aktualisiert: 20.01.2012 18:36 Uhr
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KARLSTADT
Krankenhaus: Akzeptanz in der Bevölkerung entscheidet
Nach der Schließung der Geburtshilfe ist die Sorge um den Fortbestand des Krankenhausstandortes Karlstadt groß
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Das Gesundheitsportal des Klinikums Main-Spessart: Viele Bürger fürchten um die Zukunft des Krankenhausstandorts Karlstadt.Foto: Andreas Brachs -
Wie geht es weiter mit dem Karlstadter Krankenhaus? Den Fragen stellten sich (hinten von links) Kreisrätin Heidi Wright, Landtagsabgeordneter Harald Schneider, Klinikreferent Hans-Peter Quindeau und Kreisrat Uwe Lambinus.Foto: Heike Huber
Wie geht es weiter im Krankenhaus Karlstadt? Diese Frage stand über einer Info-Veranstaltung der Kreis-SPD, zu der der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Harald Schneider am Donnerstagabend in den „Würzburger Hof“ eingeladen hatte. Hans-Peter Quindeau, Referent des Klinikums Main Spessart, sowie Uwe Lambinus und Heidi Wright (beide im Krankenhausausschuss des Kreistags) standen den rund 30 Interessierten unter anderem vom „Freundeskreis Krankenhaus Main-Spessart“ und vom Klinikpersonal Rede und Antwort.
Die zum Jahreswechsel erfolgte Schließung der Geburtshilfe nahm, obwohl die Zukunft des Klinikstandorts im Mittelpunkt stehen sollte, breiten Raum in der Diskussion ein. Immer wieder wurde sie als aktuelles Beispiel für die Situation des gesamten Klinikums herangezogen. Denn nach der Schließung der Geburtshilfe in Karlstadt liegt befürchten nicht wenige, dass weitere Abteilungen oder ganze Standorte eine ähnliche Entwicklung nehmen könnten.
Klinikreferent Quindeau berichtete, dass es eine Arbeitsgruppe gebe, die an Konzepten für die Zukunft arbeite. Dabei würden auch Szenarien durchdacht, die bei der Schließung eines oder zweier der insgesamt drei Standorte Lohr, Karlstadt und Marktheidenfeld entstünden. Mit Ergebnissen der Arbeitsgruppe rechnet der Klinikreferent nach der Sommerpause.
„Tue Gutes und rede darüber“
Herbe Kritik gab es von den Anwesenden an der Öffentlichkeitsarbeit und dem Marketing des Klinikums. Heidi Wright verwies auf die familiäre Atmosphäre und menschlich-fürsorgliche Betreuung in Karlstadt als entscheidende Vorteile eines kleineren Krankenhausbetriebs. Diese Aspekte hätten in der Vergangenheit stärker herausgestellt werden müssen. „Tue Gutes und rede darüber“, so Wright. Trotz einer ersten, schon 2002 eingesetzten Arbeitsgruppe zum Erhalt aller drei Krankenhaus-Standorte und deren finanzieller Sicherung sei wenig unternommen worden, um die Situation langfristig zu verbessern.
Am Beispiel der Geburtshilfe warf auch Karlstadts zweite Bürgermeisterin Anni Kühl-Johannes die Frage auf, warum man nicht viel früher reagiert habe und genauere Erhebungen über die Gründe des Abwanderns der Mütter an andere Kliniken erfolgt seien. Spätestens als 2009 die Geburtenzahl rapide gesunken sei, hätte man gegensteuern müssen.
Heinz Lambinus räumte ein, dass die Öffentlichkeitsarbeit besser geworden sei und verwies auf den Tag der offenen Tür oder den Internetauftritt des Klinikums. Dies reiche aber noch nicht aus. Etwas blauäugig und nach dem „Prinzip Hoffnung“ habe man die Geburtshilfe nach Karlstadt geholt, war aber jahrelang weit von den erforderlichen 500 Geburten entfernt. Erst mit dem Verlust des Versicherungsschutzes im Jahr 2011 sei deutlich geworden, dass mit den bestehenden Geburtenzahlen die notwendige ärztliche Präsenz (Gynäkologie, Anästhesie und Kinderärzte) rund um die Uhr nicht geleistet werden kann.
Ebenfalls am Beispiel der Geburtshilfe kritisierte Stadtrat Rudi Gosdschan, dass nicht längst im Management stärker daran gearbeitet wurde, den Klinikbetrieb an sich voran zu bringen. Über die Schwierigkeiten im Betrieb mehrerer Standorte hatte Klinikreferent Quindeau bereits zu Anfang der Veranstaltung referiert. Durch das Bereithalten von Personal, medizinischen Geräten, OP-Sälen etc. an mehreren Kliniken entstünden höhere Kosten und hohe Defizite im Millionenbereich.
Neben Kritik wurden auch konstruktive Vorschläge zum Erhalt aller drei Standorte erörtert. Mehrfach wurde der Ausbau der ambulanten Versorgung als möglicher Schritt zu einer besseren Auslastung angesprochen. Ein Vorschlag lautete, in Karlstadt eine Poliklinik zu installieren.
Ambulante Versorgung ausbauen
Dies sei zwar eine Möglichkeit, doch „dürfe man keine Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten schaffen“, kommentierte Dr. Michael Dobler, Kardiologe aus Karlstadt, den Vorschlag. In anderen Städten habe man damit schlechte Erfahrung gemacht.
Quindeau pflichtete Dobler bei. Immerhin gelte es, Praxen zu erhalten, die einen entscheidenden Teil der medizinischen Infrastruktur darstellen. Außerdem sei die ambulante Versorgung allein auch nicht ausreichend, um die Finanzierungslücken zu schließen. Der Vorschlag von Heidi Wright, eine fachübergreifende Bereitschaft stärker zu fokussieren, wurde von Quindeau entkräftet. Es sei in Kliniken zwar teilweise Praxis, dass interdisziplinär Bereitschaftsdienste geleistet würden. Dies entspreche jedoch nicht den Vorgaben für die Patientenversorgung.
Weitere Ideen waren, das Karlstadter Klinikum verstärkt für Belegärzte interessant zu machen oder eine neue Abteilung zu installieren. Marktheidenfeld habe mit dem Angebot der Neurochirurgie durch Belegärzte gute Ergebnisse erzielen können. Als Beispiel für eine mögliche neue Abteilung wurde die plastische Chirurgie genannt, die Geld in die Kassen spülen könnte.
Einig war man sich im Saal, dass der Erhalt des Standorts Karlstadt von hoher Bedeutung sei. „Für viele war die Schließung der Geburtshilfe überraschend“, so Harald Schneider.
An der Bestürzung vieler Bürger und der Gründung einer Bürgerinitiative könne man ablesen, dass die Bevölkerung sich eine wohnortnahe medizinische Versorgung dringend wünsche. Deshalb werde sich die SPD für den Standort Karlstadt stark machen.
Gewisses Defizit in Kauf nehmen
Man sei bereit, überschaubare Defizite zu tragen. Es blieb allerdings offen, wie hoch diese Defizite aus Schneiders Sicht sein dürfen. Der Landtagsabgeordnete wies auch darauf hin, dass – wie der Fall Geburtshilfe zeige – sich viele Patienten im Zweifelsfall für eine Klinik außerhalb des Landkreises entscheiden. Man müsse sich also der zentralen Frage stellen „wie wir unsere Bürger dazu bekommen, unser Angebot anzunehmen“.
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