aktualisiert: 02.02.2012 18:42 Uhr
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BRONNBACH
Dreharbeiten bei klirrender Kälte
Hauptdarstellerin Martina Gedeck spricht im Kloster Bronnbach über ihre Rolle in „Die Nonne“
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Pause: Statistinnen in Nonnen-Kleidung – von Plastikumhängen geschützt – sitzen am Donnerstag im Kloster Bronnbach am Rande der Dreharbeiten beim Essen.Foto: Frank Rumpenhorst -
Eiskalter Filmstart: Der Produzent Benoît Quainon (von links), die Produzentin Nicole Ringhut mit Alice de Lenquesaing (Schwester Ursule), Martina Gedeck (Frau Simonin), Koproduzent Reza Bahar, Pauline Etienne (Suzanne Simonin), Dieter Krauß (Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württember) und Françoise Lebrun (Supérieure Mme de Moni).Foto: Heike Heise
Seit Anfang Januar wird im Kloster Bronnbach Diderots „Die Nonne“ unter der Regie von Guillaume Nicloux verfilmt. Am Donnerstag gab es ein Stelldichein mit den beiden Hauptdarstellerinnen Martina Gedeck und Pauline Etienne.
„Stopp. Warten“, flüstert jemand in einer dicken schwarzen Jacke. Gerade wird eine Szene direkt vor dem Kloster am Brunnen abgedreht. Es ist klirrend kalt. Sofort, wenn die Kamera aus ist, schlagen die Schauspieler ihre Füße aneinander. Obwohl sich der Regisseur Nebel gewünscht hatte, strahlt die Sonne. Im Kloster selbst ist erst einmal warten angesagt. Im Saal nebenan werden Neuankömmlinge eingekleidet, trinken Tee – und warten. Irgendjemand trägt ein silbernes Schwert. Zwei Frauen nähen auf einem großen weißen Tuch ein rotes Kreuz.
Plötzlich kommt Bewegung in die Presseleuteschar. Alles gruppiert sich im Klosterhof für das offizielle Foto. Dann klicken zig Fotoapparate. „Frau Gedeck, schauen Sie bitte hier her“, „jetzt mal alle hier her gucken“. Nach zehn Minuten geht es zur offiziellen Pressekonferenz ins Nachbargebäude – ohne Regisseur. Dafür mit einer äußerst freundlichen Martina Gedeck und einer schüchtern wirkenden Pauline Etienne – Mutter und Tochter, sozusagen.
Sie habe extra Recherchen über die Zeit betrieben, Gesang- und Klavierunterricht genommen, erklärt Pauline Etienne. Nur Minuten später wird sie wieder am Set gebraucht.
„Es ist ein ganz außergewöhnlicher Stoff, eine Geschichte von einem jungen Mädchen, das versucht, sich von den Konventionen zu befreien“, erklärt Martina Gedeck. Sie spielt im Film Madame Simonin, Suzannes Mutter. Suzanne, entsprungen aus einer Liebschaft, wird von ihr ins Kloster gegeben. „Es ist eine große tragische Liebe und gleichzeitig eine gewalttätige Haltung der Mutter ihrem Kind gegenüber – und dieser Konflikt hat mich sehr interessiert“, sagt die Gedeck. Es sei sehr schön für sie, wenn eine Figur Tiefenschärfe in die Abgründigkeiten des Lebens hat. Im Gegensatz zur Ulrike Meinhof in „Der Baader Meinhof Komplex“ muss sie bei dieser Figur mehr kreieren. „Das gibt eine größere Freiheit in der Gestaltung“, erklärt Gedeck. Ein ganz klein wenig gerät sie ins Schwärmen, als es um den Drehort geht: „Die Atmosphäre ist eins zu eins da und genau die, die man braucht. Dadurch kann man sich gut in die Situation hineinversetzen“, sagt sie.
„Auch wenn das Kloster Bronnbach nicht erkennbar ist, das spricht sich rum in der Branche“, so Dieter Krauß von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, die den Film finanziell unterstützt. „Der Film ist für das Filmland Baden-Württemberg eine wunderbare Referenz“, sagt er.
Vor zwei Jahren wurde das Projekt von den beiden Produzenten Nicole Ringhut von Belle Epoque Films und Benoit Quainon von Les Films du worso) angedacht. Derzeit arbeiten 60 Leute aus Deutschland, Frankreich, Belgien an diesem Film. „Kauderwelsch“, lacht Nicole Ringhut auf die Frage nach der Setsprache, die eigentlich französisch ist. Martina Gedeck: „Diese sprachliche Distanz ist dem Metier sehr zuträglich. Man hört genauer hin, was der andere sagt.“ Auf die abschließende Frage, wie sie mit der Kälte in ihrem weit ausgeschnittenen Brokatkleid zurechtkommt, lacht Martina Gedeck: „Sie wissen ja nicht, was ich unter meinem Kleid anhabe.“ Und schiebt nach einer etwas genaueren Erklärung noch nach: „Das muss man eben aushalten.“ So wie die Komparsen, die inzwischen in der Kirche für eine Lichtprobe stehen. Und wieder ruft einer: „Stopp. Warten.“
Das historische Drama „Die Nonne“ mit Pauline Etienne, Isabelle Huppert und Martina Gedeck soll etwa Mitte 2013 in die Kinos kommen. m. Angesetzt sind 34 Drehtage, davon 18 in Bronnbach und Maulbronn. Der unter anderem von der Filmförderung Baden-Württemberg mit 400 000 Euro geförderte Streifen soll etwa kostet laut Produktionsleitung 5,5 Millionen Euro kosten.
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