publiziert: 12.08.2010 14:03 Uhr
aktualisiert: 12.08.2010 14:10 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text OBERWITTIGHAUSEN
Cannabisplantage mit 95 Kilogramm Marihuana

Bande betrieb professionelle Anlage: zehn Tatverdächtige in Haft

Vor einer Woche war im ehemaligen Gasthaus „Lamm“ in Oberwittighausen eine professionell betriebene Cannabisplantage aufgeflogen (wir berichteten).

  • Höchst professionell: So sah die Cannabisplantage im ehemaligen Gasthaus „Lamm“ aus, als die Polizei zuschlug.
    Foto: MÜLLER
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Nun hat die für diesen Erfolg verantwortliche Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) des Zollfahndungsamtes Stuttgart und des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung Einzelheiten zu dem Großeinsatz am 5. August bekannt gegeben.

Die Plantage wurde offensichtlich von einer ganzen Bande betrieben, die auch anderswo in Deutschland ihren illegalen Geschäften nachging.

Zehn Personen, einen Deutschen und neun Vietnamesen, nahmen die Beamten der GER im Zuge ihrer Ermittlungen fest.

Mit Unterstützung zahlreicher Polizei- und Zolldienststellen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz schlugen die Beamten der GER am Donnerstag vor einer Woche zu und hoben nicht nur die Indoorplantage in Oberwittighausen, sondern auch noch eine in Grünstadt in Rheinland-Pfalz aus.

In der Profiplantage in Oberwittighausen, die in dem ehemaligen Gasthof untergebracht war, wurden 1187 Cannabispflanzen sichergestellt. Sie ergaben etwa 95 Kilogramm Marihuana.

Zum Marktwert dieses Rauschgifts sagte eine Mitarbeiterin der GER auf Anfrage der Main-Post: „Das ist sehr schwierig zu beantworten.
 
Der Preis hängt erstens von der Qualität des Rauschgifts ab, ferner davon, ob es sich um Großhandels- oder Einzelhandelspreise handelt und wo in Deutschland das Rauschgift verkauft werden soll.“

Als groben Anhaltspunkt nannte die Mitarbeiterin einen Großhandelspreis von 3000 bis 3500 Euro pro Kilogramm Marihuana. Hochgerechnet auf die sichergestellten 95 Kilo würde das einen Wert von 285 000 bis 332 500 Euro ergeben.

Die Pflanzen wurden von der Ermittlern geerntet und werden, bevor sie der Verbrennung zugeführt werden, nun auf ihren Wirkstoffgehalt hin untersucht.
 
Dieser spielt in der späteren Gerichtsverhandlung eine Rolle, denn bei einer Verurteilung wegen Betäubungsmitteldelikten kommt es auf den Wirkstoffgehalt an und nicht auf das Gewicht des gesamten Produktes.

Außerdem fanden die Beamten in Oberwittighausen umfangreiches Equipment zur Aufzucht der Pflanzen, wie zum Beispiel Lampen und Be- und Entlüftungsanlagen. Der für die Plantage benötigte Strom war von den Tätern illegal abgezapft worden.

Das sei allerdings erst im Nachhinein festgestellt worden, erklärte die Mitarbeiterin der GER. Darüber, wie die Ermittlungsgruppe auf das Treiben der Bande aufmerksam geworden war, darf die Beamtin indessen keine Auskünfte erteilen.

Ins Visier der GER waren außerdem Wohn- und Geschäftsobjekte der Bandenmitglieder in Stuttgart, Obersulm, Kupferzell und Hildesheim in Niedersachsen geraten, die ebenfalls durchsucht wurden.

Einen 34-jährigen deutschen Rauschgiftkurier nahmen Beamte des Polizeipräsidiums Südhessen nach Verlassen der Indoorplantage in Grünstadt auf der Autobahn 67 im Bereich Pfungstadt vorläufig fest.

Der Mann hatte 10,7 Kilogramm Marihuanablüten dabei. In der Plantage in Grünstadt befanden sich noch 200 Kilogramm Marihuanapflanzenreste und entsprechende Vorrichtungen, die ebenfalls auf eine professionell betriebene Plantage schließen ließen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Im Wohnobjekt in Stuttgart wurden rund 40 000 Euro Bargeld beschlagnahmt. Zehn Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen – neben dem deutschen Kurier auch neun vietnamesische Staatsangehörige, wobei vier der Vietnamesen als „Gärtner“ in den Plantagen in Oberwittighausen und Grünstadt eingesetzt waren.
 
Die anderen fünf Vietnamesen stufen die Ermittler als die mutmaßlichen Organisatoren der illegalen Marihuanaufzuchtanlagen ein.

In Oberwittighausen scheint das ehemalige Gasthaus nur wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen zu haben. Eine Anwohnerin erzählt, man habe dort eigentlich nie jemanden gesehen, nur ab und zu hätten Autos gehalten.

Manche Dorfbewohner hätten deshalb vermutet, dass jemand in dem Haus wohne. Weil diese Unbekannten am täglichen Leben aber nicht teilnahmen, könne dem einen oder anderen vielleicht schon der Verdacht gekommen sein, dort sei etwas nicht in Ordnung.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn erließ das Amtsgericht Heilbronn Haftbefehle gegen alle zehn Tatverdächtige. Sie wurden in verschiedene Justizvollzugsanstalten eingewiesen.

Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Schuhmann
    
    

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Die neuesten Kommentare

porto (17 Kommentare) am 13.08.2010 12:37

Gut gemacht

Herzlichen Glückwunsch zu dem guten Fahndungserfolg.
Ich wünsche mir, dass es auch solche tollen Erfolge in Wirtschafts-und Steuerhinterziehungs-Kreisen regelmäßig und häufig geben wird.
(0)
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