aktualisiert: 10.02.2012 15:53 Uhr
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MARKTHEIDENFELD
2000 Schüler demonstrieren gegen Neonazis
Kein Platz für Rechts: Schüler und Lehrer bilden Menschenketten
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Starke Botschaften: Die Schüler von Gymnasium und Realschule fanden kreative Wege, um ihrer Wut über die rechten Schmierereien Ausdruck zu verleihen.Foto: JOCHEN JÖRG -
Nur heiße Luft: Die Schüler von Gymnasium und Realschule wollen sich nicht täuschen lassen von den hohlen Phrasen der Rechten.Foto: BENEDICT ROTTMANN -
Hand in Hand: Auch rund um die Mittelschule bildeten die Jugendlichen eine Kette. Sie wollten so ihre Mitte gegen den Einfluss von Rechts schützen.Foto: ROBERT KÖHLER
Mehr als 2000 Schüler haben am Donnerstagmorgen in Marktheidenfeld ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt: Die Jugendlichen von Balthasar-Neumann-Gymnasium (BNG), Realschule, Mittelschule, St. Kilian-Schule und St.-Nikolaus-Schule bildeten zwei Menschenketten, um so gegen Neonazis und ausländerfeindliches Gedankengut zu demonstrieren. Das Motto lautete „In unserer Mitte ist kein Platz für Rechts“.
Angestoßen hatten die gemeinsame Aktion die Schülermitverantwortungen (SMV) aller beteiligten Schulen. Der traurige Anlass: Unbekannte hatten die Fassaden von BNG, Realschule und Mittelschule mit rechtsradikalen Parolen und Symbolen beschmiert. „Ruhm und Ehre der Waffen-SS“ stand da, der Name von Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß war zu lesen, außerdem befanden sich Hakenkreuze an den Wänden. Die hässlichen Botschaften sind längst entfernt. Den oder die Verantwortlichen für die Tat hat die Polizei noch nicht gefunden.
Bevor die Schüler am Donnerstag ins Freie gingen, versammelten sie sich in ihren Aulen. Am BNG sprach Schulleiterin Dr. Anne-Marie Greving zu den Gymnasiasten. Sie erinnerte daran, wie es allen ergangen sei, als sie am Montag, 23. Januar, an die Schule kamen. „Wir alle haben uns besudelt, beleidigt, entehrt im Gedenken an die Opfer der Nazi-Herrschaft gefühlt. Wir alle stehen auf der Seite der Opfer, wir verabscheuen den Geist, der sich in diesen Parolen an unseren Wänden äußert. In unserer Mitte ist kein Platz für Größenwahn, für Hass, Arroganz, Tod und Vernichtung – und deshalb sind wir hier zusammen“, sagte Greving.
Für die SMV des BNG traten Aisha Salih (8 b) und Fabian Poignée (10 e) ans Mikrofon. Sie sagten, die Schüler wollten zeigen, „dass wir aus der Geschichte heraus gelernt haben, auf welchen Werten unsere Gesellschaft, in der wir so gerne leben, aufgebaut ist: Toleranz, Respekt, Nächstenliebe“. An der Schule gebe es „keinen Platz für menschenverachtende Äußerungen oder Taten“. In der Mitte der Aula brannten Kerzen, die ein Herz formten. Die Schüler sahen sie als Symbol gegen Gewalt und für den Frieden.
BNG-Mittelstufenbetreuerin Tanja Leuchtweis und die Fachbetreuerin für Geschichte am BNG, Anita Wehrmann, die die Aktion angestoßen hatten, sagten, ihnen sei wichtig gewesen, dass Schüler und Lehrer aller Schulen „diese Idee tragen“.
In der Realschule wandte sich zeitgleich Rektor Dieter Schanzer an die Schüler. Er warnte sie vor Menschen mit rechtsnationaler Gesinnung, weil diese die Gleichheit aller Menschen ablehnen. „Dass die Täter ausgerechnet Schulen besprüht haben, ist Absicht“, sagte Schanzer. „Die wollen euch! Ihr seid die Zielscheiben!“ Eindringlich appellierte er an alle Schüler, sie sollten „mutig widersprechen“, wenn rechtes Gedankengut an sie herangetragen werde. „Wehret den Anfängen! Lasst euch nicht täuschen von Parolen, die falsch und verderblich sind und die die Menschen ins Unglück stürzen!“ Schanzer sagte, er wünsche sich, dass die Realschule eine Schulgemeinschaft bleibe, in der Toleranz und ein gutes Miteinander herrschen.
Klare Worte fand auch Rektor Ronald Röhr an der Mittelschule: „Rechte, Rassisten und Nazis pfeifen auf unser Land, obwohl sie es zu retten vorgeben. Viele wollen gar wieder einen neuen Hitler-Staat errichten – obwohl genau der zum Zweiten Weltkrieg mit 55 Millionen Toten geführt hat.“ Damit die Neonazis keine Chance haben, müssten „wir alle immer wieder deutlich machen, dass wir friedlich zusammenleben wollen – egal wie wir aussehen, wie wir uns kleiden, welche Sprache wir sprechen, aus welchem Land wir kommen, welche Religion, welche politische Meinung oder welche Hautfarbe wir haben“, sagte Röhr.
