publiziert: 07.09.2011 15:08 Uhr
aktualisiert: 07.09.2011 17:08 Uhr
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Die Spuren jüdischer Kultur

Führung durch Stadt und Museum
  • Mehr Gedenkstätten als tatsächliche Spuren jüdischen Lebens gibt es in Bad Mergentheim.
    Foto: Peter D. Wagner
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Unter dem Motto „Erbe und Modernität“ luden jüdische Gemeinden, Gedenkstätten und Museen in mehr als 40 Orten in Baden-Württemberg zu Veranstaltungen anlässlich des „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“ ein.

Dieser setzt sich seit mehr als zehn Jahren zum Ziel, die Geschichte des europäischen Judentums, seine Bräuche und Traditionen bekannt zu machen.

Das Deutschordensmuseum Bad Mergentheim beteiligte sich in diesem Jahr zum zweiten Mal. Unter dem Titel „Was übrig blieb. Zeichen jüdischen Lebens in Museum und Stadt“ führte Hartwig Behr zunächst an verschiedene Stationen in der Altstadt und anschließend im Museum.

Dabei wurde der Weg der jüdischen Gemeinde Mergentheims von der ersten Erwähnung im Jahr 1298 bis zur Deportation im August 1942 nachgezeichnet. In Bad Mergentheim habe es nach Behrs Angaben seit dem Mittelalter Juden gegeben. Diese seien vom Deutschen Orden zugelassen gewesen, auch um dessen wirtschaftlichen Interessen zu dienen.

Allerdings hätten sich die Juden ihren Schutz erkaufen müssen, was alle fünf Jahre neu geschehen musste. Die Geschichte bis hin zur Zerstörung, Vertreibung und Ermordung durch die Nationalsozialisten wurde in dem Buch „Die letzten Mergentheimer Juden“ von Hermann Fechenbach, der nach England emigrierte, geschildert.

1400 Grabstätten

„Zeichen jüdischen Lebens gibt es in der Stadt, aber Spuren davon immer weniger“, meinte Behr. Immer mehr dieser Spuren seien aus dem öffentlichen Blickfeld in Sammlungen des Deutschordensmuseums oder Stadtarchivs übergegangen. Die deutlichste Spur jüdischen Lebens befinde sich noch außerhalb der Stadt in Unterbalbach, wo der große jüdische Friedhof rund 1400 Grabstätten aufweise.

Erste Station war das Areal des Evangelischen Gemeindezentrums in der Härterichstraße, auf dem sich ein im Jahre 1978 errichteter Gedenkstein befindet. Bei dem dortigen Gedenkstein fehle ein Segment, das symbolisch für das Fehlen des jüdischen Bevölkerungsanteils nach dessen Vertreibung stehe. Dieser Anteil habe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immerhin rund fünf Prozent betragen.

„Ein bedrückender Platz“, meinte Behr an der nächsten Station, dem Bahnhofsplatz, in Anbetracht der drei Deportationen in den Jahren 1941 und 1942. Die meisten der abtransportierten Juden seien erschossen worden. Der dritte und letzte Deportationszug sei nach Theresienstadt gegangen, von wo aus die meisten Juden in Vernichtungslager gekommen seien.

Eine Gedenktafel im Innenhof der Realschule St. Bernhard in der Holzapfelgasse weist darauf hin, dass dort die 1760 errichtete Synagoge der jüdischen Gemeinde stand, die in der Reichspogromnacht 1938 ebenso verschmutzt und demoliert worden sei wie die Schaufenster des Schuhgeschäfts Springmann in der Bahnhofstraße.

Bevor die Führung im Deutschordensmuseum ihren Abschluss fand, wies Behr auf den Gedenkstein im Äußeren Schlosshof hin, auf dem die Namen aller 96 jüdischen Opfer verzeichnet sind.

pdw
    
    

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