publiziert: 08.02.2012 17:53 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 18:16 Uhr
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Im alten Hamele-Anwesen in Röttingen gibt es bald Spiel und Spaß auf vier Etagen

Geheime Gänge und Gruselkelle

Ritterspiele neben dem Burgturm, eine Rutschbahn ins Verließ, Schlossgespenster spuken zu mittelalterlichen Geräuschen: Was sich anhört wie Szenen aus einem spannenden Hitchcock-Thriller, wird in Röttingen real. Eine alte Fachwerk-Scheune eignet sich optimal als Kulisse für Spiel, Spaß und Spannung. Noch dazu direkt neben der historischen Stadtmauer.

Lange stand das Hamelehaus, wie das Gebäude und die alte Scheune in der Röttinger Erbsengasse umgangssprachlich genannt werden, leer. Zu einem symbolischen Preis hat es die Stadt Röttingen gekauft. „Es war ein Anerkennungsbetrag. Mehr nicht“, sagt Bürgermeister Martin Umscheid.

Und für die Stadt hatte der Kauf des 500 Quadratmeter großen Grundstücks den Vorteil, dass sie das alte Gerütsch hätte abreißen können und so mehr Platz vor dem Jakobsturm – die Stadt hat hier eine Ferienwohnung eingebaut – gehabt hätte. „Der Turm wäre dadurch viel besser zur Geltung gekommen“, sagt Umscheid.

Die Röttinger hätten damit aber noch ein zweites Problem, eines das viel dringender ist, lösen können. Die historische Stadtmauer, die unmittelbar an die Scheune grenzt, hat bereits Setzrisse und ist teilweise sogar schon eingebrochen. „Die Gefahr ist groß, dass die Mauer einfällt“, sagt Umscheid. Dass alles überhaupt noch zusammenhält, bezeichnet der verantwortliche Statiker als Wunder. „Die Mauer hält nur noch aus Gewohnheit“, so der Bürgermeister. „Sie muss dringend wieder aufgebaut werden.“ Es war also höchste Zeit, etwas zu tun.

„Wir bauen Röttingen nach und nach zu einer Kinderstadt aus.“

Martin Umscheid, Bürgermeister

Doch der Abriss des Hamele-Anwesens, die Platzgestaltung und der Aufbau der Stadtmauer kamen zu teuer. Kostenschätzungen lagen bei 330 000 Euro. Und noch dazu hätte das ganze Geld aus der Stadtkasse kommen müssen. Eine finanzielle Beteiligung lehnte die Regierung von Unterfranken ab.

Was nun? Da hatten die Verantwortlichen für die Städtebauförderung bei der Regierung von Unterfranken die Idee, nur das Wohnhaus abzureißen und die Scheune zu restaurieren. Weil es in Röttingen schon genügend Kulturkeller und Scheunen gibt, setzte sich nach und nach der Vorschlag einer Spielscheune durch, erzählt der Bürgermeister.

„Und das ist schon eine scharfe Idee“, freut sich Martin Umscheid. Denn so etwas gebe es wohl bayernweit noch nicht. Ein überdachter Spielplatz auf vier Etagen – das überzeugte auch die Städtebauförderung. Höchstforderung, hieß es im Bescheid, der Ende 2011 an das Röttinger Rathaus ging.

Das bedeutet, dass 60 Prozent der Baukosten von rund 715 000 Euro aus dem Städtebauförderungsprogramm kommen. Bei der Stadt bleiben nur 290 000 Euro. Die Stadt spart zwar nicht viel, so Umscheid weiter. Bekommt aber dafür mehr Leben in den aussterbenden Kern und hat nicht das Problem, dass sie zusehen muss, wie sie das große, ziemlich verschnittene Grundstück, wieder los wird.

In den Kosten ist der Aufbau der Stadtmauer mit 150 000 Euro enthalten. Martin Umscheid freut sich: „So bauen wir Röttingen nach und nach zu einer Kinderstadt aus.“ Denn bald gibt es in der Stadt neben dem bereits vorhandenen großen Erlebnisspielplatz neben der Firma eibe auch überdachte Spielmöglichkeiten.

Der bekannte Röttinger Spielgerätehersteller hat auch bereits ein Konzept für die Spielscheune entwickelt. Und das lässt Groß und Klein aufhorchen. Eine knarzende Zugbrücke, soll in die Spielburg führen. Da trifft es sich gut, dass ein Mitarbeiter des Röttinger Bauhofes direkt nebenan wohnt. „Ich habe schon mit ihm gesprochen. Jeden Morgen um 7 Uhr wird er die Brücke hochziehen“, sagt Umscheid.

Im Burghof gibt es einen geheimen Eingang in den Turm, ein Zauberspiegel-Labyrinth, einen Prinzessinnenturm und mehrere Tunnel. Über eine Röhrenrutsche geht es hinab in den Keller – ins Gruselkabinett. Hier gibt es Kletterfässer und ein Skelett – natürlich nur zu Dekorationszwecken – und reichlich Spinnen. Und überall sollen kleine Schätze versteckt sein. Den Bauantrag hat der Röttinger Stadtrat genehmigt. Die Ausschreibungen für die Spielgeräte laufen. „Wenn alles gut läuft, kann der Bau im Mai beginnen“, sagt Umscheid erwartungsvoll.

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Fritz
    
    

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