aktualisiert: 24.06.2010 11:22 Uhr
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MARKTHEIDENFELD
Zwei Chefs - ein Verein: Fürchow und Gregor leiten den TVM
Beim Chef im BüroLutz Fürchow und Björn Gregor sind gleichberechtigte Vorsitzende beim TV Marktheidenfeld.
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Ein Verein, zwei Chefs: Björn Gregor und Lutz Fürchow (von links) sind die Doppelspitze des TV Marktheidenfeld.Fotos: Martina Schneider -
Farbenfroh: Das Bild im Eingangsbereich der Hans-Wilhelm-Renkhoff-Halle zeigt alle Sportarten, die der TVM anbietet.
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Erinnerungen und Geschenke: Wimpel und Fotos zieren die Wand des TVM-Chefbüros.
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Glänzend: Den großen Pokal haben sich die TVM-Schwimmer „erschwommen“.
Der „Chef“ eines Vereins braucht Mut, um sich durchzusetzen, den klaren Blick für das „große Ganze“, ein untrügliches Gespür für logisches Denken, er muss genau rechnen können, Organisationstalent besitzen und vieles mehr. Der TV 1884 Marktheidenfeld hat gleich zwei „Chefs“: Lutz Fürchow und Björn Gregor. Die beiden leiten den 1600 Mitglieder zählenden größten Marktheidenfelder Sportverein seit über einem Jahr als „Doppelspitze“. „Das ist ein Traumjob, den jeder haben will“, sagt Gregor mit nicht zu überhörender Ironie.
Für die Serie „Beim Chef im Büro“ nahmen die beiden Platz an den Schreibtischen im hellen Eckbüro der TVM-Geschäftsstelle „Am Sportzentrum 5“. Dort geben zwei große Fensterfronten den Blick frei auf das Grün vor dem Eingang der Hans-Wilhelm-Renkhoff-Halle und den großen Parkplatz davor. „Normalerweise sind wir hier selten allein“, erklärt Gregor, der im „nicht ehrenamtlichen“ Leben als Jurist mit eigener Kanzlei in Marktheidenfeld arbeitet. Dort hat er seinen Chef-Schreibtisch, an dem er auch immer wieder ehrenamtlich für den TVM arbeitet. Und dort besteht er auf seiner Ordnung. „Ich werde wild, wenn jemand anfängt, meinen Schreibtisch aufzuräumen“, verrät er und grinst.
Im Büro der Geschäftsstelle sind Fürchow und Gregor nur, wenn es gilt, Unterschriften zu leisten, wenn sie Besprechungen angesetzt haben oder sich um die Organisation von Veranstaltungen vor Ort kümmern. Ansonsten halten ihnen die beiden Mitarbeiter der Geschäftsstelle, Elfriede Schnarr und Otmar Kröckel, den Rücken frei. „Die Arbeit, die die beiden hier leisten, ist wertvoll und nicht zu unterschätzen“, sind sich beide „Chefs“ einig. „Wir kriegen das, was wir zu unterschreiben haben, hingelegt, machen was wir sollen und gehen dann wieder ohne Dreck zu hinterlassen“, schmunzelt Gregor.
Fürchow und Gregor haben sich ihr „Chefamt“ aufgeteilt. Während der 34-jährige Gregor überwiegend für die allgemeinen Verwaltungsarbeiten zuständig ist, kümmert sich Fürchow um die Organisation der Veranstaltungen. So bereitet der 52-Jährige zusammen mit Rainer Heilgenthal, dem Abteilungsleiter „Leichtathletik“, seit Jahren den Warema-Lauf vor und organisierte 2009 den Sportlerball. „Der ist so gut angekommen, dass wir ihn heuer wieder veranstalten werden“, kündigt er an.
Als Chef – oder Vorsitzender – eines Vereins muss man „tolerant und leidensfähig“ sein, weiß Gregor, der dem TVM seit 30 Jahren angehört. „Ich kam mit vier Jahren dazu und bin geblieben“, lacht er. Doch zurück zu Toleranz und Leidensfähigkeit, zwei nicht immer einfache Eigenschaften. „Bei unseren Entscheidungen müssen wir stets den ganzen Verein im Blick haben“, erklärt Fürchow. Das heißt im Umkehrschluss, dass die beiden es nicht jedem der 1600 Mitglieder immer und überall recht machen können. Denn oft sieht die Abteilung nur ihre eigenen Belange und werden die beschnitten oder berührt, herrscht erst Mal „Aufruhr“. Ein Vereinschef kann sich getrost von dem Anspruch verabschieden, es jedem einzelnen Mitglied recht machen zu wollen, denn das sei reine Utopie. „Das muss einem auch klar sein, wenn man solch ein Amt übernimmt“, sagt Fürchow.
Die beiden TVM-Vorsitzenden verstehen sich als „harmonisches Paar“- „aber verheiratet sind wir nicht“, stellt Gregor grinsend klar. „Wir kommen sehr gut miteinander klar, sind realistisch und blasen ins gleiche Horn“, schiebt Fürchow nach. Beide seien sie logische Denker und kämen im Ergebnis – jeder auf seine Weise – aber doch immer zusammen und auf einen Nenner. „Unsere Aufgabe ist es, den Verein am Laufen zu halten, zu rechnen, was geht und was geht nicht, und das Machbare dann umzusetzen“, erklärt Fürchow. Beide können es nicht leiden, wenn lange um den heißen Brei herumgeredet wird. Da Fürchow als Computerprogrammierer und Gregor als selbstständiger Rechtsanwalt wissen, wie knapp Zeit bemessen ist, führen sie ihre Besprechungen effektiv.
Aufs Jahr bezogen arbeiten die beiden jeweils zwei bis vier Stunden pro Woche ehrenamtlich für den TVM. Sie repräsentieren die „Minimalbesetzung“ des Vereins, denn laut Satzung sind zwei bis vier Vorstandsmitglieder möglich. „Wir hätten überhaupt nichts dagegen, noch den einen oder anderen konstruktiven Mitarbeiter mit aufzunehmen“, sagt Gregor. Doch dieses „Wunschdenken“ teilen Fürchow und Gregor mit vielen Vereinsvorsitzenden.
Ausgleich zu Arbeit und Ehrenamt holt sich Gregor bei seiner Familie und Fürchow bei Familie und Sport, denn der 52-Jährige begann vor zehn Jahren das Laufen. „Das ist für mich der komplette Ausgleich und Lebensqualität“, sagt der Ultramarathonläufer aus Marktheidenfeld.

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