aktualisiert: 29.10.2009 15:32 Uhr
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UISSIGHEIM
Kommunikations- und Führungstraining mit Pferden
Das Ross als Persönlichkeitsspiegel
Führen und sich führen lassen, eindeutige Anweisungen geben, Verantwortung übernehmen oder abgeben – all das sind alltägliche Aufgaben im Berufsleben von Führungskräften. Dennoch: Führen müssen heißt nicht Führen können.
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Sich mit geschlossenen Augen von ihrer Mitstreiterin Caroline Neder (rechts) führen zu lassen: Eine Aufgabe, die von Teilnehmerin Marion Rosin Vertrauen erfordert.FOTOS Sara Schmitt -
Die Kursleiterinnen: Therapeutin Waltraud Wagner (links) und Renée Heß, Business- und Englischcoach.
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Die Kommunikation zwischen Stefan Rosin und dem Pferd stimmt.
Um einen Einblick in ihr eigenes Führungsverhalten zu bekommen, ließen sich vier Teilnehmer nun auf ein Persönlichkeitstraining ein - und zwar mit Pferden.
„Demut wieder lernen, die man im Alltag als Führungskraft vergisst“, mit diesem Ziel ist die Englischdozentin Caroline Neder zu dem Persönlichkeitstraining in Uissigheim gekommen. Nur wenn sie sicher führen könne, sei sie auch in der Lage, eine Klasse zu leiten, meint die 49-Jährige.
Die gebürtige Mexikanerin ist aufgeregt, obwohl sie schon zum zweiten Mal an dem Coaching teilnimmt. Sie hat Angst vor den großen Tieren, dennoch stellt sich die den Herausforderungen, die nun auf sie zukommen.
Ebenso wie sie sehen es auch die anderen Teilnehmer des Seminars „Das Pferd als Ich-Coach“. Insgesamt drei Frauen und ein Mann haben sich bei den Veranstalterinnen Renée Heß und Waltraud Wagner eingefunden, um sich „coachen“ zu lassen.
Bei einem kurzen Willkommenskaffee werden die Wünsche, Erwartungen und Intentionen der Teilnehmer besprochen. Danach beginnt die Arbeit am Pferd. Renée Heß, pferdeerfahrene Business- und Englischtrainerin ist eine der beiden Leiterinnen des Seminars.
Sie holt die Stuten Renomé und Shakira von der Weide und lässt sie auf dem eingezäunten Sandplatz der Anlage wieder los. Die Teilnehmer stehen nun gespannt vor ihrer ersten Aufgabe: eines der beiden Pferd auswählen, an den Strick nehmen und durch einen Parcours führen. Klingt eigentlich recht einfach, dennoch ist entschlossenes Auftreten und zielorientiertes Handeln gefordert.
Stefan Rosin, Betriebsleiter in einem In- und Ausbaubetrieb, macht den Anfang. Entschlossen sucht er sich eines der beiden Pferde aus, nimmt es an den Strick und führt es ohne Probleme durch den Parcours. Auch als er den Strick löst folgt Shakira.
„Er ist der geborene Führer. Er hat keine Zweifel an seinem Handeln, deswegen folgt ihm das Pferd“, stellen die Leiterinnen des Seminars einstimmig fest.
Seiner Mitstreiterin Caroline Neder hingegen gelingt es nicht ohne Weiteres, diese Aufgabe zu bewältigen. Allen „Hüjas“ und „Hopps“ zum Trotz, das Pferd bleibt stehen. Die Englischdozentin kann Renomé nicht dazu bringen, ihr zu folgen.
„Du hast kein Ziel fokussiert. Auch wenn du sagst „komm mit“, zeigt dein Körper dem Tier nicht wohin es soll“, erklärt Waltraud Wagner. Die Therapeutin, deren Arbeitsschwerpunkt in der Persönlichkeitsentwicklung liegt, bildet die zweite Hälfte des Coaching-Teams.
Ein Ergebnis, das Caroline Neder die Schwächen ihres Führungsstils widerspiegelt. „Pferde sind überparteilich und lassen sich nicht bestechen. Sie zeigen eindeutig, wenn man schlecht führt“, so die 49–Jährige. Genau das sei der Grund gewesen, warum sie sich für ein Seminar mit Pferden entschieden habe. Eine aufrichtige Rückmeldung zum eigenen Führungsstil erhalte man im Berufsalltag nie, ergänzt sie.
Diese Sicht auf den „Mitarbeiter Pferd“ teilt auch Kursleiterin Renée Heß. Das Pferd sei authentisch. Es spiegele durch seine Reaktion direkt die Klarheit der gegebenen Anweisung wider, erklärt Kursleiterin die Stärke der Veranstaltung.
Durch die Arbeit mit dem Pferd erfahren die Teilnehmer direkt, wie ihre Anweisungen bei anderen ankommen. Sind sie unsicher, folgt das Pferd ihnen nicht. Das Tier merke die Ambivalenz zwischen Intention und tatsächlichem Handeln, erklärt Renée Heß dieses Verhalten.
Gleichzeitig zeichnet sich das Seminar durch die anschließenden Einzelgespräche aus. Waltraud Wagner zeigt noch einmal die Probleme auf und erarbeitet gemeinsam mit den Teilnehmern Lösungsstrategien, die im beruflichen Alltag anwendbar sind.
Noch eine weitere Komponente des Berufsalltags von Führungskräften wird in dem Seminar beleuchtet: Verantwortung übernehmen und abgeben. Hierbei führen sich die Teilnehmer abwechselnd auf einem Pferd durch den bekannten Hindernisparcours.
Die besondere Schwierigkeit liegt darin, dass der Reiter die Augen dabei schließt. „Man verliert selbst die Kontrolle und muss anderen Vertrauen“, beschreibt Marion Rosin das Gefühl auf dem Pferd. Das man diese Verantwortung nicht jedem überlässt, zeigt Angela Schmitt. Die 53-jährige Beamtin lässt sich hier nur von der pferdeerfahrenen Kursleiterin Renée Heß führen.
Der eigentliche Lerneffekt dieses Coachings stelle sich immer ein paar Tage später ein, meint Stefan Rosin. „Wenn ich im Berufsleben vor neuen Aufgaben stehe, erinnere ich mich an diese Erfahrungen – so war es auf jeden Fall letztes Mal“, erklärt er zufrieden im abschließenden Gespräch bei einem Glas Cremant.
Weitere Informationen unter
www.ichcoach.com
Tel. (0 93 45) 92 78 47.
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