aktualisiert: 17.07.2008 20:48 Uhr
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WÜRZBURG
Bürger und Bauern gegen Bischof
Wie sich die Würzburger mit den Aufständischen verbündeten und dafür büßten
April 1525: Im Land spielt sich Ungeheuerliches ab. Viele tausend Bauern, voller Wut und Mordlust, proben den blutigen Aufstand. 60 Burgen und 20 Klöster haben sie niedergebrannt. Ihre Haufen bewegen sich auf Würzburg zu.
In der Stadt brodeln die Gemüter. In den Weinschänken, auf den Plätzen, überall, wo Leute zusammenkommen, scheint Hans Bermeter zu sein. Der Spengler und Spielmann aus dem Hauger Viertel predigt den Umsturz.
Aus dem Rumor wird Gewalt
Am leichtesten zu entzünden sind die Häcker. Die plagen sich wie niemand sonst, fahren nur alle drei Jahre eine gute Ernte ein, leben unter unerträglichen Bedingungen und leiden unter einer übermächtigen Konkurrenz des Domkapitels (das ist die Gemeinschaft der Domherren) und der Klöster. Die müssen keine Personalsteuern an den Bischof abführen, sie können Wein billiger verkaufen.
Aus dem Rumor wird Gewalt. Bermeter und seine Gleichgesinnten überfallen Geistliche, rauben Wein, Getreide und Lebensmittel und verteilen die Beute untereinander. Sein Haufen wächst stetig.
Oben in der Festung, sitzt Bischof Konrad von Thüngen. Er ordert von benachbarten Fürsten Hilfe, glaubt aber, dass die Bürgerschaft zu ihm steht. Konrad erkennt nicht, was sich zusammenbraut. Als die Ritter des Stifts Unterstützung zusagen, empören sich die Würzburger. Was die Einquartierung der Bischöflichen bedeutet, wissen sie schon: Willkür, Plünderungen, Zwangsrekrutierung. Hans Bermeter heizt die Stimmung weiter an. Er setzt Gerüchte in die Welt und fälscht Briefe des Stadtrates, mit denen er das Rothenburger Bauernheer nach Würzburg ruft.
Der Stadtrat redet Tacheles
25. April. Der Stadtrat redet mit dem Bischof Tacheles. Würzburg werde weder seine Ritter aufnehmen, noch Bürger gegen die Bauern in den Krieg schicken. Führend in der Front gegen Konrad: der Altbürgermeister, Bildschnitzer und Steinhauer Tilman Riemenschneider. Dabei sitzt er einer List Bermeters auf. Der hatte gestreut, der Bischof und das Domkapitel hätten heimlich Geschütze und Pulver vorbereitet und Adelige versammelt, um die Bürger zu überfallen.
Die Lage eskaliert. Würzburger plündern die Klöster Ober- und Unterzell und zünden Kloster Himmelspforten an.
Am 30. April ist der Bruch zwischen Stadt und Bischof perfekt. Der Stadtrat fordert von Konrad von Thüngen die Abschaffung der Zölle, die freie Wahl der Ratsherren, die Besetzung der Gerichte durch Bürger und die Anerkennung der zwölf Artikel der Bauernschaft. Konrad lehnt ab. Am 5. Mai flüchtet er nach Heidelberg.
Die Bauernheere rücken in Würzburg ein. Der Stadtschreiber Martin Cronthal berichtet, sie hätten die Würzburger gezwungen, sich anzuschließen. Am 9. Mai geht ein offener Brief an Bischof Konrad ab. Die Bürgerschaft habe sich „aus bedrängter Not“ entschlossen, an der Seite der Bauern zu kämpfen.
Am 14. Mai, früh um vier, beginnen die Bauern mit dem Sturm auf die Festung. Die Bischöflichen, gerade mal 400 Mann, schießen aus schweren Geschützen zurück, nicht nur auf die Bauern, auch auf die Stadt. Die Bauern können die Festung nicht nehmen. Sie treiben hinter St. Burkard einen Stollen in den Berg, um die Festung in die Luft zu jagen. Auch das misslingt.
Ein furchtbares Schlachten
Während sie sich, angeführt vom Giebelstädter Ritter Florian Geyer und von Götz von Berlichingen, blutige Köpfe holen, rücken Konrads kriegserfahrene Verbündete vor.
Ein furchtbares Schlachten beginnt. Bei Königshofen und bei Sulzdorf müssen Tausende Bauern ihr Leben lassen. Götz von Berlichingen hat sich abgesetzt, Geyer wird bei Rimpar Opfer eines Attentats.
Am 8. Juni besetzen die Sieger Würzburg. Ihr Strafgericht ist furchtbar. Sie richten 115 Rädelsführer hin und nehmen 150 Bürger, unter ihnen Riemenschneider, in Haft, foltern sie und lassen sie erst neun Wochen später frei. Hans Bermeter entkommt. Zwei Jahre später wird er in Nürnberg gefangen und hingerichtet.
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