publiziert: 02.03.2010 16:24 Uhr
aktualisiert: 02.03.2010 16:35 Uhr
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Der Staat verschafft Hoteliers Luft

Reduzierte Mehrwertsteuer regt zu Investitionen an – kaum Preissenkungen in der Region

Die Hotelbranche hat bekommen, was sie sich gewünscht hatte: einen reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Übernachtungen. Im Wachstumsbeschleunigungsgesetz wurde die Senkung von bisher 19 auf jetzt sieben Prozent festgelegt

Vor allem auf Druck der CSU und der Bayern-FDP. Hoteliers in der Region begrüßen diese Änderung – jedoch nicht uneingeschränkt. Und dass Übernachtungsgäste von der Umstellung profitieren, ist damit sowieso nicht gesagt.

Manfred Skazel ist Inhaber des „Kleinen Amtshotel“ in Tauberbischofsheim. Sein Haus hat er erst vor etwa einem Jahr eröffnet und die Zimmerpreise nach der Senkung des Mehrwertsteuersatzes nicht verändert. „Wir sind ohnehin etwas niedriger eingestiegen als gedacht und haben deshalb die Preise nicht gesenkt“, sagt Skazel.

Grundsätzlich freut er sich über die Steuerersparnis, ist aber skeptisch, ob das neue Modell von Dauer sein wird. „Die Politiker haben ja immer neue Ideen“, meint der Hotelier. Trotzdem möchte er die finanzielle Entlastung für Investitionen, etwa im Garten, verwenden.

Als eher unglücklich empfindet er die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze für Übernachtung und für das Frühstück. Für letzteres sind noch immer die 19 Prozent zu entrichten. „Das ist ein Zirkus“, sagt Skazel. Erstens müsse sein Steuerbüro deshalb sämtliche Rechnungen zweimal prüfen. Zweitens komme die Trennung den Geschäftsreisenden gar nicht gelegen.

„Wenn das Frühstück auf der Rechnung extra ausgewiesen wird, bekommen sie das von ihren Tagesspesen wieder abgezogen“, erklärt der Hotelier. Er habe schon erlebt, dass Gäste deshalb nur die Übernachtung gebucht hätten und zum Frühstück in die Bäckerei gegenüber gegangen seien. „Dort zahlen sie nur sieben Prozent Mehrwertsteuer.“

Im Hotel Ratskeller in Lauda-Königshofen habe die neue Mehrwertsteuer keinen größeren Verwaltungsaufwand zur Folge gehabt, heißt es von Seiten des Hotels. Die Kasse sei entsprechend geändert worden. Man lasse die Rechnungen für Übernachtung und Frühstück einfach getrennt heraus.

„Das ist ein Zirkus“

Manfred Skazel vom Kleinen Amtshotel Tauberbischofsheim zu unterschiedlichen Steuersätzen für Übernachtung und Frühstück

Der Ratskeller lässt indessen auch seine Gäste an der Mehrwertsteuersenkung teilhaben: Das Hotel hat seine Übernachtungspreise um vier Euro gesenkt.

Nicht nur für Hotels gilt nun der reduzierte Mehrwertsteuersatz. Auch Campingplätze profitieren von dieser Gesetzgebung. Begründet wird das im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ so: Es sei nur schwer zu erklären, warum der Übernachtungsgast in einem Luxushotel nur sieben Prozent Mehrwertsteuer zu entrichten hat, ein Camper aber 19.

Und so kommt auch Gerd Kempf, Inhaber des Campingplatzes Willinger Tal bei Bad Mergentheim, in den Genuss des gesenkten Steuersatzes. Er sieht das neue Gesetz „ganz klar positiv“.

Auf seinem Platz stehen ohnehin eine Reihe von Investitionen an, die er nun schneller angehen kann als geplant. „Der Staat verschafft uns etwas Luft“, sagt Kempf. Das sei auch nötig, denn die Banken zögen nicht mehr so mit. Doch nicht nur er selbst profitiere von der gesenkten Steuer: „Sobald ich etwas renoviere, profitieren andere Firmen“, so Kempf.

Sicher gebe es auch einige wenige, die sich mittels der Steuererleichterung die Taschen füllen wollten, meint er. Aber: „Wer nicht investiert, hat ein Problem.“ Investitionen stehen für den Campingplatzinhaber ganz oben auf der Tagesordnung. Die Übernachtungspreise will er vorerst nicht senken.

Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Schuhmann
    
    

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