Dem Protest hatten sich 50 Schüler der 5. bis 9. Jahrgangsstufe der St. Kilian-Schule angeschlossen. Schulleiterin Brigitte Krückel sagte, die Jugendlichen hätten sich nach den Vorfällen mit dem Problem des Rechtsextremismus beschäftigt und sich mit den Gleichaltrigen der anderen Schulen solidarisieren wollen. Zusammen mit Schülern der St.-Nikolaus-Schule und der Mittelschule bildeten sie Hand in Hand einen riesigen Kreis um den Schulkomplex am Maradies.
Inzwischen waren auch die Schüler des BNG und der Realschule hinaus in die morgendliche Kälte gegangen. Viele hatten selbst gestaltete Transparente dabei, darauf standen Botschaften wie „Nazis? Nein Danke!“, „Bunt, bunt, bunt, ist alles was ich mag“ oder „Schluss mit dem Geschmiere! Ihr denkt falsch!“ Eine Gruppe hatte Luftballons aufgeblasen und Buchstaben darauf geschrieben, die das Wort „Neonazis“ bildeten; später brachten sie die Ballons zum Platzen. Andere Schüler hielten Plakate hoch, auf denen jeweils der Name, der Wohnort und das Alter von jüdischen Bürgern aus Marktheidenfeld, Urspringen, Karbach oder Homburg standen, die während des Krieges von Würzburg aus deportiert wurden. „Wir wollten durch die Plakate mit den Namen die historische Realität aufzeigen, den Opfern, die aus unserer Gegend stammen, einen Namen und ein Gesicht geben“, sagte die Fachbetreuerin für Geschichte am BNG, Anita Wehrmann.
Marktheidenfelds Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder, die ebenfalls ein Glied der Menschenkette war, war von der Aktion der Schulen beeindruckt. Die Jugendlichen hätten nach den Schmierereien ein wirkungsvolles „Gegenzeichen“ gesetzt und gezeigt, dass sie sich nicht von den rechten Parolen beeinflussen lassen.
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»Alle 25 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
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dieterschanzer (2 Kommentare) am 11.02.2012 21:22
Erschreckende KommentareManche Kommentare zur Aktion der Schulen Marktheidenfelds lassen mich erschrecken. Natürlich sind die Schüler bestens darüber informiert, welcher Hintergrund letztlich hinter dem Ganzen steht, nämlich eines der schrecklichsten Verbrechen, das die Menschheit je gesehen hat. Es ist Pflicht der Schule, hier nicht nur aufzuklären, sondern zu mutigem Widerspruch und konsequentem Handeln hinzuführen. Das ist eine unverzichtbare Form der Menschen- und Charakterbildung für junge Menschen. Mir wird fast übel, wenn ich sehe, wie borniert und unbelehrbar Manche sind, die nach wie vor eine kranke Ideologie verteidigen. Wes' Geistes Kind diese sind, zeigt sich übrigens auch in der Art und Weise des Schreibens. Ein Tippfehler kann ja passieren, aber mache Kommentare strotzen nur so vor Rechtschreibfehlern, vom inhaltlichen Blödsinn ganz abgesehen. Die Betreffenden sollten überlegen, ob es nicht besser wäre, sich und anderen solche Peinlichkeiten künftig zu ersparen. |
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closs (1300 Kommentare) am 11.02.2012 11:52
Wenn das demokratische Grundrecht "Demonstration"Teil des Lehrplan ist oder wird, ist das gut. Natürlich waren da gruppendynamische Effekte dabei und natürlich waren nicht alle inhaltlich voll orientiert. Aber man muss doch mal anfangen, demokratische Grundübungen bei der Jugend einzuführen. |
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Sunnyboy97 (1035 Kommentare) am 10.02.2012 17:04
Warum eigentlichhaben die 2000 Schüler NICHT demonstriert, als die antidemokratisch-antirechtsstaatliche CSU in krimineller Art und Weise einen Trojaner ins Internet eingespeist hat um das gesamte Volk zu bespitzeln ?? Lag es vielleicht daran, dass dann die Lehrer Ärger mit der VERFASSUNGSFEINDLICHEN Staatsmacht bekommen hätten ?? |
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frankenstrasse (341 Kommentare) am 10.02.2012 15:23
@winnemFreiwillig dass ich nicht laut lache.Wenn es freiwillig gewesen wäre hätten keine 100% mitgemacht.Die vielen die gar nicht wissen um was es geht wären sicher nicht dabei gewesen. |
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winnem (739 Kommentare) am 10.02.2012 14:10
Die ganze Aktionnicht während der Schulzeit was eine nette Abwechslung zum Schulalltag bedeutet sondern in der Freizeit der Kinder und dann freiwillig... ob da auch alle dabei gewesen wären? |
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