aktualisiert: 03.07.2011 16:12 Uhr
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GIEBELSTADT
Der Pöbel schnallt den Gürtel enger
Proben für die Florian-Geyer-Festspiele laufen auf Hochtouren
Freitagabend an der Giebelstädter Seenplatte treffen sich ein paar Dutzend Männer und Frauen zum Schwimmkurs. Oder etwa nicht? Nein. Es sind die Mitwirkenden der Geyer-Festspiele, die auf der von heftigen Regengüssen unter Wasser gesetzten Freilichtbühne proben. Denn schon am Freitag, 8. Juli, ist Premiere. Auf dem Programm stehen der dritte und siebte Akt des Stückes. Die Schauspieler haben den Container mit den Schwertern geplündert und dreschen heftig aufeinander ein.
Oliver Tell, der wie in den Vorjahren den Rebellen Florian Geyer gibt, wird schon bald von zwei Seiten nass. Von unten spritzt das Wasser empor, wenn der Ritter durch die Pfützen hechtet. Und vom Gesicht rinnt ihm der Schweiß, denn die extra angefertigte Hiebwaffe ist zwar stumpf, aber schwer. Wie man sein Schwert gekonnt und vor allem möglichst gesundheitserhaltend schwingt, bringt Ria Beinhölzl vom Geyer-Stuntteam den Schauspielern bei. „Wer genau hinguckt, kann schon an den Waffen erkennen, ob gleich eine Action-Szene kommt“, erklärt Tell in einer kurzen Pause. Zusätzlich zu den Waffen, mit denen zugeschlagen wird, gibt es nämlich noch welche zur reinen Dekoration.
Gesamte Technik neu
Volker Kleinfeld, Vorsitzender der Festspielgemeinschaft und zugleich Darsteller des kaltherzigen Fürstbischofs Conrad von Thüngen, erläutert derweil die Neuerungen im Geyer-Schloss. „Die gesamte Technik ist neu“, sagt Kleinfeld stolz. Ein Zuschuss der Gemeinde Giebelstadt in Höhe von etwa 30 000 Euro ermöglichten diese Investitionen. Auch die Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken und der Landkreis unterstützen die Festspiele. Nun verfügt die Freilichtbühne über neue Scheinwerfer samt Masten und eine komplett neue Tonanlage mit Mikrophonen, Verteilerpult, Stromanschluss und im Boden verlegten Kabeln.
Auch an die Bequemlichkeit der Zuschauer haben die Verantwortlichen gedacht. Die Bänke bieten nach ihrer Ausstattung mit neuen Brettern nun mehr Bewegungsfreiheit. Fanden zuvor auf den Sitzbänken im Mittelteil 26 Besucher pro Reihe Platz, so sind es künftig nur noch 23. „Die Platzbreite hat sich von 50 auf 57 Zentimeter vergrößert“, sagt Volker Kleinfeld. Mit 740 nummerierten Plätzen hat sich die Anzahl um etwa 100 verringert. Nun wird es weniger eng zugehen, wenn sich die Zuschauer an kühleren Abenden in Jacken und Decken hüllen.
Obwohl die Florian-Geyer-Festspiele nun schon seit mehr als 30 Jahren aufgeführt werden, ist Langeweile unter den Schauspielern unbekannt. Im Jahr 2003 wurde das ursprüngliche Stück von Nikolaus Fey um Motive von Gerhard Hauptmann und Friedrich Schiller erweitert, um nur einige der Quellen zu nennen. Seither, schmunzelt Kleinfeld, sei auf der Bühne nicht nur die „Gewerkschafts-“, sondern endlich auch die „Arbeitgeberseite“ vertreten. Im ursprünglichen Stück kamen nämlich nur Florian Geyer und Lorenz von Hutten vor. Die anderen Adeligen fielen unter den Tisch.
Regisseur Renier Baaken nimmt sich das Stück jedes Jahr aufs Neue vor, um es zu ergänzen oder andere Schwerpunkte zu setzen. Die Rahmenhandlung ist seit Anbeginn der Festspiele gleich: Die geknechteten Bauern begehren im Jahr 1525 gegen die sie auspressenden Adeligen und den Klerus auf. „Soll der Pöbel den Gürtel enger schnallen!“, verfügt im Stück Fürstbischof von Thüngen ungerührt. Der Ritter Florian Geyer aus Giebelstadt schlägt sich auf die Seite der Geknechteten und geht letztlich mit ihnen unter. Dazwischen reiht sich Kampf an Kampf, folgt Gewalt auf Boshaftigkeit und Grausamkeit.
Große Explosionen zum Finale
Neu ausgestaltet ist in diesem Jahr der Untergang der Familie von Helfenstein. Der in den Vorjahren gezeigte Überfall auf den Wagentreck findet nicht mehr statt. Dafür werde heuer das Helfenstein-Schloss publikumswirksam in die Luft gejagt, verrät Volker Kleinfeld. Damit die Zuschauer die pyrotechnischen Effekte auch richtig genießen können, werden die Zuschauer auf diese Szenen besser als in den vorhergegangenen Aufführungen vorbereitet. Das gilt auch für die Schlussszene, in der als Traum jedes Feuerwerkers der Pulverturm explodiert.
Das Stück „Florian Geyer – der Rebell“ wird am 8., 9. 15., 16., 22. und 23. Juli jeweils um 20.30 Uhr auf der Freilichtbühne im Geyer-Schloss in Giebelstadt aufgeführt. Karten gibt es im Vorverkauf bei Schreibwaren Krenkel in Giebelstadt, Tel. 09334-397, bei der Tourist-Information im Falkenhaus in Würzburg, Tel. 0931-372398, online unter www.florian-geyer-spiele.de oder an der Abendkasse.
Von unserem Redaktionsmitglied
Claudia Schuhmann
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