publiziert: 01.06.2010 16:15 Uhr
aktualisiert: 01.06.2010 16:16 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text KORNTAL-MÜNCHINGEN
Freiflächen im Feld sollen bedrohter Lerche helfen

135 Landwirte machen im Ländle schon mit
  • Hilfe für die Feldlerche: Der Landwirt Karl Schmid läuft in Korntal-Münchingen (Landkreis Ludwigsburg) durch ein Lerchenfenster in einem Weizenfeld. Der bedrohten Vogelart wollen Bauern mit freien Flächen in Feldern helfen.
    Foto: Marijan Murat
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(lsw) Das wogende Getreidemeer auf einem Feld in Korntal-Münchingen hat unerwartete Lücken. Was zunächst wie ein Fehler der Sämaschine aussieht, ist eine durchdachte Tierschutz-Aktion: Die 20 Meter langen Freiflächen – sogenannte Lerchenfenster – inmitten eines Getreidefeldes sollen der bedrohten Vogelart Feldlerche geschützte Brutflächen bieten.

Natürliche Feinde wie der Fuchs finden nur selten dorthin. Vor einem Jahr startete das Projekt Lerchenfenster vom Naturschutzbund (NABU) und dem Landesbauernverband inBaden-Württemberg (LBV). Inzwischen beteiligen sich im Südwesten den Angaben zufolge 135 Landwirte mit 720 „Lerchenfenstern“. Das sei eine erfreuliche Zahl, sagte LBV-Präsident Joachim Rukwied am Dienstag in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg), zumal etwa ein Drittel der bundesweit 2200 Lerchenfenster in Baden-Württemberg seien.

Ernteverlust

Einer der Landwirte ist Karl Schmid, der seine Lerchenfenster bei der Projekt-Vorstellung zeigte. Pro Freifläche gehen ihm etwa zehn Euro Ernteertrag durch die Lappen. Die Teilnahme an dem Projekt sei für ihn dennoch selbstverständlich gewesen, sagte Schmid. „Wir als Bauern tragen schließlich auch Verantwortung für die Natur.“ Der Landesvorsitzende des NABU, Andre Baumann, betonte die Bedeutung der Feldlerche für das Ökosystem. „Wo es Feldlerchen gibt, ist die Natur intakt.“ Der Bestand des Vogels mit seinem bräunlichen Gefieder und markanten Gesang sei in den vergangenen Jahren wegen der intensiven Landwirtschaft aber rapide zurückgegangen. Wiesen werden häufiger gemäht, Ackerflächen großflächig gedroschen. Dabei sterben Lerchenjungen, die noch nicht flügge sind.

Seit 2008 steht der Vogel auf der roten Liste bedrohter Tiere. Der Bestand der Feldlerche könnte nach Erkenntnissen aus ähnlichen Projekten in England fast verdreifacht werden. Die Lerche sei den Landwirten als natürlicher Schädlingsvertilger ein willkommener Gast, sagte Baumann. „Sie frisst viele Insekten, darunter auch Getreideschädlinge.“ Dementsprechend groß sei die Bereitschaft der Bauern, beim Aussäen eine samenfreie Lücke zu lassen – und damit Raum für die späteren Lerchenfenster zu lassen.

Agrarminister Rudolf Köberle (CDU) begrüßt das Projekt als freiwillige Naturschutz-Maßnahme der Bauern, die häufig in einem harten Ernte-Wettbewerb stünden. Geld vom Land gibt es aber nicht. „Ein Minusgeschäft muss das für die Landwirte aber nicht sein“, sagt Baumann. Denn am Feldrand stellen die Projektträger Schilder mit der Bitte zum Anleinen von Hunden auf. „Normalerweise lassen Hundebesitzer ihre Tiere laufen, die trampeln dann viel Getreidehalme platt“, sagt Baumann.

Feinde aus der Luft

Bei Lerchenfenstern hingegen zeigten die Hundebesitzer mehr Verständnis und ließen ihre Vierbeiner nicht in die Felder laufen. Die Freiflächen sind für die Vögel eine abgeschirmte Start- und Landebahn sowie eine sichere Brutstätte für die aufwachsenden Jungen. „Nester in hohem Gras oder im Getreide werden durch den Morgentau feucht, das Gefieder der Vögel nass und die Kleinen anfälliger für Krankheiten.“

Das sei auf den Freiflächen wie einem Lerchenfenster mit niedrigem Gras oder Erde weniger der Fall, sagte Baumann. Als Versteck gegen Adleraugen am Himmel eigneten sich Lerchenfenster hingegen nicht. Obgleich Feldlerchen ihre Nester gut tarnten, fielen ihre Nester bisweilen Jägern aus der Luft zu Opfer. Naturexperte Baumann sieht das pragmatisch: „Wenn ein Feldlerchennest ausgeräumt wird, dann freuen wir uns für die Greifvögel.“

    
    

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