publiziert: 06.02.2012 16:17 Uhr
aktualisiert: 06.02.2012 16:20 Uhr
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Ein Vollzeitjob zum Geburtstag

Landrat a. D. Georg Denzer wird an diesem Dienstag 70 Jahre alt
  • Gratulation: Zu seinem 60. Geburtstag bekam Georg Denzer von seiner Frau diese Wurstschneidemaschine geschenkt. Diese Maschine wird ganz sicher auch zu den diesjährigen Feierlichkeiten anlässlich seines 70. Geburtstages wieder in Gebrauch genommen.
    Foto: heike Heise
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Drei Jahre war er der Erste Landesbeamte, 24 Jahre lang Landrat, seit sieben Jahren ist er im Ruhestand. Heute feiert Georg Denzer seinen 70. Geburtstag. An Ruhestand denkt umtriebe Pfälzer noch lange nicht.

Referendar in Heidelberg und Mannheim, anschließend arbeitete Georg Denzer im Landratsamt am Bodensee und ging dann für ein Jahr ins Bundesinnenministerium. „Vom kleinen Landratsamt nach Bonn – das war ein Kulturschock“, lacht er heute darüber. Georg Denzer war vier Jahre lang Personalchef der Bereitschaftspolizei, zu einer Zeit, in der die Baader Meinhof-Prozesse liefen. Und weil er dort keine Karrierechancen sieht, wird er Erster Landesbeamter und drei Jahre später zum Landrat des Main-Tauber-Kreises gewählt. Die Bosch-Teststrecke, die Sicherung der Tauberbahn oder die Verbesserung der Infrastruktur und die Entwicklung der drei Berufsschulen zu Schulzentren – in den 24 Jahren seiner Tätigkeit hat Georg Denzer viel bewegt.

Wäre im Jahr 2005 der Ruhestand für den damals 63-Jährigen von Gesetzes wegen nicht vorgegeben gewesen, er hätte nach eigener Aussage gern noch ein paar Jahre im Amt verbracht. Aber: „Das Leben besteht nicht nur aus einer Funktion, einer Tätigkeit – man muss auch loslassen können“, sagt Georg Denzer. Unumwunden gibt er dennoch zu, dass es ihm schwergefallen ist, aus dem Amt zu scheiden. „24 Jahre Landrat – das war schließlich ein ganzes Berufsleben“, begründet er.

Heute gewinnt er seinem „Ruhestand“ durchaus auch positive Seiten ab: „Man kann sich mehr um die Familie kümmern.“ Er entdeckt das Lesen wieder für sich und durch den inzwischen verstorbenen Professor Reiner Schmidt und die Bronnbacher Klassik einen Zugang zur Musik. Sport hingegen ist außer ein wenig Skifahren nicht so sein Ding. „Na, bei 1,60 Meter Körpergröße konnte doch aus mir nie ein großer Sportler werden“, witzelt er in seiner typisch schlagfertigen Art.

Was Denzer nicht vermisst, sind die vielen Repräsentationstermine: „Heute gehe ich dahin, wohin ich will, früher glaubte ich, ich muss überall hin. Das nahm mir natürlich die Freizeit.“ Um die Feierlichkeiten anlässlich seines Geburtstages allerdings muss er sich selbst kümmern. Auch wenn er am heutigen Tag die Flucht in seine Heimat, die Pfalz, angetreten hat, so lässt er es sich nicht nehmen, mit Freunden, langjährigen Wegbegleitern und Mitstreitern der ersten Stunde einen „Altlandrätlichen Dämmerschoppen“ zu veranstalten. „Altlandlandrat“, diesen Titel, den die fränkischen Nachbarn vergeben können, den hätte er schon gern. Genauso gern wie einen Vollzeitjob „als Repräsentant oder so“ in Berlin. Eine kleine Wohnung hat er dort schon seit Jahren. „Noch mal zwei, drei Jahre in die Vollen gehen, das wäre was“, sagt er. Aber andienen wolle er sich nicht.

„Heute gehe ich dahin, wohin ich will. “

Georg Denzer über seinen Ruhestand

Haus und Garten allein füllen Georg Denzer nach eigenen Aussagen bei Weitem nicht aus. So ist es kein Wunder, dass der „Altlandrat“ in vielen Bereichen aktiv ist. Seit einiger Zeit ist er für die HOT-Region als Bioenergiebotschafter tätig, hat einen Beratervertrag bei der Westfrankenbahn und für ebm-papst in Mulfingen, ist bei der Sport Marketing Tauberbischofsheim GmbH im Aufsichtsrat, Mitglied im Landwirtschaftlichen Maschinenring und nicht zuletzt als Reisebegleiter viel unterwegs.

Ob Nordkap, China oder Syrien – Georg Denzer begleitet nicht nur die Reisegruppen, sondern setzt sich mit der Kultur und Politik der bereisten Länder intensiv auseinander. So ist auch zu erklären, wieso er die hiesige Berichterstattung über die Lage in Syrien als äußerst einseitig abtut. Und genau an dieser Stelle kommt der Georg Denzer zum Vorschein, wie ihn der Landkreis kennt. Denzer hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Klare Worte, klare Statements, das ist sein Markenzeichen.

„Das passt mir alles nicht, was da läuft“, sagt Denzer mit entsprechendem Nachdruck über die anstehende Polizeistrukturreform. „Die sollen doch sagen, dass sie die Einsatzkräfte in den Ballungsräumen brauchen und sollen nicht versuchen, uns Sand in die Augen zu streuen“. Seiner Meinung nach geht es gar nicht um die Polizei, sondern um den wieder entbrannten Kampf zwischen den Verdichtungsräumen und dem ländlichen Raum.

Genau zu diesem Thema saß er vor vielen Jahren in der TV-Talkshow „Nachtcafé“ bei Wieland Backes. Und wieder weiß Georg Denzer eine nette Geschichte darüber zu erzählen. Genauso wie die von einem vergessenen Reisepass, vom Brief des letzten Verteidigungsministers der DDR, Rainer Eppelmann, oder, oder, oder.

Einige dieser kuriosen, lustigen, auch politischen Geschichten werden ganz sicher wieder erzählt werden, wenn er im Kreise seiner Familie und Freunde feiert. Und die brauchen ganz sicher auch nicht fragen, mit welchem Geschenk sie ihm eine kleine Freude machen könnten. Weißwein für seinen Weinkeller, einen Schinken aus dem Krainer Karst oder eine Wanderkarte für den Rennsteig, denn den möchte Georg Denzer unbedingt einmal komplett „abwandern“.

Von unserer Mitarbeiterin Heike Heise
    
    

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