen, der Bund Deutscher Mädel (BDM) die 14- bis 18-jährigen Mädchen. 1938 wurde der BDM auf 17 Jahre Höchstalter begrenzt, ihm folgte das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“ für 17- bis 21-jährige Mädchen. Die Hitlerjugend (HJ) war mit 98 Prozent aller deutschen Jugendlichen und bis zu 8,7 Millionen Mitgliedern weltweit der größte Jugendverband der damaligen Zeit.

    
    

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