publiziert: 19.08.2012 16:36 Uhr
aktualisiert: 21.08.2012 12:02 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SENDELBACH/NEUENDORF
Zwei Knutschkugeln werden 50

Liebe zur Isetta: Alfred Endres aus Sendelbach und Ewald Tengler aus Neuendorf feiern den Geburtstag ihrer besonderen Fahrzeuge. Am Zweisitzer ist vieles anders. Nur drei Liter Superbenzin auf 100 Kilometern.

  • Liebe zum Detail 2: Die Isetta-Fans haben ihre Fahrzeuge originalgetreu hergerichtet.
  • Farbenfroh: Himmelblau und weiß-rot strahlen die Isetten aus dem Raum Lohr – die von Endres sogar mit Lohrer Nummernschild.
  • „Macht hoch die Tür“: Diese beiden Isettas feiern heuer 50. Geburtstag. Die von Alfred Endres aus Sendelbach trägt sogar noch ein Lohrer Nummernschild.
    Alle Fotos: Gabi Nätscher
  • Liebe zum Detail 1: Ein Kofferradio aus den 50ern auf der Ablage.
  • Wie im Wohnzimmer: Der Innenraum der Isetta mit Sitzbank, Schaltknüppel, Handbremse und Lenkrad.
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Man nannte sie „Knutschkugel“ oder „Adventsauto“. Auch als „Himmelfahrtsauto“ oder „Asphaltblase“ war sie früher bekannt. BMW produzierte sie von 1955 bis 1962. Mit zwölf oder 13 Pferdestärken und einer Höchstgeschwindigkeit von achtzig Stundenkilometern ist es ein wahres Liebhaberauto: Die Isetta.

Zwei Fans und Isetta-Besitzer, oder wohl eher ihre Fahrzeuge, können in diesem Jahr gemeinsam Geburtstag feiern: Ihre Isetten (Liebhaber verwenden diese Pluralform) sind zusammen 100 Jahre alt. Sie stammen beide aus der letzten Produktion von 1962. Der Sendelbacher Alfred Endres und Ewald Tengler aus Neuendorf sind zwei stolze Besitzer dieser besonderen Fahrzeuge, die Kultstatus erreicht haben.

Tengler erwirbt 2002 eine Isetta, Endres besitzt seine schon seit 1991. Bei der Restaurierung kommen die beiden Männer mit dem gemeinsamen Hobby öfter zusammen, helfen und ergänzen einander. Ganz einfach und auch billig ist dieses Auto nämlich nicht.

Schon bei einer Isetta in schlechtem Zustand müsse man mit einem Kaufpreis von acht- bis neuntausend Euro rechnen, berichtet Ewald Tengler. „Heutzutage ist es schwer, überhaupt eine Isetta zu finden. Ich habe meine vor zehn Jahren als Schrottauto für 2600 Euro gekauft, jetzt entdecke ich restaurierte Isetten für bis zu 30 000 Euro!“ Rund tausend Arbeitsstunden hat Tengler, der früher Karosseriebauer war, in zwei Jahren eingebracht, damit seine rot-beige Isetta so dasteht wie heute.

Tengler und Endres betrachten ihre Autos aber nicht als Geldanlage. Sie lieben das besondere Aussehen der Isetta und die gewonnene Aufmerksamkeit. „Oft schon sind Familien auf mich zugekommen und wollten mit oder auch in meinem Auto fotografiert werden“, berichtet der Sendelbacher Alfred Endres. Sogar als Brautauto habe es schon zweimal fungiert. Zunächst von seiner Nichte, die Foto des Ereignisses ins Internet stellte. Prompt kam die Anfrage eines nächsten Brautpaares aus Rothenbuch, das besondere Gefährt zu nutzen.

Nach ein paar Fahrstunden (die Isetta hat eine schwer zu bedienende Gangschaltung und lässt sich auch sonst „anders“ fahren) bekam der Bräutigam die türkisfarbene Isetta von Alfred Endres geliehen. Da nur zwei Personen ins Auto hineinpassen, musste er ja selbst fahren. Dann kleidete sich das Brautpaar passend in Türkis und fuhr mit klappernden Blechdosen durch Rothenbuch.

Nur rund 500 Kilometer fahren Endres und Tengler im Jahr mit ihren „Knutschkugeln“. „Das ist ein Spaß und eine Freude, sie mal auszuführen“, sind sich die beiden einig. Doch das sieht nicht jeder so. „Meine Frau fährt nicht so gerne mit und mein Sohn sagt, dass ich endlich mal den Schrottkübel wegtun soll“, erzählt Endres.

Doch die Männer mögen das Auto mit den vielen Spitznamen. „Knutschkugel heißt die Isetta, weil so knuddelig aussieht“, weiß Endres. Oder etwa, weil in den 50er Jahren wegen des niedrigen Preises sich auch der „kleine Mann“ ein Auto leisten konnte, um drinnen geschützt mal seine Freundin zu „knutschen“? „Weil die Fahrertür nach oben aufgeht, gab es noch die Namen Himmelfahrtsauto oder Halleluja-Auto“, erzählt Tengler. Endres ergänzt: „Adventsauto – wegen ,Macht-hoch-die-Tür' kenne ich auch noch.“

Beide haben ihre Autos liebevoll dekoriert. Bei dem Sendelbacher steht eine Miniatur-Isetta auf der Hutablage, bei dem Neuendorfer ein Original-Kofferradio aus der Herkunftszeit des Fahrzeugs. Beide sind schmuck hergerichtet und glänzen beim Fototermin um die Wette. Ganz so anspruchslos, wie man denken könnte, sind Isetten aber dann doch nicht: benötigen sie zum Fahren doch „Super-Plus-Benzin“. Der sparsame Verbrauch macht's aber wieder wett: Mit drei Litern kommt die Isetta hundert Kilometer weit.

Verkaufen würden die beiden ihre Isetten jedenfalls um keinen Preis. Auf die entsprechende Frage antworten sie wie aus einem Mund: „Ganz sicher: Nein, nein, nein! Das kommt nicht in Frage.“

Von unserer Mitarbeiterin Gabi Nätscher
    
    

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