publiziert: 06.01.2012 15:43 Uhr
aktualisiert: 13.01.2012 11:32 Uhr
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Die Pumps als Markenzeichen

Pflegedirektorin Erika Pott geht nach 30 Jahren als Leiterin am Klinikum Main-Spessart in den Ruhestand
  • 30 Jahre Leiterin im Pflegedienst: Direktorin Erika Pott geht in den Ruhestand.
    Foto: Klaus Gimmler
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Den meisten Mitarbeitern des Klinikums Main-Spessart ist das charakteristische Klacken ihrer Pumps wohl vertraut. „Es war mein Markenzeichen“, schmunzelt Pflegedirektorin Erika Pott, die mit Beginn des neuen Jahres in den Ruhestand gegangen ist. Die gebürtige Mönchengladbacherin war 30 Jahre lang Leiterin im Pflegedienst – zunächst ab 1981 im Kreiskrankenhaus Lohr, danach ab 2004 mit dem Zusammenschluss zum Klinikum Main-Spessart für den Gesamtverbund. Damit hatte sie zuletzt die Verantwortung über zirka 500 Mitarbeiter. Wir sprachen mit der 63-Jährigen über den Wandel in der Pflege, den zunehmenden Druck auf das Personal und ihre Leidenschaft fürs Cabriolet.

Frage: Frau Pott, 30 Jahre lang waren Sie Leiterin im Pflegedienst. Fällt der Abschied aus dem Berufsleben schwer?

Erika Pott: Im Moment ist es noch so wie Urlaub. Ich weiß es daher noch nicht, ob es mir schwer fallen wird. Wehmut könnte vielleicht nach meiner offiziellen Verabschiedung aufkommen (diese ist am Donnerstag, 12. Januar, Anm. d. Red.). Das Aufräumen meines Schreibtisches habe ich jedenfalls als befreiend empfunden. Der Schredder lief auf Hochtouren.

Sie haben 1981 als Pflegedienstleiterin in Lohr angefangen. In diesen 30 Jahren – was ist der auffälligste Wandel?

Pott: Die Arbeit im Pflegedienst ist eng mit dem medizinischen Fortschritt verknüpft. Zunehmend werden Operationen endoskopisch durchgeführt, wobei eine Wundbehandlung von außen gar nicht mehr nötig ist. Das hat natürlich große Auswirkungen auf die Pflege. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass die Pflegekräfte geschult werden, sodass sie dem steten Wandel folgen können.

Was hat sich noch gravierend geändert?

Pott: Die Verweildauer der Patienten ist in all den Jahren stetig gesunken. Der Grund liegt natürlich in der veränderten Kostenerstattung durch die Krankenkassen. Früher gab es noch Geld pro belegtes Bett und Übernachtung. Mit der Einführung der Fallpauschalen und DRGs veränderte sich das Abrechnungssystem mit den Krankenkassen. Eine kürzere Verweildauer war die Folge. Für die Pflegekräfte bedeutet dies wiederum, sie haben weniger Zeit für die Patienten. Bereits bei der Aufnahme muss das Entlassmanagement beginnen.

Ist also der Druck auf das Pflegepersonal größer geworden? Hatten die Pflegekräfte früher mehr Zeit für den Patienten?

Pott: Die Arbeit ist komprimierter und spezialisierter geworden. Immer mehr, immer kränkere Patienten müssen in immer kürzerer Zeit versorgt werden. Wir hatten früher nicht mehr Personal, aber der Zwang zur Dokumentation der Behandlung ist größer geworden. Dies kostet natürlich Zeit, die dann für die Pflege der Patienten fehlt.

Wäre da der Einsatz von Servicekräften eine Lösung?

Pott: Sicherlich muss man keine ausgebildete Pflegekraft sein, um einen Patienten beim Essen behilflich zu sein oder um dessen Bett zu machen. Aber über diese Tätigkeit kommen sich Pfleger und Patienten näher. Daher ist dies auch eine Zeit der Zuwendung, die nötig und wichtig ist.

Wie attraktiv ist der Beruf bei jungen Leuten?

Pott: Der Zuspruch ist immer noch hoch. In unserer eigenen Krankenpflegeschule haben wir insgesamt 60 Schüler, 20 in jedem Ausbildungsjahr.

Gibt es noch die Pflegekraft, die diesen Beruf bis zur Rente ausübt?

Pott: Auch da können wir uns nicht beklagen. Es gibt viele Mitarbeiter denen wir zum 25. oder auch zum 40. Dienstjubiläum gratulieren.

Pflegekräfte begleiten oft Sterbende. Ist dies nicht auch eine hohe Belastung für die eigene Psyche?

Pott: Leben und Tod liegen dicht beieinander. Über unsere Krankenpflegeschule bieten wir Sterbebegleitseminare an und bereiten die Mitarbeiter darauf vor. Auch unsere ökumenische Krankenhausseelsorge kann da eine Hilfe sein.

Wenn Sie an ihren Weg zurückdenken, was hat Ihnen am meisten Freude gemacht?

Pott: Mir hat es immer gefallen, der Pflege eine Stimme und ein Gesicht zu geben. Sie ist schließlich die größte Berufsgruppe innerhalb der Belegschaft in den Kliniken. Ich bedanke mich daher auch bei allen Weggefährten und wünsche auch meiner Nachfolgerin alles Gute.

Gibt es Geschichten, an die Sie sich noch mit einem Schmunzeln erinnern?

Pott: Schmunzeln musste ich immer, wenn man mich Oberin nennt. Dies meist liebevoll, weil wir sind ja nicht konfessionell geprägt.

Ihr Markenzeichen sind die Pumps und die schwarze Kleidung.

Pott: Birkenstockschuhe habe ich nie getragen. Als ich mal eine Weile Sportschuhe anziehen musste, fiel das gleich auf, weil man mich nicht mehr kommen hörte.

Rente erreicht – worauf freuen Sie sich am meisten?

Pott: Ich bin selbst neugierig. Ich muss erst einmal in meinem neuen Leben ankommen und mich selbst entdecken. Ich freue mich darauf, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen, auch Nordic Walking könnte ich mir vorstellen oder auch Reisen, dies aber nicht als Flucht, sondern um Neues zu entdecken. Vielleicht kaufe ich mir auch wieder ein neues Cabriolet. Zwei habe ich bereits gehabt. Das war für mich immer ein besonderes Lebensgefühl, mit dem offenen Auto durch den Spessart zu fahren.

Das Gespräch führte Klaus Gimmler
    
    

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