publiziert: 12.08.2012 16:01 Uhr
aktualisiert: 14.08.2012 12:04 Uhr
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Zwei Stunden Ankleide zum perfekten Sitz

Karl und Adelbalde Fick aus Gänheim betreiben ein seltenes Hobby: Sie sammeln historische Werntal-Trachten
  • Seltenes Hobby: Die Gänheimer Eheleute Adelbalde und Karl Fick sammeln historische Trachten aus dem Werntal.
    Foto: Claudia Fischer
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Was in der heutigen schnelllebigen Modewelt alles als „Outfit“ bezeichnet wird ist so ziemlich das genaue Gegenteil zum seltenen Hobby von Karl und Adelbalde Fick aus Gänheim. Sie besitzen nämlich eine kleine aber feine Sammlung historischer Trachten aus dem Werntal, die sie mit viel Engagement zusammengetragen haben, und auf die sie besonders stolz sein können. Nicht nur die Trachten, sondern auch die passenden Accessoires haben sie über die Jahrzehnte gesammelt und mit viel Liebe gepflegt.

So bekam Adelbalde Fick, die schon in ihrem früheren Berufsleben als gelernte Herrenschneiderin mit Mode zu tun hatte, vor vielen Jahren einen gut erhaltenen Original „Starrouck“ oder „Benderrouck“ mit Schürze von einer gewissen Frau Adelmann aus Gänheim geschenkt. Dieses Geschenk begründete den Beginn ihrer Trachtensammlung.

„Alte Aufzeichnungen belegen, dass eben diese Frau Adelmann mit der Arnsteiner Trachtengruppe schon im September 1895 beim Trachtenumzug zum Münchner Oktoberfest teilnahm und die Röcke dabei trug“, berichtet Adelbalde Fick.

Als ehemalige Herrenschneiderin kann Adelbalde Fick ihr handwerkliches Können gut bei der Restaurierung und Vervollständigung alter Trachten einsetzen. So näht sie die wertvollen Stücke nach alten Vorlagen nach und ersetzt so nicht mehr vorhandene Originalkleidungsstücke, um das Gesamtbild der Tracht wahren zu können.

Mit viel Liebe zum Detail hat das Ehepaar Fick kleine zur Tracht gehörende Accessoires zusammengetragen. Auch die sogenannten „Stäucherli“, die Pulswärmer, verziert mit feinem Perlenbesatz sind Originalteile, erzählt Adelbalde Fick.

Sorgfältig bewahrt die Familie ihre Trachten eingeschlagen in Zeitungspapier auf. Getragen wird die Tracht nur noch selten zu festlichen Anlässen. Allein das Ankleiden dauert fast zwei Stunden, bis alles perfekt sitzt.

„Aufzeichnungen belegen, dass die Trachtengruppe die Röcke schon 1895 beim Oktoberfest trug.“

Adelbalde Fick aus Gänheim

Wie verbreitet die hiesige „Werntaltracht“ im 19. Jahrhundert war dokumentieren Vorlagen und Aufzeichnungen von Richard Reinhard aus Eckartshausen. Auch Karl Fick stammt ursprünglich von dort. Das Ausbreitungsgebiet der „Werntaltracht“ umfasste beinahe das gesamte Maindreieck, mit dem Flüsschen Wern als Zentralachse „einschließlich den Einzugsgebieten der Seitenbäche“, heißt es in Reinhards Aufzeichnungen. Reinhards Bestreben war es, die Tradition der einheimischen Kleidungsart für spätere Generationen schriftlich zu dokumentieren und somit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. So beschrieb er zum Beispiel in seinen umfangreichen Aufzeichnungen die „Werntaltracht“ aus der Großgemeinde Werneck und deren 13 Ortsteilen aus der Sicht eines Einheimischen, dessen Angehörige Originaltrachtler waren.

Über kurz oder lang überlegt sich das Ehepaar, ihre Trachten an ein Museum oder an einen historischen Verein zu geben, um den Erhalt zu gewährleisten. Leicht wird ihnen der Abschied von den historischen Stücken mit Sicherheit aber nicht fallen.

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Fischer
    
    

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